©Robert Kneschke – Fotolia.com

Dass auf den ersten Eindruck im Vorstellungsgespräch nicht nur eine gute Vorbereitung einzahlt, haben Sie bereits in Teil 1 gelesen. Doch psychologische Tricks helfen nicht nur in Form von Mimik und Gestik. Es gibt auch viele Effekte, die – wenn Sie sie kennen – über die Stimme und die richtige Wortwahl zu einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch beitragen können.

Stimmlage und Intonation im Vorstellungsgespräch

Botschaften zwischen Sender und Empfänger werden in der Kommunikation nicht nur durch Worte, sondern auch zu einem großen Teil durch Körpersprache und Intonation übermittelt. Je nach Studie finden etwa 35 % der Kommunikation über die Betonung und Modulation Ihrer Stimme statt. Ihre Stimme ist einzigartig und verstellen sollen Sie sich natürlich nicht.

Allerdings hat jeder Mensch die Möglichkeit, auf linguistischer Ebene mit seiner Stimme zu spielen. Nach Bazil und Piwinger wirken Sie besonders kompetent und selbstbewusst, wenn Sie Ihre Stimme beim Sprechen modulieren. Sie kennen es vielleicht selbst? Menschen mit monotoner Sprachmelodie hören Sie ungerne zu oder Sie schweifen gar mitten im Gespräch mit Ihren Gedanken ab.

Daher mein Tipp: Üben Sie bereits zu Hause durch Ihren Lebenslauf zu führen. Und beobachten Sie sich selbst bei Antworten auf Standardfragen. Bleiben Sie dabei so natürlich wie möglich. Trainieren Sie ein angemessenes Sprechtempo und die passende Intonation vorm Spiegel oder einer Kamera. Kleine Pausen bewirken oft Wunder. Außerdem gilt auch hier: Kongruenz ist enorm wichtig in der Kommunikation. Die Inhalte Ihrer Aussagen sollten immer zu Ihrer Körpersprache und Ihrer Stimmlage bzw. Betonung passen.

Der Rezenzeffekt

Diese Gegebenheit finden Sie in der Literatur auch als „Recency-Effect“. Er besagt, dass vor allem bei mehreren Informationsreizen der zuletzt gesendete im Gedächtnis bleibt. Menschen erinnern sich an die jüngsten Informationen meist am besten.

Wie machen Sie sich das im Vorstellungsgespräch zunutze? Ganz einfach: Nennen Sie das, was im Gedächtnis bleiben soll, zuletzt. Wie bereits zum Thema „Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch“ erwähnt, nennen Sie Schwächen zuerst und danach kommen Sie zu Ihren Vorzügen.

Doch nicht nur bei der Standardfrage kann das Wissen um diesen Effekt Ihnen zugutekommen. Antworten Sie generell immer sehr gezielt auf Fragen und enden Sie Ihre Ausführung mit einer starken und prägnanten Aussage. Nutzen Sie auch die Gelegenheit am Ende eines Vorstellungsgespräches. So können Sie beispielsweise nach einem guten Jobinterview abschließen: „Ich bedanke mich für das interessante und angenehme Gespräch. Ich bin überzeugt, dass ich sehr gut auf die Position des Einkaufscontrollers passe!"

Der Begründungseffekt

Ein sehr interessanter Effekt, der von den Psychologen Langer und Cialdini untersucht wurde. Sie bewiesen, dass wir Menschen lediglich eine Begründung brauchen, um einen Sachverhalt zu bewerten. Der Inhalt der Begründung ist dabei zweitrangig.

Ich möchte Sie hier nicht ermutigen, einfach irgendetwas im Bewerbungsgespräch zu erzählen und den Inhalt des Gesagten hintenanzustellen. Die Erkenntnis, die ich Ihnen mitgeben möchte, ist lediglich, dass Sie bei der Formulierung Ihrer Antworten auf Ihre Wortwahl achten sollten.

Wenn Sie beispielsweise gefragt werden: „Warum sollten wir gerade Sie einstellen?“, dann antworten Sie nicht einfach: „Ich bin zielstrebig und lernbereit“, sondern formulieren Sie so: „Sie sollten mich für die Position der technischen Projektleitung einstellen, weil ich zielstrebig und lernbereit bin.“ Die gleiche, richtige Aussage und dennoch eine andere Wirkung!

Vorstellungsgespräch_Psychologische Effekte

© contrastwerkstatt – Fotolia.com

Das Gesetz der Sympathie

Es war ebenfalls Robert Cialdini, der sagte: Die Sympathie ist ausschlaggebend, ob wir jemanden überzeugen können. Und sympathisch wirken wir durch Ähnlichkeit (erinnern Sie sich an die Spiegeltechnik?), Schönheit (ein gepflegtes Erscheinungsbild) oder Lob und Komplimente. Was bedeutet das für Sie im Vorstellungsgespräch?

Streuen Sie wenn möglich schon beim Smalltalk erste Komplimente ins Gespräch ein. So etwa: „Eine tolle Aussicht haben Sie hier!“ Wenn Sie beispielsweise eine Frage hatten, können Sie anstatt eines einfachen „Dankeschöns“ ein subtiles Kompliment mit anbringen: „Vielen Dank! Nach Ihrer sehr greifbaren Erklärung habe ich nun verstanden, worum es geht.“

Sie merken das Prinzip: Weniger ist mehr, aber subtile und vor allem ernst gemeinte Komplimente fördern die Sympathie. Auch Adjektive, die positive oder zum Unternehmen passende Assoziationen hervorrufen, können diese Wirkung erzielen. Nutzen Sie daher in Ihrer Kommunikation viele dieser sogenannten Eigenschaftswörter.

Der Framingeffekt

Bei diesem Effekt geht es darum, dass das Umfeld, in dem Menschen eine Information präsentieren, ausschlaggebend ist, wie die Information aufgenommen wird. Der Klassiker ist das halb volle oder halb leere Glas. Obwohl das Ergebnis bzw. die Situation die gleiche ist, nehmen wir das halb volle Glas positiver wahr. Was heißt das konkret für Sie? Achten Sie darauf, positive Formulierungen zu verwenden (Sie sehen vielleicht, ich hätte auch schreiben können: „Vermeiden Sie negative Formulierungen“, was eine andere Wirkung auf Sie gehabt hätte). So könnten Sie beispielsweise sagen: „Ich bin sehr flexibel und zu 20 % reisebereit.“ Auch wenn 20 % sicher keine erhöhte Reisebereitschaft darstellen, kommt es beim Empfänger als positiver Reiz an. Achten Sie auch darauf, wenn möglich „nicht“ und „kein“ zu vermeiden. Ein Beispiel: „Haben Sie Erfahrungen mit dem System AB?“ Ihre Antwort kann lauten: „Nein, mit dem System AB habe ich leider noch nicht gearbeitet.“ Wenn Sie es positiver formulieren, klingt das so: „Gehört habe ich davon, bisher habe ich allerdings das System XY erfolgreich genutzt.“

So interessant diese Effekte auch sind und mit Sicherheit, gezielt angewendet, auch zum Erfolg beitragen können, ersetzen sie Ihre Kompetenzen und eine eingehende Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch nicht. Tipps rund um eine solide, erfolgsorientierte Gesprächsvorbereitung finden Sie bei uns im Karriere-Center.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel