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Zur aktuellen ADESW-Studie über Einkommenssituation und Altersvorsorge von solo-selbstständigen Experten.

In meiner Aufgabe als Leiter der Hays-Hauptstadtrepräsentanz und als Vorsitzender des Vorstandes des Bundesverbandes Allianz für selbständige Wissensarbeit (ADESW) e.V., welche sich für Entbürokratisierung und mehr Rechtssicherheit beim Einsatz von Freelancern starkmacht, habe ich sehr viel Kontakt mit Abgeordneten im Bundestag, Mitarbeitern in den Ministerien und mit anderen Verbänden und Netzwerken.

Politik muss sich differenzieren

Immer wieder werde ich gefragt, was unsere Kernbotschaft ist, die wir den übermäßigen Regulierungsaktivitäten der Politik entgegenstellen. Meine Antwort lautet darauf immer: Politik muss differenzieren und sollte Entscheidungen auf Basis von Fakten und Empirie treffen. Für die Gruppe der Selbstständigen bedeutet das: Wer ist schutzbedürftig und benötigt Hilfe durch den Staat und wer nicht?

Solo-Selbstständige: das Berufsbild

In Deutschland gibt es ca. 2,3 Millionen der sogenannten Solo-Selbstständigen. Schaut man sich die Berufsbilder der Solo-Selbstständigen genauer an, wird schnell klar: Es gibt nicht die eine Gruppe der Solo-Selbstständigen. Die gesamte Gruppe ist sehr heterogen. Personen unterschiedlichster Berufsfelder gehören dazu. Künstler, Journalisten und Experten wie natürlich die IT-Freelancer, Ingenieure oder Unternehmensberater. Hier gibt es erhebliche Unterschiede in den ausgeübten Tätigkeiten, den spezifischen Marktgegebenheiten und Vergütungshöhen. Statt hier pauschal zu urteilen, sollte mit Augenmaß vorgegangen werden. Deshalb benötigt man, um etwaige Regulierungsansätze richtig zu dosieren, verlässliches und aussagekräftiges Datenmaterial.

Und jetzt kommt der Witz: Die Politik verfügt über kein aussagekräftiges Datenmaterial. Kein Abgeordneter im Bundestag und auch kein Mitarbeiter im BMAS hat ausreichend Fakten dazu. Alle Datenquellen wie der Mikrozensus oder das SOEP (Sozio-oekonomische Panel) liefern zu der Verdienstsituation und Altersvorsorge von Selbstständigen nur sehr dürftige Informationen.

Daher haben wir aus der ADESW heraus eine Studie beim Institut für Demoskopie Allensbach in Kooperation mit dem DIW in Auftrag gegeben, um beispielhaft an der Gruppe von selbstständigen IT-Spezialisten – in Deutschland ca. 100 000 – der Sache einmal auf den Grund zu gehen und der Politik mit mehr Empirie zu helfen.

Selbstständige IT-Experten

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IT-Freelancer nagen nicht am Hungertuch

Sollte uns das Ergebnis überraschen? Vielleicht die Politik, aber nicht Menschen, die sich seit sehr vielen Jahren mit dem Markt beschäftigen. Fakt ist: Der Großteil der selbstständigen IT-Experten sorgt solide und verantwortungsvoll fürs Alter vor. Die Studie belegt zudem, dass die Haushalte von selbstständigen IT-Experten zu den Haushalten mit den höchsten Einkommen in Deutschland zählen.

Viele Köpfe in der Politik dürften sich jetzt fragen: Wie kann das sein? „Solo-Selbstständige“ sind doch per se arm – so das Narrativ der letzten Jahre, welches mantraartig verbreitet wurde –, wären sowieso lieber abhängig beschäftigt und sind durch die Bank schutzbedürftig. Dass es eine doch recht große Gruppe von Solo-Selbstständigen gibt, auf welche genau das Gegenteil zutrifft, ist jetzt endlich auch wissenschaftlich belegt.

Die Ergebnisse der ADESW-Studie zeigen deutlich, dass selbstständige IT-Experten zu den Spitzenverdienern unter den Solo-Selbstständigen zählen. Laut der Studie verdient ein selbstständiger IT-Experte im Durchschnitt 83 € pro Stunde bzw. ca. 120 000 € (brutto) im Jahr. Dies macht sehr deutlich, dass – mit Blick auf diese Gruppe – die Konstruktion von Prekarisierung der Selbstständigen völlig fehl am Platz ist.

Denn die selbstständigen Experten sorgen i. d. R. sehr gut für ihr Alter vor. Und der Grund dafür ist mehr als offensichtlich: weil sie es können und natürlich im Alter nicht ihren Lebensstandard verlieren wollen. So einfach ist das. Viele der Selbstständigen haben bereits aus einer festangestellten Tätigkeit Ansprüche gegenüber der Deutschen Rentenversicherung und verfügen zudem meist über mehrere Altersvorsorgeprodukte: Riester- und Rürup-Renten, Immobilien und natürlich private Rentenversicherungen und einiges mehr.

IT-Freelancer: Mythos der Altersarmut

Karl Brenke vom DIW bringt es in seiner Kommentierung der Studie auf den Punkt: „Soweit mit anderen Untersuchungen vergleichbar, sind die solo-selbständigen IT-Kräfte zu einem deutlich größeren Teil für das Alter abgesichert als die Solo-Selbständigen in ihrer Gesamtheit.“ Dies macht deutlich, dass Solo-Selbstständigkeit nicht gleich Solo-Selbstständigkeit ist.

Daher komme ich wieder auf das „magische“ Wort zurück, welches ich allzu gerne der Politik und in den Ministerien immer wieder predige: Differenzierung!

Die gesamte Studie ist hier abrufbar. In der Studie finden Sie ein Vorwort der ADESW, eine kurze Übersicht mit den wichtigsten Erkenntnissen sowie Stimmen aus der Politik, aus Verbänden und der Freelancer Community zu der Studie.

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