© Kzenon - Fotolia.com
Wenn Mitarbeiter die Probezeit nicht überstehen, wird es teuer. Auf 25.000 bis 100.000 Euro beziffert eine Mühlenberg-Studie die Kosten für einen personellen Abgang in der Probezeit. Da sind die Kosten für eine professionelle Suche nicht einmal eingerechnet. Der Schaden für Unternehmen, neue Mitarbeiter und Personaldienstleister ist enorm. Umgekehrt – das ergab eine Umfrage der Aberdeen Group - gelingt es Firmen, die sich strukturiert um das Onboarding kümmern, erheblich besser, neu eingestellte Mitarbeiter über das erste Jahr hinaus zu halten. Die neuen Kollegen arbeiten sich auch deutlich schneller ein. Häufig greift das standardisierte Vorgehen über Prozesse und Checklisten, das Unternehmen zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter nutzen, jedoch zu kurz:
  • Keine Ressourcen: Oft fehlt das Personal, für Fragen ist keine Zeit, das Team ist auch so schon überlastet. Die Einarbeitungshilfe konkurriert mit der Erfüllung harter Ziele und persönlichen Belastungsgrenzen.
  • Erfahrungswissen geht verloren: Die Erfahrungen der Vorgänger bleiben unerwähnt. Fehler werden von Nachfolgern wiederholt.
  • Schema F: Fähigkeiten und Arbeitsstil der Nachfolger werden nicht berücksichtigt. Bei der Einarbeitung nach Schema F werden wichtige Fragen nicht gestellt, andere nicht beantwortet. Trotzdem sind bestimmte Weiterbildungen – unabhängig vom Nutzen in der Situation – verbindlich und kosten Nachfolger viele Tage oder Wochen.
  • Pläne und Ziele nicht bekannt: Nachfolger fehlt der Überblick über Struktur und Hintergrund von geplanten Maßnahmen. Sie können erst spät mitdenken.

So machen Sie die Einarbeitung besser

Implizites Wissen übertragen: Experten, die ihren Verantwortungsbereich seit Jahren im Griff haben und alle Kommunikationswege kennen, wissen oft gar nicht, welches Wissen für ihren Job entscheidend ist. Genau diese Kenntnisse brauchen Nachfolger aber, um schnell und erfolgreich ihre Aufgabe aufnehmen und Fehler vermeiden zu können. Einarbeitung beschleunigen: Eine gute und effiziente Möglichkeit, um die Einarbeitung neuer Mitarbeiter zu beschleunigen sind beispielsweise persönliche, evtl. extern begleitete Befragungen, bei denen die wichtigsten Aufgaben inkl. etwaigem Zeitaufwand, vermeidbare Fallstricke, entscheidende Erfahrungen und kritische Erfolgsfaktoren erfasst werden. Auch der neue Mitarbeiter wird bezüglich seiner Präferenzen, Arbeits- und Lernstil etc. befragt. Daraus können passgenaue Einarbeitungspläne entwickelt werden, die Übersicht und Fokussierung sicherstellen und auf die Bedürfnisse des Nachfolgers genau zugeschnitten sind. Der zeitliche Aufwand hierfür ist überschaubar, der Effekt immens: Die Einarbeitung reduziert sich – das zeigt die Erfahrung – um bis zu 30 Prozent. Offene Atmosphäre schaffen: Das Entscheidende bei einem Wissenstransfer ist, die wichtigen Dinge zu erwischen. Eine persönliche und dennoch systematische Befragung bringt das Erfahrungswissen in einem neutralen Umfeld Stück für Stück zu Tage. Vorgänger können ihren Arbeitsbereich lückenlos übergeben und Nachfolger trauen sich alle Fragen zu stellen, die für sie persönlich wichtig und damit für ihren erfolgreichen Start relevant sind. Personalinvestition absichern: Alle Beteiligten haben großes Interesse daran, dass neue Ralph LangeKollegen schnell erfolgreich sind und am Ende der Probezeit alle ein gutes Gefühl haben. Die Weichen hierfür werden in den ersten Tagen gestellt. 15 Prozent aller Mitarbeiter denken nach einem ersten schlechten Tag bereits über eine Kündigung nach (Untersuchung des Human Capital Institute). Deshalb ist es so entscheidend, gleich zu Beginn mit Maßnahmen gegenzusteuern.

Über Gastautor Ralph Lange

Ralph Lange ist Geschäftführer der faktor4 Talent- und Wissensmanagement GmbH und arbeitet seit 20 Jahren als Berater, Trainer und Coach. Seit 2008 entwickelt faktor4 Lösungen zur Wissenssicherung und -weitergabe.

Kommentare


  1. Pingback:Einarbeitung: Neue Mitarbeiter schneller fit machen | wisnet

  2. Patrice

    Ich war sowohl schon in der Situation, eingearbeitet zu werden, als auch schon in der Situation, einarbeiten zu müssen. In dem Moment wäre ich für die hier aufgeführten Tipps dankbar gewesen. Nur zu gut weiß ich, wie unangenehm eine Einarbeitung sein kann und das vor allem für diejenigen, die eingearbeitet werden. Im schlimmsten Falle wird ihnen ihr Vorgänger vor der Nase gesetzt, der seine Stelle nicht aus eigenem Willen räumt. Da fühlt man sich im neuen Unternehmen kaum willkommen.

    Antworten
    1. Ralph Lange

      Hallo Patrice,
      danke für das Feedback! Uns begegnet die von Ihnen geschilderte Situation auch sehr häufig, und wir erleben immer wieder, dass mit relativ wenig Aufwand und den richtigen Fragen unnötige Fehler und unnötiges Leid in Einarbeitungsphasen vermieden werden kann – oft sogar (überraschend) große Zufriedenheit.

      Antworten
  3. Susann

    Hallo Ralph Lange,
    ich bin gerade seit 6 Wochen in meinem neuen Job und überlege schon zu gehen. Seit der 3. Woche heißt es, dann mach mal. Da ich in einer Zweigstelle mit einem eigenen Aufgabengebiet in einem multiprofessionellen Team bin, hab ich vor Ort keinen direkten Ansprechpartner. Gleichzeitig hab ich einen Berg an Arbeit, so dass ich zusammen mit unzureichender Orientierung Überstunden schiebe. Normalerweise bin ich nicht der Typ der schnell aufgibt. Ihr Beitrag hilft mir, die Situation besser zu verstehen. Dankeschön!

    Antworten
  4. Marian

    Hallo Ralph,

    auch nach über 2 Jahren ist der Beitrag noch aktuell. Wie sollte sich eigentlich auch etwas ändern, es werden ja täglich neue Mitarbeiter irgendwo eingestellt.

    Mir und meinen Kollegen hast du mit deiner Schreibarbeit auf jeden Fall geholfen. Dank dir haben hat nämlich der Chef eingesehen, dass eine „offenere Beziehung“ zwischen Mitarbeitern auch der Firma guttun kann.

    Die letzten 2 Einstellungen sind viel besser abgelaufen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel