Willkommen zurück zum zweiten Teil meines Twitter-Guides. Nachdem ich im ersten Teil die Basics beleuchtet habe, geht es jetzt um die aktive Teilnahme.

Follow me

Damit sich der Nachrichten-Stream in Ihrem Konto füllt, gilt es nun Personen zu identifizieren, die etwas zu sagen haben was Sie interessiert. Es gibt, neben unzähligen Personen des öffentlichen Lebens, auch viele Unternehmen, die auf Twitter aktiv sind. Nutzen Sie hierfür die Twitter-Suche. Identifizieren Sie beispielsweise die Karrierekanäle oder auch Mitarbeiter Ihres Traumarbeitgebers und folgen Sie deren Tweets.

Unter twitter.com/search-advanced können Sie Ihre Suche noch feiner und detaillierter gestalten. Wann immer Sie einer Person oder Institution folgen, bekommt diese eine Meldung darüber. Twitter-Nutzer werden sich in der Regel immer darüber informieren, wer denn die neuen Follower sind und was deren Hintergrund ist. Ich zumindest für meinen Teil handhabe das so.

Wenn mich das Twitter-Profil und die Twitter-Bio ansprechen (kein Ei als Foto und vergleichbare Interessen), folge ich auch zurück. Leuten zu folgen hat also auch den Effekt, das eigene Netzwerk zu erweitern. Aber übertreiben Sie es nicht! Ich rate von der Strategie "folgst du mir, so folge ich dir" dringend ab. Wie im wahren Leben muss man sich Zeit nehmen, um sich ein wertiges Netzwerk auf- und auszubauen. Sie werden es auch zu schätzen wissen, wenn Sie eine aufgeräumte Timeline haben.

"Hello World" oder der erste Tweet

Worüber soll ich denn jetzt schreiben? Interessiert das überhaupt jemanden? Und wenn ja wen? Diese oder ähnliche Gedanken werden wahrscheinlich vielen Leuten vor ihrem ersten Tweet durch den Kopf gegangen sein. Mir ging es zumindest so.  Bedeutungsvoller, wertiger Inhalt soll in 140 Zeichen transportiert werden – man will sich ja nicht blamieren! Schauen wir mal auf die verschiedenen Kategorien eines Tweets.

Man kann Tweets in 4 Kategorien unterteilen:

  1. Informationen
  2. Meinung
  3. Konversation
  4. Status-Updates

1. Informationen sind ein toller Einstieg für Ihren ersten Tweet. Teilen Sie Neuigkeiten aus Ihrem Fach- oder Interessengebiet mit Ihren Followern. Branchen-News sind ebenfalls willkommen. Nutzen Sie den Tweet-Button, den Sie in der Regel am Ende von Artikeln auf Webseiten finden.

2. Wenn Sie besagte Nachrichten teilen oder sharen, sollten Sie das nicht unkommentiert tun. Stellen Sie sich die Frage, warum Sie diese Nachricht teilen. Was halten Sie von dieser Neuigkeit und warum sollte man ggf. auf den beigefügten Link klicken? Verbinden Sie Ihre Tweets auch von Zeit zu Zeit mit einer Handlungsaufforderung. Ein gängiges Beispiel ist hier das beliebte "Please Re-Tweet" oder auch kürzer "PLS RT" – also die Bitte an Ihr Netzwerk, diesen Tweet weiterzuverbreiten.

Kleiner Tipp: Reizen Sie nicht die vollen 140 Zeichen aus. Bewegen Sie sich am besten zwischen 120 und 130 Zeichen und lassen Sie Raum für Zitate Ihrer Follower. Ich wollte schon häufig interessante Tweets mit meinem Netzwerk teilen, aber diese eben nicht unkommentiert weiterleiten. Wenn ich diese Möglichkeit nicht habe oder es zu kompliziert ist, den Tweet zu kürzen, lasse ich es bleiben.

3. Sie haben einen interessanten Tweet in Ihrer Timeline, auf den Sie reagieren möchten? Antworten Sie dem Absender. Daraus kann sich ein interessanter Austausch ergeben.

4. Status-Updates sind nicht nur außerhalb der Social Media Community ein ungeliebtes Kind und müssen für unzählige Klischees herhalten, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Selbstverständlich wird es die meisten Menschen nicht interessieren, wenn Sie mitteilen, dass Sie im Zug nach München sitzen. Setzen Sie diese Updates also sparsam oder zumindest humorvoll ein.

Was gibt es noch zu beachten? Häufig wird auch die Frage nach der Häufigkeit oder Frequenz gestellt. Spammen Sie Ihr Netzwerk nicht zu! Spammen beginnt für mich ab einer Frequenz von mehr als einem Tweet in der Stunde oder aber über fünf Tweets, als Block versendet. Ich möchte meine Timeline sauber halten. Erhalte ich zu viele Nachrichten, bin ich genervt und entfolge den User.

Wann sollten Sie zwitschern? Es gibt diverse Tools, die Ihnen diese Frage sehr genau beantworten können. Auf einige gehe ich noch im Anschluss ein. Generell sollten Sie sich fragen, wann Sie selbst Ihren Account checken. Das wird wahrscheinlich morgens auf dem Weg zur Arbeit der Fall sein oder in Ihren Pausen. Also ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies auch auf Ihr Netzwerk zutrifft. Wenn Sie diese Zeiträume nutzen, können Sie von einer erhöhten Interaktionsrate ausgehen. Sie erhalten zu wenig oder kein Feedback auf Ihr geniales Gezwitscher? Es spricht nichts dagegen, einen Tweet zu wiederholen. Gehen Sie davon aus, dass die wenigsten Nutzer in Ihrer Timeline lange zurückscrollen.

Hashtag

Der Hashtag oder das Rautezeichen dient der Verschlagwortung innerhalb Ihrer Tweets.
Twitter und andere soziale Netzwerke nutzen diese Keywords um die Suche nach bestimmten Themen zu erleichtern. Ein prominentes Beispiel der vergangenen Monate war beispielsweise die #Aufschrei-Kampagne. Wird ein Thema intensiv diskutiert, kann es in die nationalen oder auch internationalen Trending Topics von Twitter schaffen. Man kann also bestimmte Themen abonnieren und sich an der allgemeinen Diskussion beteiligen.  Viele Veranstaltungen nutzen ihre eigenen Hashtags. Wenn Sie also ein Event interessiert, Sie aber nicht vor Ort sein können, schauen Sie, ob es nicht ein entsprechendes Keyword gibt. So können Sie zumindest virtuell teilnehmen.

Sie können einen Hashtag aber auch als "Call for Action", also zur Interaktion, einsetzen. Nutzen Sie hierfür das Keyword #Followerpower und stellen Sie eine Anfrage an Ihr Netzwerk. Ein kurzes Beispiel: Ein Kollege von mir hatte eine Frage bezüglich eines neuen Social-Media-Tools. Trotz intensiver Recherche hatte Google keine Antwort parat. Er bat mich seine Frage an mein Netzwerk zu stellen, da sich dort sehr viele Social-Media-Experten befinden. Wir hatten Erfolg und seine Anfrage wurde binnen ein paar Stunden beantwortet.

Wertschätzung

Ein weiterer beliebter Hashtag ist der #FollowFriday oder kurz #ff. Erstellen Sie freitags eine Liste von Nutzern, denen Sie gerne folgen, und empfehlen Sie diese Ihrem Netzwerk. Ich nutze den Freitag auch gerne, um mich für die Interaktionen, auch auf anderen sozialen Netzwerken, der vergangenen Woche zu bedanken. Kurz gesagt ist der Follow-Friday eine schöne Form, seine Wertschätzung gegenüber anderen auszudrücken. Machen Sie also davon Gebrauch.

Eine weitere Form der Wertschätzung ist es auch, Nutzer in Listen hinzuzufügen. Neben Erwähnungen und Re-Tweets hat dies im Übrigen auch einen Einfluss auf Ihren Klout Score.

Tools

Da der Microblogging-Dienst selbst nur sehr sparsame Anwendungen bietet, hat sich rund um Twitter ein ganzes Universum von nützlichen Helferlein etabliert. Der Social-Media-Papst Brian Solis hat eine schöne Grafik hierzu veröffentlicht. Man kann diese in folgenden Kategorien grob unterteilen:

  1. Analyse-Tools
  2. Management-Tools
  3. Recherche-Tools
  4. Sonstige Tools

1. Wenn Sie neue Follower generieren, zeigt Ihnen Twitter das an. Aber wer verlässt Ihr Netzwerk? Welche Tweets kommen gut an und wie häufig wird eine Verlinkung angeklickt? Wann sollte ich zwitschern, um die größte Reichweite zu erhalten? Die Antworten auf diese Fragen bleibt Ihnen das Informationsnetzwerk schuldig. Um das herauszufinden, gibt es einige Tools. Ich persönlich verwende hierfür SocialBro. Das spanische Analyse-Tool bietet schon in der Free-Version vielfältige Analysemöglichkeiten. Leider ist die freie Version nur noch als Chrome-Plug-in erhältlich.

2. Sie möchten Ihre diversen Social-Media-Accounts von einem Dashboard aus verwalten? Dann werden Sie um das Tool Hootsuite nicht herumkommen. Besonders charmant ist der integrierte URL-Shortner, der Ihnen darüber Aufschluss gibt, wie häufig Ihre Links angeklickt wurden.

Twitter einfacher und komfortabler bedienen ist das Versprechen des Tools Tweetdeck. Hier können Sie Ihre Sparten individuell einrichten, ohne umständlich zwischen verschiedenen Reitern hin und her zu springen.

Buffer ist ein weiteres Management-Tool, das Sie neben der Verwaltung von diversen Social-Media-Accounts auch bei der Analyse und terminierten und geplanten Tweets unterstützt.

3. Hier ist die Seite whostalking.com besonders zu empfehlen. Diese Social-Media-Suche durchsucht neben Twitter auch andere Netzwerke und Blogs nach den gewünschten Inhalten.

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Tools, die verdeutlichen soll, welche Möglichkeiten sich im Umgang mit Twitter ergeben.

Fazit

Die Karriereplanung mit Twitter setzt voraus, dass Sie aktiv am Geschehen teilnehmen und sich mit einbringen. Demonstrieren Sie Ihre Expertise im Austausch mit Ihrem Netzwerk und nutzen Sie die Möglichkeit, sich mit potenziellen Arbeitgebern zu vernetzen. Planen Sie feste Onlinezeiten ein, um Ihr Zeit- bzw. Selbstmanagement im Griff zu behalten. Wenn Sie kontinuierlich am Ball bleiben, haben Sie mit Twitter eine attraktive Alternative zur klassischen Jobsuche gefunden. Zumal der Dienst in Deutschland in dieser Form noch nicht so intensiv genutzt wird. Eine schöne Möglichkeit also sich von potenziellen Wettbewerbern abzusetzen!

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Twitter gesammelt? Ich freue mich über Ihre Gedanken, gerne auch über das besprochene Medium unter @sebastian_rahm.

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