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Die Fußballweltmeisterschaft ist zu Ende. Deutschland ist Weltmeister. Ein guter Moment, um sich Gedanken darüber zu machen, wie Profimannschaften im Sport Spitzenleistung erzielen und was Unternehmen davon lernen können.

Nicht nur im Sport kommt es darauf an, die richtigen Spieler zur richtigen Zeit aufs Feld zu schicken.

Auch in der heutigen Arbeitswelt gibt es immer mehr Aufgaben, bei denen Menschen interdisziplinär zusammenarbeiten müssen, um Lösungen zu finden, auf die sie allein niemals kommen würden. Doch wie stellt man ein gutes Team zusammen, und welches Umfeld ist für erfolgreiches Teamwork nötig?

„Ein super Team ist besser als ein Superstar.“

Teams bieten nur eine begrenzte Anzahl an Auswechslungsmöglichkeiten. Die Entscheidung des Trainers über die Mannschaftsaufstellung ist oft die wichtigste Entscheidung des Spiels. Trainer stimmen diese bis ins letzte Detail von der zu lösenden Aufgabe ab.

Doch die besten Akteure zusammen zu bringen schafft noch keine Erfolgsgarantie. Nicht selten beobachtet man, dass die Teamleistung weit hinter der Summe der möglichen Einzelleistungen zurückbleibt. Ein häufiger Grund liegt darin, dass Einzelne zu sehr darauf bedacht sind, die eigene Performance zu optimieren und dem reibungslosen Zusammenspiel mit den anderen Teammitgliedern zu wenig Beachtung schenken.

Die Leistungen aller Teammitglieder werden ausschließlich am Erreichen des Ziels gemessen. Jede noch so grandiose Einzelleistung ist bedeutungslos, wenn das Gesamtziel nicht erreicht wird. Je komplexer die Aufgabenstellungen, desto wichtiger ist es, dass jedes Teammitglied seinen Platz im Team ausschließlich aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten bekommt.

Sowohl beim Sport als auch in der Wirtschaft geht es nicht um das Addieren von Einzelleistungen, sondern um ein optimales Zusammenfügen unterschiedlicher Kompetenzen. Erfolgreiche Teams zeichnen sich vor allem durch ein sehr hohes Commitment der Mitglieder im Hinblick auf zwei Aspekte aus: das Team einerseits und das zu erreichende Ziel andererseits.

Spielen ohne Stammplatzgarantie

Gefestigte Teams im Sport verstehen einander nahezu blind. Sie haben im Training gemeinsam erlebt, wie ein erfolgreiches Zusammenspiel abläuft. Selbst in kritischen Situationen können sie ihr Handeln flexibel dem Moment anpassen und innerhalb von Sekunden von Angriff auf Verteidigung umschalten. Das Wissen um die Fähigkeiten der anderen und der Zusammenhalt im Team, bringen die individuellen Stärken zur Geltung und helfen etwaige Schwächen zu kompensieren. Ein starkes Indiz für die Stabilität des Vertrauens ist der Umgang mit Rückschlägen. Wird nach einem Schuldigen gesucht oder sachlich analysiert?

Teammitglieder, die ihre Leistung dauerhaft nicht bringen oder sich nicht voll für den Teamerfolg einsetzen, werden ausgewechselt oder landen auf der Ersatzbank. Es muss also für jedes Teammitglied erstrebenswert sein, um seinen Platz im Team durch Leistung für das Team zu kämpfen.

Natürlich bleibt das Risiko, dass einzelne Teammitglieder zu viel Kreativität und Energie in die Selbstdarstellung investieren. Um diese Gefahr zu bannen, muss das Verhalten von Mitarbeitern, die sich persönliche Vorteile zu Lasten anderer verschaffen, von den Führungskräften mit spürbaren Konsequenzen geahndet werden. Nur dann entsteht für alle Beteiligten ein Rahmen, bei dem die Teamperformance als einzig akzeptierte Leitlinie für das gemeinsame Handeln existiert.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor von Spitzenteams im Sport ist, sie analysieren ihr Handeln immer wieder und versuchen ständig ihre Fähigkeiten zu verbessern. Sie tun dies selbst dann konsequent, wenn alles bestens läuft. Beispielsweise sehen sie sich ihre „Spielvideos“ immer wieder an, unabhängig davon, ob sie nun gewonnen oder verloren haben. Ebenso akribisch beobachten sie ihre Wettbewerber.

Unternehmen tun gut daran, sich hieran en Beispiel zu nehmen. Konkret sollten Führungskräfte mit ihren Teams – analog zur Analyse eines Spielvideos – während oder zum Abschluss von Projekten die gewählten Umsetzungsmethoden bzw. die Qualität der Zusammenarbeit ganz gezielt analysieren. fast immer führt dies zu Erkenntnissen, um die Teamperformance auf die entscheidenden Erfolgsparameter auszurichten.

Beim Lernen gilt: wenn wir Wissen nur theoretisch erworben haben, gelingt nur selten die Umsetzung in der Praxis. Können entsteht nur, wenn Wissen mit praktischen Erfahrungen verknüpft wird. Stellen Sie sich eine Mannschaft vor, die sich auf eine völlig neue taktische Spielweise umstellen soll. Kann das Team diese Taktik umsetzen, wenn es die Erklärung vom besten Trainer der Welt bekommen und viele Videos gesehen hat? Wohl kaum. Deshalb wird sie so lange trainieren, bis das Zusammenspiel reibungslos klappt.

Viele Entwicklungsmaßnahmen für Mitarbeiter und Führungskräfte in den Unternehmen laufen jedoch anders ab: viel Theorie, wenig Praxis. Das muss sich ändern. Wir verstehen Dinge zwar, wenn man sie uns gut genug erklärt. Den wirklichen Durchbruch schaffen wir aber erst, indem wir sie praktisch ausprobieren und fortlaufend üben.

Fazit

Im Arbeitsleben sind die Rahmenbedingungen bisweilen komplexer als im Sport, weil meist nicht nur der Sieg im Augenblick oder der Gewinn der Meisterschaft zählt. Torsten SchneiderDoch gerade deshalb haben die hier genannten Faktoren ihr Gewicht, wenn man nach dem Hebel für eine verbesserte Teamperformance sucht. Denn im Alltag werden die internen Zwänge und Rahmenbedingungen allzu selten hinterfragt.

Über den Gastautor Torsten Schneider

Torsten Schneider (42) ist Director Human Resources bei der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, einer Wirtschaftskanzlei mit mehr als 300 Rechtsanwälten und Steuerberatern in elf deutschen und sechs Auslandsbüros. Vor seiner Tätigkeit bei Luther verantwortet er verschiedene Funktionen im Personalmanagement in der Industrie, der Versicherungswirtschaft und der Unternehmensberatung. Er bringt mehr als 12 Jahre Erfahrung in den Themen Personalstrategie, Talent Management, Führungskräfteentwicklung, sowie Employer Branding mit.

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