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Um ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch zu führen, bedarf es einiger Vorbereitung. Auf fachliche sowie Standardfragen können Sie sich bereits im Voraus einstellen und sich entsprechende Notizen machen. Doch auf den Eindruck, den Sie im Interview hinterlassen, zahlen noch ganz andere Dinge ein. Machen Sie sich die folgenden psychologischen Effekte zunutze, um sich im Vorstellungsgespräch einen Vorteil zu verschaffen.

Der Halo-Effekt im Vorstellungsgespräch

Dieser Effekt beruht auf einem psychologischen Beurteilungsfehler, der besagt, dass eine Eigenschaft (besonders beim ersten Eindruck) alle anderen wie ein Heiligenschein überstrahlt. Aus diesen äußerlichen Merkmalen oder Charakterzügen ziehen Menschen dann auch Schlussfolgerungen über folgende Verhaltensweisen anderer Personen, ohne diese erlebt zu haben. Negativ formuliert handelt es sich hierbei um ein Schubladendenken. Wie machen Sie sich das nun in einem Vorstellungsgespräch zunutze?

Bereiten Sie sich gut vor und lernen Sie so viel wie möglich über die Werte des Unternehmens. Unterstreichen Sie diese Werte durch Ihr Verhalten beim Kennenlernen. Tritt ein Unternehmen zum Beispiel traditionell und konservativ auf, so achten Sie beim Kennenlernen ganz besonders auf kniggegerechte Umgangsformen und formelle Kleidung.

Ganz generell: Wenn Sie können, greifen Sie bei Accessoires oder Kleidung das Farbschema des potenziellen Arbeitgebers auf. Lächeln Sie. Das alles macht Sie sympathisch. Stift und Notizblock parat zu haben suggeriert Know-how und eine gute Vorbereitung. Dies hilft Ihnen im weiteren Verlauf des Gespräches sicher weiter – besonders natürlich, wenn es nicht nur bei einem Eindruck bleibt und Sie tatsächlich gut vorbereitet sein.

Die passende Mimik und Gestik schon zum Gesprächseinstieg

Je nach Quelle finden zwischen 65 Prozent und 90 Prozent der Kommunikation nonverbal statt. Und Gesprächspartner achten vor allem auf die Kongruenz in der Kommunikation. Das heißt, dass Sie das, was Sie sagen, auch nonverbal in Mimik und Gestik widerspiegeln sollten. So zeigt zum Beispiel eine Studie von careerbuilder.de, dass Dinge wie fehlender Augenkontakt (70 Prozent), eine abweisend wirkende Haltung (bis zu 43 Prozent) oder ein fehlendes Lächeln (29 Prozent) zu Minuspunkten im Bewerbergespräch führen.

Wenn Sie also den Raum betreten oder Ihre Gesprächspartner sich Ihnen vorstellen, machen Sie einen ersten guten Eindruck: Üben Sie einen festen Händedruck, lächeln Sie und schauen Sie dabei Ihrem Gegenüber in die Augen. Empfehlenswert ist es ebenfalls, den Namen Ihres Gesprächspartners bei der Vorstellung zu wiederholen. So bleibt er Ihnen besser im Gedächtnis. Und Sie können Ihre Interviewpartner auch während des Gespräches direkt adressieren, was wiederum zu einer angenehmen Atmosphäre beiträgt. Nehmen Sie dann in einer ordentlichen Körperhaltung auf Ihrem Stuhl Platz. Am besten greifen Sie gleich zu Ihrem Notizblock und Stift. So vermeiden Sie nervöse Fingerspiele oder zu ausladende Gesten.

Auch im weiteren Verlauf können Sie sich, um sich im Vorstellungsgespräch auch nonverbal voranzubringen, einige weitere psychologische Effekte zunutze machen. Diese helfen bei den Gesprächspartnern den (hoffentlich) guten ersten Eindruck zu unterstreichen. Denn Sympathie und Persönlichkeit spielen als Einstellungskriterium eine sehr große Rolle.

Die Spiegeltechnik

Die Spiegeltechnik, auch Chamäleon-Effekt genannt, besagt, dass man sich Menschen näher fühlt, die einem ähnlich sind. Wenn diese also beispielsweise die eigene Gestik oder Mimik nachahmen. So steigt auch der Sympathiefaktor. Was bedeutet das für das Vorstellungsgespräch?

Sie beobachten das Verhalten Ihrer Gesprächspartner und ahmen dies subtil nach. Nimmt Ihr Gegenüber einen Schluck Wasser, tun Sie das nach einer kurzen Weile auch. Legt der Personaler die Hände entspannt auf den Tisch, folgen Sie nach einigen Momenten diesem Beispiel. Bleiben Sie dabei allerdings authentisch und achten Sie darauf, nicht zu hastig und einfach alles zu spiegeln. Sonst könnten sich Ihre Gesprächspartner nicht ernstgenommen oder gar offensichtlich manipuliert fühlen.

Psychotricks Vorstellungsgespräch

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Die selbsterfüllende Prophezeiung

Dieser Effekt – auch Self-fulfilling Prophecy oder Andorra-Phänomen – bedeutet grob, dass man das Verhalten und Empfinden einer anderen Person durch seine eigene Grundhaltung und Einstellung beeinflussen kann. Wenn Sie also möchten, dass die Personaler Sie mögen, so gehen Sie mit folgender Grundeinstellung ins Vorstellungsgespräch: „Ich mag meine Gesprächspartner!“ „Meine Gesprächspartner sind mir sympathisch!“

Auch positive Affirmationen wie: „Das wird ein gutes Gespräch!“ „Ich bin bestens vorbereitet“ helfen dabei, Sie in eine positive, erfolgsorientierte Grundstimmung zu versetzen, die eine gute Basis für ein aussichtsreiches Vorstellungsgespräch bilden kann. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie diese Sätze nicht wie ein Mantra während des Gespräches immer wieder innerlich aufsagen. Denn Sie sollen sich auf das tatsächliche Interview konzentrieren. Und positive Affirmationen allein ersetzen sicher keine fundierte Vorbereitung.

Power-Posen

Machtgesten können sich in richtiger Dosierung ebenfalls sehr positiv auf den Gesprächsverlauf auswirken. Sie können nicht nur Gesprächspartner, sondern auch das eigene Befinden beeinflussen. Es gibt dabei offene Posen, die Selbstbewusstsein ausstrahlen. Generell ist eine aufrechte und zugewandte Haltung genauso wichtig wie Lächeln und Blickkontakt. Legen Sie Ihre Hände locker auf den Tisch oder schreiben Sie mit. Gestikulieren Sie, wenn Sie es tun, in angemessener Geschwindigkeit. Verschränken Sie Ihre Arme keinesfalls hinter dem Kopf oder legen gar einen Arm über die Rückenlehne Ihres Stuhles. Vermeiden Sie es, beim Blickkontakt zu sehr zu starren.

Setzen Sie all diese Posen generell mit Bedacht ein und übertreiben Sie nicht. Kein Vorstellungsgespräch wird als positiv wahrgenommen werden, wenn Sie beispielsweise die ganze Zeit über ein fast schon gruseliges Maskenlächeln aufsetzen.

Authentisch und kongruent sein im Vorstellungsgespräch

Bei all diesen „Tricks“ sollten Sie immer darauf achten, Sie selbst zu bleiben. Wenn Sie im Vorstellungsgespräch gezwungen Theater spielen, nur um beispielsweise einen positiven Halo-Effekt zu erzeugen, kann Ihre Absicht schnell ins Gegenteil umschlagen. Machen Sie sich bewusst, dass es diese Effekte gibt. Wenn es Ihnen passend erscheint, versuchen Sie den ein oder anderen Ansatz, ohne sich dabei zu verstellen. Hier schließt sich auch wieder der Kreis zur Studie von careerbuilder.de: Kongruenz ist besonders wichtig für einen gelungenen, positiven Eindruck.

Eine gute Vorbereitung macht den Großteil Ihres Erfolges aus. Denn über den gesamten Bewerbungsprozess hinweg stehen Ihre Fähigkeiten bzw. Ihre Erfahrung immer noch an erster Stelle. Tipps rund um eine solide, erfolgsorientierte Gesprächsvorbereitung finden Sie bei uns im Karriere-Center.

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