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Im War for Talents rekrutieren Arbeitgeber ihre zukünftigen Mitarbeiter am liebsten direkt auf dem Campus. Auf Karrieremessen versuchen Unternehmen, auf sich aufmerksam zu machen, sponsern Hörsäle und Inventar. Kurzum: Sie geben alles, um die nächste Generation Absolventen für sich zu gewinnen. Aber das reicht noch nicht.
Während die Unternehmen erbittert um junge Talente kämpfen, kehrt die Generation Y dem Treiben den Rücken. Eine neue Studie von Campusjäger zeigt, dass mit 57 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Studierenden nach dem Studium ein eigenes Unternehmen gründen wollen.

Zwar wagen letztlich deutlich weniger Absolventen den Sprung in die Selbstständigkeit, dennoch zeigt diese Zahl, dass die Anhänger der Generation Y sich lieber selbst verwirklichen wollen, statt auf den überzeugendsten Arbeitgeber zu warten. Dabei sind nicht materielle Werte der hauptsächliche Antrieb, sondern der Wunsch, eigenständig etwas Neues aufzubauen, der eigene Chef zu sein und etwas in der Welt zu bewegen – Geld rangiert erst auf den nachfolgenden Plätzen.

Die Spaßgesellschaft

In einem Angestelltenverhältnis lassen sich diese Aspekte nur schwer oder gar nicht verwirklichen. Das beginnt bereits mit der Hierarchie, die in großen und etablierten Unternehmen häufig stark ausgeprägt ist. Entscheidungswege sind langwierig, Prozesse festgefahren und Veränderungen werden eher skeptisch betrachtet – was gerade der Generation Y zuwiderläuft. Diese möchte sich einbringen, ihre Ideen verwirklichen und die Arbeit flexibel an ihren Lebensstil anpassen.

Diese Forderungen nach mehr Freiheit spiegeln sich auch in der Studie wider. 80 Prozent der gründungswilligen Studierenden gaben an, sich selbstständig machen zu wollen, um eigenhändig etwas Neues aufzubauen. Im Gegensatz zum Angestelltenverhältnis lassen sich Arbeit und Privatleben so besser aufeinander abstimmen. Denn die Work-Life-Balance steht im Fokus der Ypsiloner, egal ob im Büro oder von zu Hause aus – je mehr Entscheidungsfreiheit, desto besser.

Als Gründer genießen die Absolventen eine größere Entscheidungsfreiheit. Kein Wunder, dass der Wunsch, der eigene Chef zu sein, mit 67 Prozent der zweithäufigste Grund ist, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. So können sich die jungen Akademiker selbst Ziele setzen, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen, Prozesse definieren und Mitarbeiter einstellen.

Außerdem möchten die Studierenden etwas in der Welt bewegen. 54 Prozent der Befragten gaben das als einen der Gründe für ihr Vorhaben an. Wer in einem Unternehmen die Arbeit aufnimmt, muss bestehende Werte und Visionen verinnerlichen. An diesem Fundament etwas zu ändern ist schwierig bis unmöglich. Einem Gründer obliegt von Anfang an die freie Entscheidung für eine spontane Neuausrichtung der Unternehmenskultur.

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Die Generation Y rekrutieren

Da die jungen Absolventen sehr wählerisch sind, vor allem beim ersten Job, müssen Unternehmen deshalb echte Überzeugungsarbeit leisten. Einen Spitzenplatz bei den Arbeitnehmern belegt dabei der Wunsch nach Flexibilität – bei den Arbeitszeiten genauso wie beim Arbeitsort.

Eine Arbeitsumgebung, die sich schnell an neue Herausforderungen des Marktes anpassen kann, ist zudem für viele Studenten das entscheidende Kriterium. Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung werden darüber hinaus nicht nur erwartet, sondern auch gefordert.

Alles oder nichts?

Nun kann nicht jedes Unternehmen sämtliche Strukturen aufbrechen, nur um bei den jungen Absolventen die Nase vorn zu haben. In manchen Betrieben lassen sich Arbeitszeit und -ort nicht flexibel gestalten, denn ab einer gewissen Unternehmensgröße ist es schwierig, schnell auf Veränderungen zu reagieren.

Und Start-ups können sich Boni wie einen Firmenlaptop für jeden Mitarbeiter noch nicht leisten. In diesen Fällen können Unternehmen jedoch mit Transparenz punkten; Prozesse und Ziele müssen klar kommuniziert werden, ebenso wie Aufstiegsmöglichkeiten.

Deutsche Unternehmen scheinen folglich noch einigen Nachholbedarf zu haben, und so nimmt die Generation Y ihre Bedürfnisse selbst in die Hand. Der Weg führt folglich in die Selbstständigkeit, damit die eigenen Vorstellungen stärker gelebt werden können. Dazu trägt auch die starre Kultur vieler klassischer Unternehmen bei, die der Dynamik der Studierenden entgegensteht.

Digital Natives sind Multitalente, die mit guten Abschlüssen, Auslandserfahrung, innovativen Ideen und Flexibilität zum Unternehmenserfolg beitragen können und wollen. Identifizieren sie sich erst einmal mit einem Unternehmen, brennen sie auch dafür und sind für jeden Arbeitgeber eine Bereicherung.

Download der Studie: Puls-Check II: Wollen Studenten gründen?

Über den Gastautor Kay Koch

Kay Koch unterstützte bereits während seines Studiums der Wissenschaft-Medien-Kommunikation an der Universität Karlsruhe ein IT-Beratungs- und Entwicklungshaus in den Bereichen Marketing, PR und Recruiting, bevor im April 2016 als Junior PR Manager zu Campusjäger kam.

Hier liegt sein Fokus auf den Themen SEO, Employer Branding und Unternehmenskommunikation.

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