Rund um den Globus zeichnen sich Menschen aus allen sozialen Schichten und Hierarchieebenen durch Kreativität und neuartige Ideen aus. Doch was genau ist Kreativität überhaupt? Was heißt es, kreativ zu sein? Ist es nicht viel eher eine Philosophie, eine mentale Kompetenz? Im Grunde ist Kreativität beides, aber sie lässt sich auf lediglich zwei eng miteinander verbundene Prozesse herunterbrechen: Denken und Erschaffen.

Kreativität ist entscheidend für künftigen beruflichen Erfolg

Im Duden ist Kreativität wie folgt definiert: „schöpferische Kraft, kreatives Vermögen.“ Das Gabler Wirtschaftslexikon geht noch einen Schritt weiter und bezeichnet Kreativität als „die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln“.

Da Technologien immer stärker Einzug in unsere Arbeitswelt halten, wird in Zukunft unseren naturgegebenen menschlichen Fähigkeiten wie unserer Kreativität der größte Wert beigemessen, so auch die Einschätzungen der Befragten unseres aktuellen HR-Reports 2019.

Laut einem Bericht des McKinsey Global Institute wird die Nachfrage nach stärkeren kognitiven Fähigkeiten, unter anderem Kreativität, bis 2030 um fast zehn Prozent zunehmen. Aufgrund meiner Erfahrungen im Daily Business bin ich persönlich der Meinung, dass die Nachfrage noch deutlich schneller und stärker steigen wird.

Ist menschliche Kreativität immun gegenüber Automation?

Zunächst ja. Wenn Sie einmal genau darüber nachdenken, dann handelt es sich bei Kreativität um eine menschliche Fähigkeit, die (zumindest nach aktuellem Stand) eine Maschine weder borgen, noch nachbilden oder programmieren kann.

Vielmehr muss man Kreativität erkennen, einsetzen und ein Umfeld dafür schaffen, in dem sie sich entfalten kann. Diese äußerst wertvolle Fähigkeit wird künftig unentbehrlich sein, um Probleme zu lösen, Strategien zu erarbeiten und die Ideen zu entwickeln, die Unternehmen voranbringen. Aber ist eine gewisse Kreativität in jeder Position wichtig, unabhängig von ihrem beruflichen Hauptschwerpunkt?

Braucht man für jeden Job ein gewisses Maß an Kreativität?

Um die letzte Jahrhundertwende veröffentlichte der US-amerikanische Ökonom und Soziologe Richard Florida seine viel diskutierte wissenschaftliche Arbeit „The Rise of the Creative Class“. Er hatte erkannt, dass ein „super-kreativer Kern“ von Mitarbeitern dabei war, bestimmte Branchen grundlegend zu verändern, und dass das Umfeld alles bieten musste, was zur Entfaltung dieser Fähigkeit nötig war, damit sich Unternehmen und Gemeinschaften der Macht von Kreativität vollkommen bewusst wurden.

In den darauffolgenden Jahren wurde die „Creative Class-Strategie“ als Geschäftsmodell übernommen, da aufstrebende Unternehmen beabsichtigten, sich diese faszinierende, seltene Ressource zu Nutze zu machen.

Doch ein Großteil der Kritik, die nun folgte, drehte sich darum, wo sich Kreativität laut Florida entfalten würde – nämlich ausschließlich in den kreativen Branchen.

Tätigkeiten, die High Tech und Innovation beinhalteten sowie Berufe in Kunst- und Kultursegmenten standen ganz hoch im Kurs. Aber was ist mit allen anderen Disziplinen wie bspw. der IT, dem Controlling und nicht zuletzt dem Marketing?

Denken Sie bspw. doch nur einmal an Software- oder Webentwickler, die den ganzen Tag Probleme lösen. Oder an Rollen wie bspw. dem Buchhalter, der aus Zahlen Möglichkeiten herausliest, wie Unternehmen ihre Umsatzeffizienz größtmöglich steigern können. Auch Beschäftigte im Kundenbereich arbeiten und kommunizieren kreativ – und das gleichzeitig – in unvorhersehbaren Umgebungen, wie bspw. Callcenter-Agents.

Selbst wenn Florida an dieser Stelle einen kreativen Trick übersehen haben mag, haben Sie sicherlich schon festgestellt, wie Arbeitgeber in vielen verschiedenen Branchen reagieren. Die Jobbezeichnung „Chief Innovation Officer“ (CIO) ist beispielsweise mehr und mehr präsenter geworden, da immer mehr Unternehmen nach Wegen suchen, bereichsübergreifende Projekte und Lösungen zu erarbeiten. Denn wer gerne früher Comics gelesen hat, weiß schon lange: Kreativität fördert die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Deshalb kommt kein Unternehmen ohne individuelle Kreativität aus.

Während Floridas wissenschaftliche Arbeit bis heute umstritten ist, hat er eine Aussage geschrieben, die nie infrage gestellt wurde: Kreativität ist essenziell und sie ist überall.

Wir alle sind und waren einst kreativ

Ein weiterer Wissenschaftler, Balder Onarheim, ist folgender Überzeugung und trifft damit den Nagel auf den Kopf: „Bei Kreativität geht es nicht einfach nur um Kunst. Sie ist der Kern von Innovation. Deshalb ist sie keine oberflächliche Fähigkeit, sondern unerlässlich dafür, dass der Mensch überlebt.“

Und was tun wir, um zu überleben? Neben dem Essen, Trinken, Schlafen und Atmen treffen wir Entscheidungen. Wir überlegen uns Lösungen für soziale, finanzielle oder gesundheitliche Probleme. Und selbstverständlich übertragen wir all dies auch auf unseren Arbeitsalltag. Dadurch wird Kreativität zu einem grundlegenden Merkmal unserer Kompetenzen, ob wir sie nun gegenwärtig nutzen oder nicht. Oder besser gesagt: Ob wir uns ihrer bewusst sind, oder nicht.

Interessanterweise führt uns Onarheim eine Tatsache vor Augen, die die meisten Menschen im Laufe der Jahre vergessen – dass wir alle als kreative Menschen geboren wurden. Erinnern Sie sich noch an das letzte Mal, als Sie ein Kind mit einem simplen Gegenstand haben spielen sehen: Das Kind verwandelt diesen Gegenstand Kraft seiner Vorstellung in etwas völlig anderes.

Wir alle beginnen unser Leben mit dieser kreativen, neugierigen Einstellung, dem Kopf voller Fragen und einer Leidenschaft für das Lösen von Problemen (denken Sie nur als Kinder Überraschungseier).

Naturgemäß nimmt diese Leidenschaft jedoch ab, sobald wir unsere Schul- und Ausbildung aufnehmen und anschließend ins Arbeitsleben wechseln. Regelmäßige, routineartige Vorgehensweisen können die weitere Entwicklung eines kreativen Denkvermögens vollkommen ersticken, was wiederum kreative Entscheidungen und Problemlösungen beeinträchtigt.

Statt unsere Kreativität im Laufe unseres Lebens zu erweitern, sind wir schließlich hervorragend darin, zu vergessen, wie kreativ wir von Natur aus schon sind. So muss es aber nicht für jeden auf ewig weitergehen. Sie können den ersten Schritt in richtiger Ihrer Kreativität tun, indem Sie bspw. Ihre Arbeitsweise unter die Lupe nehmen und sich fragen: „Was könnte ich heute anders machen als sonst?“

Drei Wege, um auf Ihre naturgegebene Kreativität auf- und auszubauen

Da sich Kreativität also innerhalb des nächsten Jahrzehnts zum höchsten Gut für Unternehmen entwickeln wird, anbei 3 Tipps zur Steigerung oder Wiederentdeckung Ihrer Kreativität:

1. Geben Sie Ihrem Geist Impulse durch Abschalten

Kennen Sie das? Sie haben Ihre besten Ideen dann, wenn Ihr Geist mit etwas völlig Anderem beschäftigt ist und sie nicht ad-hoc mit einer kreativen Idee oder Lösung um die Ecke kommen müssen?

Und damit meine ich nicht, während Sie sich auf der Arbeit auf eine Tabelle konzentrieren. Vielmehr sind es die einfachen, alltäglichen Tätigkeiten und Routinen, wie bspw. spazieren zu gehen oder die Gedanken abschweifen zu lassen. Diese Situationen sind mitunter perfekt geeignet, um Inspiration zu finden.

Gleichermaßen kann spielen – sowohl im beruflichen als auch im privaten Rahmen – von zentraler Bedeutung sein. Bei einfachen Spielen wie Tischtennis oder Squash müssen wir in kürzester Zeit Probleme lösen und Strategien entwickeln, während viele von uns zugleich ein Gerät mit sich führen, das ein Meister darin ist, unserer Kreativität ganz schnell einen Dämpfer zu versetzen.

2. Schlafen Sie tief und vertiefen Sie sich in die Arbeit

Vertieft arbeiten heißt, durchgängig, konzentriert und ohne Ablenkung an einer anspruchsvollen Aufgabe zu arbeiten. Wenn Sie regelmäßig so vertieft arbeiten, dann fördert dies die Kreativität ungemein, da Sie längere Zeiträume damit verbringen, über einen einzelnen Arbeitsaspekt oder ein Problem nachzudenken.

Möglicherweise sind Sie der Ansicht, dass Sie dies bereits tun, aber Ablenkungen kommen in verschiedenster Form daher: Wussten Sie zum Beispiel, dass wir im Durchschnitt unsere E-Mails jeden Tag mehr als 70 Mal prüfen und unglaubliche 566 Mal zwischen verschiedenen Aufgaben an unserem Computer hin- und herwechseln? Und wenn Sie nicht richtig ausgeruht sind, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass Sie diesen Hunderten von Ablenkungen nachgeben, da Ihr Geist auf eine Weise abschweift, die die Kreativität nur immer mehr beeinträchtigt.

3. Brechen Sie mit langjährigen Gewohnheiten und Routinen – beruflich und privat

Wenn Sie Ihre aktuelle Funktion schon recht lange ausüben, dann haben Sie womöglich festgestellt, dass Ihr Pfad etwas ausgetreten ist, und diese Stagnation hemmt naturgemäß Ihr kreatives Denkvermögen.

Priscilla Claman schreibt dazu in ihrem Artikel im Harvard Business Review: „Die ersten Monate in einem neuen Job können anstrengend und aufregend zugleich sein. Deshalb ist es nur natürlich, dass man sein Arbeitsleben nach einer Weile in eine gewisse Routine lenkt. Im Laufe der Zeit entwickelt sich diese Routine mitunter zum Trott. Und wer sich im Trott befindet, bei dem schleichen sich eventuell Gewohnheiten ein, die die eigene Kreativität im Keim ersticken.“

Jetzt ist der Moment gekommen, innezuhalten und diese langjährigen Gewohnheiten und Routinen, die sich möglicherweise negativ auf Ihre Kreativität auswirken, ins Visier zu nehmen. Gibt es einen Aspekt in Ihrem Arbeitsalltag, oder Ihren Vorgehensweisen ganz allgemein, den Sie verbessern könnten? Könnten Sie Ihre Kenntnisse und Ideen proaktiver an andere weitergeben? Sollten Sie überdenken, wie Sie Besprechungen führen?

Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und analysieren Sie einen für Sie typischen Arbeitstag: Wie können Sie Abwechslung hineinbringen und Ihrem Geist dadurch mehr Raum für kreatives Denken geben? Stellen Sie alles und jeden Prozess infrage, und Sie werden schnell merken, dass Sie engagierter, neugieriger und innovativer werden.

Fazit

Die oben genannten Ratschläge gelten nicht nur fürs Büro. Auch außerhalb davon können Sie Veränderungen vornehmen, die sich positiv auf Ihre Kreativität auswirken werden: Wann haben Sie sich das letzte Mal ernsthaft darum bemüht, neue Leute kennenzulernen, neue Dinge ausprobiert und über Ihre Handlungen nachgedacht? Wenn Sie sich dazu zwingen, Ihre Komfortzone zu verlassen, regt dies automatisch Ihre Kreativität an.

Was hilft Ihnen dabei kreativ zu sein? Ich freue mich über Ihre Insights zu diesem Thema.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel