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Nun ist uns allen ja mittlerweile bekannt, wie drastisch Web 2.0 und die Vielzahl der Social-Media-Plattformen unser modernes Leben beeinflussen und an manchen Stellen sogar dramatisch verändern. Neben der Verlagerung klassischer Geschäftsmodelle (Reisedienste, Online-Buchhandel etc.) in die digitale Welt erleben wir in jüngster Zeit eine weitere revolutionäre Dimension, die der „Share/Sharing Economy“ oder „Economy on Demand“. Immer mehr Onlinedienste haben das Ziel und meist auch das Potenzial, die alte, analoge Welt aus den Fugen zu heben. Uber im Bereich des Taxigewerbes ist mittlerweile ein gerne erwähntes Paradebeispiel. Schauen wir etwas näher auf spezielle Services und Berufsgruppen, finden wir ebenfalls neuartige Onlinedienste, und zwar vom Reinigungsservice à la Helpling bis zu Bookatiger, aber es lässt sich auch der Einzug von Online-Arztpraxen wie DrEd aus Großbritannien beobachten. Wir sehen sicherlich bislang nur die Spitze des Eisberges.

Was macht die Click-Worker-Dienstleistung aus?

Click-Worker-Plattformen haben sich auf Themen- und Einsatzfelder spezialisiert, welche virtuell, also i. d. R. ohne räumliche Nähe zum Auftraggeber erbracht werden können. Oft sind das Übersetzungs-, Text- und Layoutarbeiten (z.B. die Gestaltung eines neuen Firmenlogos), Medienthemen in Print und Online (z.B. der Aufbau von Websites, Contentmanagement) und vielfältige, kleinere IT-Themen. Diese Onlinedienste verfügen damit über das Potenzial, einfache, gut überschaubare und abgrenzbare Aufgaben wie die Aufträge von Medienagenturen und Beratungsunternehmen zu substituieren. Dabei greift man über Portale wie peopleperhour oder virtualemployee auf eine weltweite Schar von selbständigen Spezialisten zu, die die größtenteils Kleinaufträge abarbeiten. Entweder wird eine pauschale Bezahlung für die Leistung vereinbart oder eine Bezahlung auf Stundenbasis; ein bestimmtes Ergebnis wird i. d. R geschuldet. Ob ich als Auftraggeber aus Deutschland bei der Beauftragung eines Übersetzers aus UK oder eines Social-Media-Beraters aus den USA nationales oder internationales Arbeitsrechts berücksichtigen muss, kann ich dabei nicht abschätzen, denn die Abwicklung läuft über das Portal. Hier ist eine weitere globale Dimension der „schönen, neuen Arbeitswelt“ bei uns in Deutschland angekommen.

Cloud und Click-Working Das Thema nicht überbewerten

Ich bin nicht der Meinung, dass das Click-Working die herkömmliche Beauftragungspraxis und damit große Teile des Arbeitsmarktes kurzfristig entscheidend verändern wird. Diese oft auch als „Paid Crowdservices“ bezeichneten Dienste bieten eine sinnvolle und sicherlich auch kosteneffiziente Ergänzung für kleinere, überschaubare Einsatzfelder. Bei komplexen und stärker erklärungsbedürftigen Aufgaben sind Auswahl und Einsatz des richtigen Spezialisten, also die optimale Experten-Allokation, wie sie heute von spezialisierten Personaldienstleistern, Unternehmensberatungen und Systemhäusern mit eigenen oder auch externen Fachkräften geleistet wird, immer noch geschätzt. Der Anteil der Cloud-Worker, die ihre gesamte Arbeitszeit in diesem Modell verbringen, dürfte heute noch deutlich unter 30 Prozent liegen. Viele Nutzer sind klassische Freiberufler aber auch Angestellte, die die Plattformen für die Kundenakquise nutzen oder um sich nebenberuflich etwas dazuzuverdienen.

Die arbeitsmarktpolitische Sicht

Die arbeitsmarktpolitische Debatte hat nicht nur das Thema Zeitarbeit und die Werk- und Dienstverträge erfasst, auch die Click- und Cloud-Worker sind mittlerweile auf dem Radar des Arbeitsministeriums sichtbar geworden. Die im April dieses Jahres ausgerufene Initiative des BMAS „Arbeiten 4.0“ mit dem sogenannten Grünbuch hat das Ziel, bis Ende 2016 viele Fragen des Arbeitsmarktes der Zukunft zu analysieren. Aus staatlicher Sicht wird man sich die Frage nach der Schutzbedürftigkeit der Auftragnehmer der Click-Worker-Portale stellen. Für die in Deutschland angesiedelten freiberuflichen Spezialisten ist eine nationale arbeitsmarktpolitische Lösung vielleicht noch recht leicht zu finden. Das geht beispielsweise durch die Einführung eines neuen gesetzlichen Schutzbedürftigkeits-Prüfkriteriums, gekoppelt an eine Bemessungsgrenze, also quasi einen Mindestjahresumsatzes, selbstverständlich unter Berücksichtigung einer Schonfrist nach Gründung (vgl. dbits.it). Die internationale Dimension und deren Auswirkungen auf den deutschen Beauftragungs- und Arbeitsmarkt – ähnlich wie bei uber & Co. – sind damit jedoch noch lange nicht geklärt.

Wrap-up

Trotz der berechtigten Sorge um die Risiken, die natürlich auch bekannt sein müssen, sollten wir unseren Blick auf die Chancen und Potenziale der neuen Services richten. Eines können wir auf jeden Fall festhalten: Die internationale Wirtschaft vernetzt sich zunehmend auf allen Ebenen, analog wie digital. Dieser Prozess ist nicht aufzuhalten, wie auch das relativ unbekannte oder fast geheime TTIP-Schwesterabkommen TISA zeigt. Anstatt Wirtschaft und Arbeitsmarkt politisch weiter einzuschränken, müssen wir uns in Deutschland darauf konzentrieren, wie wir international wettbewerbsfähig bleiben können!

Weiterführende Links zu Click- und Cloud-Working

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