OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Letzte Woche haben wir festgestellt: Ob man sich auf eine Kontaktanzeige meldet oder als Bewerber auf eine Stellenanzeige – in beiden Fällen befindet man sich als Kandidat in einem Auswahl- und damit Bewertungsprozess. Eine delikate Angelegenheit, die auf beiden Seiten viel Kommunikation und Fingerspitzengefühl erfordert, damit Erwartungen erfüllt und Enttäuschungen verkraftet werden können. Heute gibt es ein paar konkrete Tipps an die Hand. Zum Bewerbermanagement! Nicht zum Dating.

Falls Sie jetzt enttäuscht sind – lesen Sie trotzdem weiter. Sie werden sehen, dass auch hier das ein oder andere übertragbar ist. Wie gestaltet man also das Bewerbermanagement so, dass der Bewerber den Prozess mit einem guten Gefühl, der positiven „candidate experience“, durchläuft?

Wie geht das? Bewerbermanagement ist vor allem Kommunikation und muss schnell, transparent, ehrlich, fair und immer wertschätzend sein. Konkrete Tipps für Dos and Don’ts:

  • Legen Sie einen Bewerbermanagementprozess mit klaren Regeln und Verantwortlichkeiten fest und stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten darüber informiert sind.
  • Inhaltliche Kriterien (z.B. klar definierte Mindestanforderungen) und administrative Prozessschritte sind dabei gleichermaßen zu beachten.
  • Reagieren Sie zeitnah auf die eingehende Bewerbung. Der Bewerber wartet darauf. Idealerweise ist die erste Reaktion direkt ein Feedback dazu, wie es weitergeht (also Absage oder Einladung zum Interview).
  • Geben Sie dem Kandidaten ein schnelles Feedback nach dem Vorstellungsgespräch (erstes oder zweites Gespräch). Gute Kandidaten werden oft von mehreren Unternehmen zu Gesprächen eingeladen und nicht selten erhält der Arbeitgeber, der das erste Angebot macht, den Zuschlag. Nicht, weil er der Erste ist, sondern weil er zeigt, dass er seine Prozesse im Griff hat und schnell klare Entscheidungen trifft.
  • Der Bewerber sollte zu jedem Zeitpunkt wissen, wo im Prozess seine Bewerbung gerade steht. Informieren Sie z.B. darüber, wenn das Feedback ausnahmsweise etwas länger dauert, da der Interviewpartner im Urlaub oder krank ist. Am besten mit konkretem Datum, wann es weitergeht.
  • Seien Sie erreichbar! Geben Sie Auskunft, wenn der Bewerber anruft und nachfragt. Rufen Sie zurück.
  • Erwecken Sie nicht den Eindruck, ein Kandidat sei der Einzige, wenn Sie mit mehreren über die zu besetzende Position sprechen.
  • Halten Sie Rücksprache, falls noch Fragen zur Eignung oder zum Job offen sind und sich dadurch die Entscheidung zum weiteren Vorgehen verzögert. Sprechen Sie die Punkte offen an und sorgen Sie für Transparenz und Klärung.
  • Geben Sie (natürlich im Rahmen des AGG) ehrliches Feedback, so dass der Kandidat nachvollziehen kann, was Ihnen an ihm entweder besonders gut gefällt oder was dazu geführt hat, dass es leider an dieser Stelle nicht passt.
  • Erklären Sie vor allem bei einer Ablehnung, welche Qualifikation ein anderer Bewerber mitgebracht hat, die diesem Kandidaten leider (noch) fehlt.
  • Senden Sie beim Feedback Ich-Botschaften: Wie hat eine Antwort/das Verhalten auf Sie gewirkt? Zeigen Sie so, dass Sie sich mit dem Kandidaten auseinandergesetzt haben.
  • Kümmern Sie sich um jeden Bewerber gleich gut. Auch um die, die Sie nicht weiter berücksichtigen können. Nicht jeder Bewerber ist ein potenzieller Mitarbeiter, aber definitiv ist jeder ein (Arbeitgeber-)Markenbotschafter. 10 schlechte Bewertungen abgelehnter Bewerber auf Portalen wie kununu torpedieren 100 gute.

Die Parallelen sind selbstredend unübersehbar: Wenn es bei der Kommunikation schon im Prozess des Kennenlernens hapert, sinken die Wahrscheinlichkeit einer realistischen Einschätzung, ob es passt und das Interesse. Gleichzeitig steigt das Enttäuschungs- und Frustrationspotenzial. Egal, ob der Ausgangspunkt eine Stellen- oder eine Kontaktanzeige war. Der entscheidende Unterschied: Unternehmen haben es in der Hand, wie sie ihr Bewerbermanagement aufsetzen, und können die Weichen für eine intensive und klare Kommunikation stellen. Umso einfacher wird die Unterscheidung von Frosch und Prinz und damit der Weg zum gesuchten Perfect Match.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel