Ist der Arbeitsmarkt für Spezialisten ein Überraschungsei?

16, Februar, 2016 Frank Schabel 0 Kommentare
© PicsTec – Fotolia.com
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Nach wie vor bin ich verblüfft, wie stabil sich der deutsche Arbeitsmarkt in den letzten Jahren entwickelt hat. Dies zeigt auch unser jüngster Fachkräfteindex für das 4. Quartal 2015. Die Suche nach Spezialisten ist wieder leicht angestiegen. Klar: Die Wirtschaft wächst bekanntlich, sogar stärker als der Arbeitsmarkt. Aber nicht in dem Maße, dass dies positiv auf den Stellenmarkt durchschlägt – zumindest laut gängiger Expertenmeinung.

Deutscher Arbeitsmarkt stabil

Ich bin verblüfft, weil sich die wirtschaftliche Lage spätestens seit der Finanz- und Bankenkrise vor neun Jahren zutiefst fragil und instabil entwickelt hat. Es gibt keine stabilen und berechenbaren Säulen mehr, welche die weltweite Wirtschaft über einen längeren Zeitraum tragen. Dies hat der scheidende Henkel-Chef Kaspar Rorsted eindrucksvoll in einem Handelsblatt-Interview beschrieben. Trotzdem lässt sich der deutsche Arbeitsmarkt nicht aus der Ruhe bringen – weder von dem Einbruch in einigen BRICS-Staaten noch von der schwächelnden Konjunktur in Europa oder einem seit Jahren stagnierenden japanischen Markt. Obwohl wir in hohem Maße von unseren Exporten abhängen. Selbst die ständigen Turbulenzen auf den Finanzmärkten gehen spurlos an unserem Arbeitsmarkt vorbei.

Instabile globale Wirtschaft, stabiler deutscher Arbeitsmarkt – ich habe für diesen Widerspruch keine plausible Erklärung und kenne auch keine Algorithmen, die hier Erklärungsmuster aus den Daten destillieren. Von daher biete ich nur Hypothesen. Eine lautet: Unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft ist flexibel genug, um mit diesen Schwankungen gelassen umzugehen. Sie steht in ihrem kulturellen Kern für eine hohe Stabilität auf allen Ebenen ein, auch in Sachen Mitarbeiter.

Die Wirtschaft hat dazu gelernt

Und hat – zweiter Punkt – gelernt: In puncto Belegschaft macht sie sich im Sinne nachhaltiger Ansätze frei von hektischen Ausschlägen: Weil sie auf einem soliden finanziellen Fundament steht, es sich folglich leisten kann. Und ein drittens: Da IT und Digitalisierung mittlerweile alle wirtschaftlichen Ebenen durchdringen, spielt hier die Musik groß auf. Das zeigt auch ein intensiverer Blick auf die Zahlen: Für den IT-Bereich werden in absoluten Zahlen gesehen am meisten Fachkräfte gesucht – Tendenz anhaltend. Zuletzt: Vielleicht stimmt auch die auch schlichte These nicht mehr, dass erst ab einem Wachstum jenseits von zwei Prozent der Arbeitsmarkt anspringt.

Dank Digitalisierung neue Jobs?

Ob die spezifische deutsche Situation mit der demografischen Entwicklung ebenfalls eine Rolle spielt? Nach dem Motto, wir stellen jetzt schon mal auf „Vorrat“ ein, um ihrer dann „Herr“ zu werden – ich habe leichte Zweifel. Nichtsdestotrotz bleibt es spannend, wie es weitergeht. Wie viele Jobs fallen der Digitalisierung zum Opfer? Was entsteht umgekehrt an neuen Jobs auf der Habenseite? Wie verrechnet sich der Wegfall der Babyboomer, die ab 2020 in Rente gehen mit der Reduzierung dieser dann nicht mehr benötigten Jobs? Auf diese Fragen habe ich erst recht keine Antworten und ich glaube, der Blick in die Kugel ist dafür nicht wirklich zielführend.

Frank Schabel
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