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Sie haben Ihr Vorstellungsgespräch gemeistert, die Anspannung fällt von Ihnen ab und Sie fahren erleichtert nach Hause. Doch jedes Vorstellungsgespräch erfordert ein sauberes Nachhalten, solange Sie noch keinen Arbeitsvertrag unterschrieben haben.

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ – Fußballlegende Sepp Herberger hat hier einen bedeutenden Punkt angesprochen. Solange Sie noch keine feste Zusage für einen Job haben, sollten Sie sich nicht auf Ihren scheinbaren Lorbeeren ausruhen. Sich bewerben ist ein laufender Prozess.

Ein Vorstellungsgespräch, nach dem Sie ein gutes Gefühl haben, ist noch lange keine Garantie für einen Job. Ein neues Gespräch kann hingegen im Schatten einer Absage stehen und Ihnen schwerfallen. Daher sollten Sie die noch frischen Eindrücke nutzen und sich Gedanken machen, was Sie bei einem möglichen Zweitgespräch oder gar bei einer Absage in einem neuen Gespräch optimieren können. Gehen Sie also in sich und lassen Sie das Interview Revue passieren:

  • Gab es Fragen, auf die Sie keine Antwort wussten?
  • Gab es eine Situation, in der Sie im Nachhinein lieber etwas anderes geantwortet hätten?
  • Konnten Sie flüssig und zielgerichtet durch Ihren Lebenslauf führen?
  • Hatten Sie Ihre Unterlagen ausgedruckt im Gespräch dabei?
  • Haben Sie vergessen, eine wichtige Frage zu stellen?
  • Hatten Sie genügend Blickkontakt?
  • Welchen ersten Eindruck haben Sie gemacht? Haben Sie darauf geachtet, sich mit Handschlag zu verabschieden?

Beantworten Sie sich diese und ähnliche Fragen. Bringen Sie alles zu Papier, worauf Sie bei der nächsten Bewerbung und auch beim nächsten Interview achten möchten. Notieren Sie sich die Fragen, die Sie vergessen haben zu stellen, an einer prominenteren Stelle in Ihrem Notizbuch als zuvor.

Die Erfahrung zeigt: Eine saubere Nachbereitung kann zwar ähnlich viel Zeit in Anspruch nehmen wie das Erstellen Ihrer Bewerbungsmappe. Diese Investition lohnt sich allerdings, wenn Sie aus dem gesamten Bewerbungsprozess mit einem unterschriebenen Arbeitsvertrag hervorgehen.

Vorstellungsgespräche nachbereiten: Eine zweite Meinung hilft

Auf Ihr reines Bauchgefühl sollten Sie sich jedoch nicht verlassen. Wenn Sie trotz Ihrer Notizen noch unsicher sind, ob Sie Ihrem eigenen Urteil trauen können, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Sie sprechen nach Ihrem Interview mit Freunden oder Ihrer Familie und fragen nach deren Einschätzung.

Denn häufig neigen Menschen dazu, besonders wenn ihnen das Ergebnis wichtig ist, sich in Kleinigkeiten zu verlieren und in Situationen hineinzusteigern. Da kann einen ein simples „Ich hätte anstatt ‚vielleicht‘ besser ‚möglicherweise‘ gesagt“ stundenlang beschäftigen. Das ist allerdings nicht relevant für den zukünftigen Job. Von außen, also neutraler betrachtet können Personen, die Sie gut kennen, Gesprächssituationen oft sachlicher einschätzen.

Oder Sie vermeiden die Situation ganz. Fragen Sie am Ende Ihres Gespräches nach einem Feedback und schreiben Sie es auf. Falls Sie keine direkte Rückmeldung erhalten, fragen Sie beim Personaler nach, bis wann Sie mit Feedback rechnen können.

Vorstellungsgespräch

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Bedanken Sie sich für das Vorstellungsgespräch

Sie haben Ihre Nachbereitung beendet und warten nur auf eins: eine Rückmeldung vom Arbeitgeber! Da können das Warten und die Ungeduld schnell zu einer Zerreißprobe werden. Ihre Möglichkeiten, auch nach dem Gespräch noch positive Eindrücke zu hinterlassen, sollten Sie also nutzen.

Im nordamerikanischen Raum ist es mittlerweile schon fast Pflicht: Senden Sie eine Dankesmail an Ihre Gesprächspartner. Formulieren Sie ein Schreiben, in dem Sie sich für das interessante Gespräch und die Zeit der Gesprächspartner bedanken. Packen Sie mit hinein, was Ihnen an der besprochenen Stelle oder an dem Unternehmen besonders gefallen hat. Und wenn Sie im Nachhinein noch eine Frage beantworten möchten, können Sie auch das tun.

Damit können Sie auch nach dem Jobinterview noch ein wenig Werbung für sich machen. Bleiben Sie bei der Erstellung Ihrer Nachfassmail aber auf jeden Fall persönlich und formulieren Sie einen individuellen Text. Kopieren Sie nicht einfach Ihren Namen in eine Vorlage.

Guten Tag, Frau Y, Herr X,

nochmals vielen Dank für Ihre Einladung zu einem persönlichen Gespräch. Die Gelegenheit, Sie und Ihr Unternehmen besser kennenlernen zu können, hat mich in meinem Wunsch bestärkt, für Sie tätig zu werden. Als besonders positiv habe ich die vielfältigen Möglichkeiten empfunden, die Sie in Bezug auf Schulung und Weiterentwicklung bieten.

Nach unserem Gespräch habe ich mir nochmals eingehender Gedanken über Ihre Frage zum Thema X gemacht. Nun kann ich sagen, dass … Ich freue mich auf ein baldiges Feedback.

Mit freundlichen Grüßen

Ein weiterer Tipp: Sollten Sie nach der vereinbarten Feedbackzeit noch nichts von dem Unternehmen gehört haben, so rufen Sie etwa einen Tag nach Ablauf der Frist bei Ihren Gesprächspartnern an und haken Sie nach. Erreichen Sie den richtigen Ansprechpartner nicht, senden Sie eine E-Mail. Zeigen Sie Initiative.

Aber Vorsicht – senden Sie Ihre E-Mail nicht zu früh und keinesfalls mehrere. Eine aufdringliche Kommunikation wirkt schnell zu fordernd. Hier sollten Sie auch zwischen Konzernen und kleineren Unternehmen unterscheiden. In Konzernen sind oft mehrere Personen in einen Feedbackprozess einbezogen – Feedbackzeiten können sich daher manchmal etwas verzögern. Mein Tipp: Hören Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand und entscheiden Sie dann, zu welchem Zeitpunkt Sie nachfassen möchten.

Absage nach dem Vorstellungsgespräch erhalten? Sehen Sie diese als Motivationsschub

Sollten Sie tatsächlich einmal keine Antwort bekommen und sollte sich das Unternehmen nicht mehr melden, ist es auch kein Beinbruch. Bei einem Unternehmen ohne jegliche Feedbackkultur hätten Sie ohnehin nicht gern gearbeitet. Und sollten Sie eine Absage bekommen, kann diese trotzdem wertvoll sein. Denn hierin versteckt sich oft ein Hinweis darauf, was Sie beim nächsten Mal anders machen können.

Der Inhalt vieler Absagen umfasst jedoch oftmals nur eine Zeile. Und diese eine Zeile sagt Ihnen auch nur, dass Sie die Anforderungen für die Stelle nicht erfüllen. Auf mehr können und dürfen Arbeitgeber oftmals nicht eingehen.

Fragen Sie in solchen Fällen dennoch gern im Unternehmen nach den Gründen für die Absage. Gerade in kleineren Unternehmen werden sich Ihre Ansprechpartner eher die Zeit nehmen, Ihnen ein detailliertes Feedback zu geben. Und eine solche Nachfrage zeigt Interesse am Unternehmen, was dem Bewerber in der Regel positiv für etwaige weitere Bewerbungen angerechnet wird.

Aus diesem Feedback können Sie dann auch wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Bewerbungen gewinnen. Wichtig ist es, unter die bestimmte Position nach einer Absage einen Schlussstrich zu ziehen und sich mit neuem Elan auf kommende Gespräche vorzubereiten.

Über unsere Kollegin Katharina Hain

Nach ihrem Studium zur Diplom-Betriebswirtin an der Fachhochschule Ludwigshafen und der Tätigkeit als Product Manager bei einem Medizintechnikunternehmen startete Katharina Hain 2007 als Recruiter bei Hays.

Hier übernahm sie als Supervisor und schließlich Department Manager die Bereiche Construction & Property sowie Engineering im Rekrutierungsmanagement.

Ende 2014 wechselte sie im Rahmen einer Elternzeitvertretung für ein Jahr zu Hays Kanada, um in Toronto das Rekrutierungsmanagement aufzubauen. Seit Januar 2016 ist Katharina Hain nun zurück in Deutschland und führt ihre Aufgabe als Senior Abteilungsleitung im Ingenieurbereich fort.

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