Der schnelle Wandel der Arbeitswelt und damit verbundene neue Technologien machen Weiterbildungen heute unentbehrlich. Obwohl viele Menschen gerade jetzt mehr Zeit für Weiterbildung haben dürften, sind viele Unternehmen im Bereich Mitarbeitertraining immer noch nicht gut aufgestellt. Lebenslanges Lernen? Ja! Aber wie?

Welche Möglichkeiten stehen Unternehmen zur Verfügung, um ihre Mitarbeiter auf dem neuesten Stand zu halten? Welche wichtigen Hilfestellungen können Arbeitnehmer z. B. von der Bundesagentur für Arbeit in Anspruch nehmen? Diese und weitere Fragen klären Heike Jost-Zipperer, Beraterin für Unternehmen der Zeitarbeitsbranche bei der Bundesagentur für Arbeit und Katharina Hain, Senior Department Manager bei der Hays AG, im Hays Germany Podcast.

Das Interview führte Marina Zayats, Beraterin für Unternehmenskommunikation und Digital Personal Branding.

Marina Zayats: Dass lebenslanges Lernen heute unentbehrlich ist, darüber herrscht Einigkeit. Doch beim WIE gehen die Antworten weit auseinander. Sollen Weiterbildungsangebote z. B. intern aufgebaut oder extern ausgelagert werden? Und welche Fähigkeiten sollen überhaupt vermittelt werden? Es herrscht viel Ratlosigkeit – ist das auch Euer Eindruck?

Katharina Hain: Wir bei Hays forschen sehr viel auf diesem Gebiet und veröffentlichen jährlich den HR-Report. Der diesjährige Report mit dem Schwerpunkt Lebenslanges Lernen bekräftigt auch unsere Beobachtung, dass es noch ein sehr gemischtes Bild am Markt gibt, ob intern oder extern weitergebildet werden soll.

Während der Corona-Pandemie ergreifen jedoch immer mehr Unternehmen die Initiative, auch intern Programme zu entwickeln.

Bezüglich dessen, WAS inhaltlich angeboten werden soll, spielen die Soft Skills eine spannende Rolle, da Einstellungen seit Längerem nicht mehr nur anhand von Hard Skills erfolgen. Meines Wissens bietet hier die Bundesagentur für Arbeit viele Förderprogramme an. Mir fallen z. B. das Qualifizierungschancengesetz oder die WeGebAU ein. Diese bieten sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber viele interessante Ansatzpunkte.

 

Heike Jost-Zipperer: Genau, wir bieten mit der Bundesagentur für Arbeit viele umfassende Beratungsangebote, sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber.

In jeder Agentur gibt es einen Arbeitgeber-Service. Hier erfahren Unternehmen z. B. welche wichtigen Tendenzen es auf dem Arbeitsmarkt gibt und welche Weiterbildungen daraus abgeleitet werden können.

Wir sind jedoch nicht der einzige Partner auf diesem Gebiet; auch die IHK und die Handelskammern bieten Weiterbildungsberatungen für Unternehmen an.

Zudem gibt es die Mittelstandsoffensive des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die sich vor allem an KMUs richtet und unter anderem umfangreiche Checklisten zur Erkennung wichtiger Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeiter anbietet.

Marina Zayats: Viele Unternehmen begegnen in der Pandemie ohnehin schon großen Herausforderungen. Nun sollen sie auch noch die Mitarbeiter optimal weiterbilden. Andererseits haben die Arbeitnehmer gerade jetzt mehr Zeit, um sich weiterzubilden und sich für die „neue Normalität“ zu rüsten. Welchen Rat können Sie den Unternehmen in dieser Zeit mitgeben?

Heike Jost-Zipperer: Auch während der Kurzarbeit können Unternehmen nach wie vor Weiterbildungen anbieten. Unternehmen erhalten über das Qualifizierungschancengesetz Förderungen für Weiterbildungen und Arbeitnehmer erhalten auch während der Qualifizierungsphase Kurzarbeitergeld. Momentan werden den Unternehmen zudem 100 % der Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Das soll nächstes Jahr weitergeführt werden, gerade für diejenigen Unternehmen, die trotz Kurzarbeit weiter qualifizieren.

Marina Zayats: Eine große Gemeinsamkeit der Bundesagentur für Arbeit und Hays ist es, dass viele Menschen auf sie zukommen, um neue Arbeit zu finden. Was viele von ihnen allerdings nicht wissen, ist, dass beide Organisationen Hilfestellung bei der Weiterbildung geben können. Welche Möglichkeiten stellt Hays dabei zur Verfügung?

Katharina Hain: Wir haben neben unserem ausführlichen Karrierecenter auf der Homepage auch die Möglichkeit, Einzelgespräche zu führen. In diesen Gesprächen liegt der Fokus auf den Stärken und Interessen unseres Gegenübers. Wichtig ist uns dabei, dass der Person Karrierewege aufgezeigt werden, die nicht nur im Trend liegen und sehr gefragt sind, sondern auch zu der Person passen.

Marina Zayats: Freiberufler haben keinen Arbeitgeber im Rücken, der Weiterbildung finanziell unterstützt, dabei müssen genau diese Menschen immer „up to date“ sein. Welche Möglichkeiten hat man als Freiberufler, außer Weiterbildungen selbst zu zahlen?

Katharina Hain: Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass sich viele freiberufliche Experten am besten durch „Training on the job“ weiterbilden, also in ihren Projekten. Und da sind Dienstleister wie wir ein guter Partner, um Projekte zu finden, die nicht nur ein gutes Honorar zahlen, sondern auch persönliche Weiterentwicklung bieten. Es gibt mittlerweile aber auch sehr viele E-Learning-Plattformen von Google, LinkedIn und edX, die z. T. kostenfreie Zertifikatskurse anbieten.

 

Heike Jost-Zipperer: Zudem bieten die Bundesländer Förderprogramme für Freiberufler an, die unter einem gewissen Jahreseinkommen liegen. Das nennt sich Bildungsprämie. Wie hoch diese ausfällt, richtet sich nach dem jeweiligen Bundesland. Das wird sicherlich nicht die ganzen Kosten der Weiterbildungsmaßnahme abdecken, aber ich denke, dass auch ein Zuschuss eine wichtige Unterstützung ist.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Heike Jost-Zipperer und Katharina Hain.

 

 

* Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

Über die Autorinnen

Heike Jost-Zipperer ist gelernte Industriekauffrau. 1986 wechselte sie zur Bundesagentur für Arbeit und begann mit dem Studium an der Fachhochschule des Bundes für Öffentliche Verwaltung in Mannheim. Nach erfolgreichem Abschluss als Diplom-Verwaltungswirtin war Sie über einen Zeitraum von 16 Jahren als Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main tätig. Dem schloss sich eine fünfjährige Beschäftigung als Teamleiterin des Servicecenters in der Agentur für Arbeit Offenbach an.

Im Anschluss daran war Sie als Bereichsleiterin des Servicecenters in der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda tätig. Seit Sommer 2014 hat Sie die Position der Koordinatorin Zeitarbeit in der Koordinierenden Stelle Zeitarbeit der Bundesagentur für Arbeit inne, die dem Bereich der Großkundenberatung zugeordnet ist.

 

Katharina Hain ist seit 2007 bei Hays. Aktuell verantwortet Sie die Bereiche Construction & Property, Engineering, Life Sciences sowie Sales & Marketing in der operativen Rekturierung.

Zudem ist Katharina Hain für den Auf- und Ausbau des Relationship Managements bei Hays und der Karriereberatung externer Kandidaten verantwortlich.

Kommentare


  1. Bernard

    Erstmal ein super Beitrag und möchte mich für die Tipps, die du geschrieben hast echt mal bedanken. Ich bin fast am Ende meiner Weiterbildung, da ich nur noch meine DA habe. Die Coronalage hat mich auch getroffen, da ich die Arbeit schon letztes Jahr abgeben sollte.

    Wobei ich jetzt keine Inspiration habe, die DA selber zu schreiben. Einige Freunde haben mir auch gesagt ich sollte meine DA schreiben lassen, aber ich weiß nicht, ich habe sowas noch nicht gemacht und mich interessiert es, wie ihr denn dazu steht, seine Facharbeit von einem Schreiben zu lassen? Besonders in dieser Coronazeit, wenn keiner einen klaren Kopf hat…

    Mit freundlichen Grüßen

    Mr. Bernard Bauer

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  2. Heiner Frankenberg

    Zuerst einmal: Toller Beitrag mit super EInblicken!
    Ich persönlich finde, dass Weiterbildungen je nach Thema intern oder extern alternieren sollten. So können bestimmte Skill-Learnings, wie Excel oder Powerpoint ideal intern gemacht werden. Vielleicht gibt es sogar bereits einen Angestellten, der ein waschechter Experte auf dem Gebiet ist. Solche Skill lernt man mMn besser, wenn man sie von jemandem gezeigt bekommt, den man kennt und im Nachhinein noch einmal anhauen kann, wenn man Fragen hat.
    Weiterbildungen hinsichtlich neuer branchenspezifischer Dinge und Insights finde ich von extern allerdings besser. Dier ermöglicht einen Blick über den Tellerrand des eigenen Unternehmens hinaus, der am Ende der eigenen Firma zu Gute kommen kann und einen internen Schub in Richtung Zukunft bringen kann. Sonst läuft man Gefahr ewig stillstehend zu bleiben.

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