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Die Digitalisierung schreitet in Megabits und Gigabits voran. Das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz (KI), Big Data und Blockchain sind vielen ein Begriff und poppen nahezu täglich in der öffentlichen Diskussion auf. Doch welche Chancen und Möglichkeiten eröffnen sich uns durch diese Technologien im Bereich Recruiting?

Die wenigsten von uns können dies für ihren Alltag oder ihr Business bereits heute beantworten. Die Wirtschaftswelt, aber auch die Politik spricht zunehmend über die Plattform-Ökonomie und darüber, wie man „über sie Herr werden kann“. Dabei manifestieren sich schon ganz andere Phänomene der Digitalisierung, welche viel größeres Veränderungspotenzial haben: zum Beispiel die Blockchain!

Den Begriff Blockchain verbinden die meisten Menschen mit Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Wenn Sie sich jetzt fragen „Ether… was?“, seien Sie beruhigt: Nicht nur Ihnen geht es so. Blockchain ist weitaus mehr als eine Technologie, auf der Kryptowährungen basieren. Die Blockchain- Technologie hat das Potenzial, unseren Alltag und unser Wirtschaftssystem weitergehend zu revolutionieren, als viele denken. Warum? Sie ersetzt die sogenannten Intermediäre – einfach ausgedrückt: die „Zwischenhändler" - und löst bis zu einem gewissen Grad das Vertrauensproblem im Internet. Im Bereich der Kryptowährung ist das mit dem Intermediär-Bankwesen bereits ansatzweise geschehen.

Was ist eine Blockchain?

Unter Blockchain („Blockkette“) verstehen wir eine Technologie, die unzählige Datensätze miteinander verketten kann. Diese Datensätze werden „Blöcke“ genannt. Bildlich kann man sich dies wie eine unendlich lange Kette, auf der Perlen (Daten) aufgefädelt werden, vorstellen.

Dies geschieht durch kryptografische Verschlüsselungen. Die Blöcke sind dabei durch kryptografische Verfahren miteinander verkettet und verfügen über einen verschlüsselten „Hash“. Ein Hash kann als eine Art Authentifikationsschutz gesehen werden, ähnlich wie ein Passwort. Die (Daten-)Blöcke sind dabei dezentral auf verschiedenen Computern abgespeichert. Das dezentrale Speichern macht die Blockchain-Technologie besonders sicher und erschwert Überwachung, Identitätsdiebstahl und Datenmissbrauch.

Bei einem Hackerangriff auf eine Online-Plattform müssten Hacker nur in ein einzelnes System eindringen, um die Daten zu stehlen. Bei einem Angriff auf eine Blockchain müssten alle Computer infiltriert werden, die zur Blockchain gehören, um die „Kette“ aufzubrechen und an die Daten zu gelangen.

Dies ist bei der Blockchain-Technologie, stand heute, äußerst schwierig oder gar nahezu unmöglich. Man benötigt dafür eine enorme Rechenkapazität. Zudem muss der Hash geknackt werden, um an die hinterlegten Daten zu kommen. Prof. Dr. Philipp Sandner vom Frankfurt School Blockchain Center beschreibt die Grundidee hinter der Blockchain-Technologie so: „Alle Transaktionen eines Vermögensgegenstandes werden in einer gemeinsam verteilten Datenbank erfasst. Somit können Werte in digitaler Form direkt und ohne Intermediäre übertragen werden.“ Ersetzen wir den Begriff „Vermögen“ durch „Wissen“, dann kommen wir meinem Ansatz etwas näher.

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Eine Welt ohne Intermediäre?

Was Professor Sandner da sagt, ist nichts anderes als eine mögliche Revolution unserer Gesellschaft und Wirtschaftswelt. Unser gesamtes System basiert auf Intermediären. Stellen Sie sich eine Welt ohne Banken vor. Unvorstellbar? Mit Blockchain könnte dieses Szenario in Zukunft Realität werden.

Blockchain ermöglicht schon heute, Transaktionen, z.B. Kauf- und Zahlprozesse, ohne Bankkonto durchzuführen, welche Verkäufer und Käufer ohne Intermediär (klassische Bank oder Dienstleister wie PayPal) abwickeln können. Zusätzlich zur Blockchain-Technologie entstehen parallel Smart Contracts. Diese Verträge sind kleine, intelligente Programme und benötigen keine rechtliche Abwicklung. Sobald die vorher festgelegte Vertragsbindung erfüllt ist, veranlasst der Smart Contract die Auszahlung an eine der Vertragsparteien. Dies kann (Transaktions-)Kosten sparen und mehr Rechtssicherheit schaffen.

Auch für uns Personal- und Projektdienstleister bietet diese Technologie ungeahnte Möglichkeiten, z.B. Smart Contracts für „smartes Recruiting“ in der Zukunft. Das klingt nicht nur marketingtechnisch gut, sondern ermöglicht es uns, viele Herausforderungen, die wir in diesem Bereich haben, einfacher und rechtssicherer digital abzubilden. Aber auch in sensiblen Bereichen wie dem Datenschutz - denken wir beispielsweise an personenbezogene HR-Daten, persönliche Jobpräferenzen, Referenzen, Vergütungsinformationen - würde uns die Blockchain eine noch größere Datenqualität und Datensicherheit erlauben. Und dies sind nur einige wenige Anwendungsgebiete.

Ich würde selbstkritisch sagen, dass ich trotz der jahrelangen Auseinandersetzung mit dieser hochkomplexen Technologie wahrscheinlich auch nur einen Teil gedanklich durchdringen konnte. Das Gleiche gilt für die Potenziale, welche uns die Blockchain bietet. Ich glaube aber behaupten zu können, dass es vielen von uns so geht. Wir können nicht abwarten, was aus diesem Hype wird und ob er sich durchsetzt. Wir als Personaldienstleister und Intermediär müssen heute aktiv werden, denn eine Erkenntnis ist offensichtlich: Auch unsere Industrie wird in fünf bis zehn Jahren nicht mehr die gleiche sein!

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