Marc-Sven Kopka ist Vice President External Affairs bei der New Work SE und moderiert seit Jahren die größte New-Work-Konferenz im DACH-Raum: die XING New Work Experience (kurz NWX).

Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welche Vision er für die Arbeitswelt der Zukunft hat, welche Rolle die Kultur des Unternehmens im Rahmen von New Work spielt und was Old Work bedeutet.

Hays: 2017 fand die erste XING New Work Experience statt. Damals noch kleiner als heute mit weniger Teilnehmern, aber schon damals konnte man spüren, dass sich da gerade viel veränderte in der Arbeitswelt. Was hat sich aus Deiner Sicht geändert in den letzten drei Jahren?

Kopka: Das Thema ist insofern in der Mitte der Gesellschaft angekommen, als dass immer mehr Unternehmen – darunter auch viele traditionelle – mit neuen Formen der Arbeit experimentieren. Außerdem ist es nach meinem Eindruck viel stärker akzeptiert, den pseudoprofessionellen Quatsch zu lassen, der früher in Vorstellungsgesprächen und am Arbeitsplatz gefordert war. Wo es darum ging, auch noch die privateste Entscheidung im Leben als eine professionelle darzustellen. Keine Schwächen zu haben, außer der viel zitierten „Ungeduld“. So zu tun, als lebte man nur für den Job und den Arbeitgeber in scheinbar völliger Selbstaufgabe.

 

Das hat sich nach meinem Eindruck geändert. Gerade die junge Generation hat zu dieser neuen Ehrlichkeit beigetragen. Und die Tatsache, dass sich die Talente in diversen Branchen die Arbeitgeber aussuchen können. Und eines ihrer wichtigsten Kriterien die Arbeitsbedingungen sind. Allerdings sind das alles in gewisser Weise dezentrale Veränderungen. Eine breite Debatte darüber, wie wir künftig Arbeit organisieren und verstehen wollen – unter Einbeziehung von Politik, Arbeitgebern, Arbeitnehmervertretern, Wissenschaft et cetera –, gibt es, soweit ich sehe, noch nicht.

Hays: New Work ist ein Begriff, der gerne mal (ähnlich wie „Digitalisierung“) verwendet wird, aber wenn man nach einer Definition fragt, kommen viele verschiedene Antworten. Wie definierst Du persönlich New Work?

Kopka: Für mich steht der Begriff New Work für die Utopie einer Arbeitswelt, in der der Einzelne sich selbst verwirklichen kann, was ihn so zu einem zufriedeneren, idealerweise sogar glücklicheren Menschen macht. In der Folge würde dies das Unternehmen gleichzeitig erfolgreicher machen. Denn autonome, zufriedene und motivierte Menschen arbeiten natürlich ganz anders als solche, die das nicht sind.

Hays: New Work bedeutet auch, dass man einige Aspekte von Old Work loslassen muss. Welche sind das aus Deiner Sicht?

Kopka: Statussymbole. Überhaupt: Insignien der Macht. Privilegien. Die Menschen werden gleicher, der Vorstandsaufzug, der dafür sorgt, dass das Führungsgremium nie warten muss, während sich das gemeine Arbeitnehmervolk nebenan nach ewigem Warten in den Fahrstuhl quetscht, das hat nach meinem Eindruck ausgedient. Und das ist gut so. Die Égalité, bekannt aus der Französischen Revolution, erhält ein paar hundert Jahre später jetzt auch Einzug in die Unternehmen.

Hays: Vor kurzem haben wir ein Interview geführt mit Sabine Kluge (Gewinnerin des XING-New-Work-Awards) in unserem Podcast zum Thema Selbstorganisation. Welche anderen Themen werden gerade im Bereich New Work sehr stark diskutiert? Seht Ihr einen klaren Fokus bei den eingehenden Bewerbungen für Speaker auf der NWX 2020?

Kopka: Nein, ich sehe keinen klaren Fokus, was die konkreten Fragestellungen angeht. Aber sehr wohl einen gemeinsamen Nenner. Ich beschäftige mich jetzt seit mehreren Jahren intensiv mit dem Thema und muss feststellen: Die Besonderheiten jedes Unternehmens, die Individualität der Belegschaft, ihre spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse spielen allerorts eine zentrale Rolle.

Es gibt keine fünf Regeln, die man anwendet, und schon ist man ein New-Work-Unternehmen. Denn für das Thema New Work ist die Kultur des Unternehmens ein entscheidender Faktor. Und die Kultur jeder Firma ist einzigartig. Die gilt es zu verstehen und auf Basis dessen Veränderungen einzuleiten. Im engen Dialog mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

 

Über den Gastautor

Marc-Sven Kopka ist so etwas wie der Botschafter der NEW WORK SE für das Thema ‚Zukunft der Arbeit‘. Mit seinem Team hat er unter anderem die führende Konferenz zur ‚Neuen Arbeit‘, die New Work Experience (NWX), ins Leben gerufen.  Darüber hinaus verantwortet er als Vice President External Affairs die Bereiche PR, Brand Strategy, Social Media und Public Policy. Bevor er vor zehn Jahren zur NEW WORK SE kam, leitete er die Konzernkommunikation der WestLB AG in Düsseldorf, sowie die europaweite Kommunikation für AOL als Vice President Corporate Communications in London.

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