Die letzten Monate haben deutlich gezeigt, wie wichtig Lieferketten in Europa und auch weltweit sind. Denn wenn benötigte Artikel aus Italien zum Beispiel nicht rechtzeitig nach Deutschland kommen, steht hier unter Umständen die Produktion still. Diese Abhängigkeit von Lieferketten bzw. Vorlieferanten hat sich jedoch auch in den vergangenen Jahren bereits deutlich gezeigt, beispielsweise in Form der vielfachen Forderungen an Lieferanten, sich nach bestimmten Qualitätsmanagementnormen zertifizieren zu lassen.

In diesen (zumeist) international gültigen Normen sind Anforderungen an Unternehmen formuliert. Zertifizierungsgesellschaften können überprüfen, ob ein Unternehmen diese Anforderungen erfüllt, und dem Unternehmen daraufhin ein entsprechendes Zertifikat ausstellen. Die Hays AG ist beispielsweise nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert – dabei handelt es sich um eine allgemeingültige Norm, die auf alle Unternehmen angewandt werden kann. Es gibt neben der DIN EN ISO 9001 auch noch andere Normen, zum Beispiel die DIN EN ISO 13485 für den Bereich Medizinprodukte, die DIN EN 9100 für den Bereich Luft- und Raumfahrt oder auch die IATF 16949 für den Bereich der Automobilindustrie.

Gerade in der Automobilindustrie, im Maschinenbau sowie im Pharma- und Medizinproduktebereich geht heute so gut wie nichts mehr ohne die jeweils gültigen Zertifizierungen. Doch auch in weiteren Bereichen, wie beispielsweise der Dienstleistungsbranche oder dem Handel, hat die Zahl der zertifizierten Qualitätsmanagementsysteme in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Und da diese Qualitätsmanagementsysteme nicht nur eingeführt, sondern auch umgesetzt und weiterentwickelt werden müssen, hat sich auch die Nachfrage nach qualifizierten Qualitätsmanagern in den vergangenen Jahren stark erhöht, sodass man den Beruf des Qualitätsmanagers durchaus als Trendberuf bezeichnen kann.

Ziel: Die Qualität lenken und leiten

Um in die Berufswelt des Qualitätsmanagers eintauchen zu können, ist es zunächst wichtig, eine Differenzierung zwischen dem Qualitätsmanager und dem Mitarbeiter in der Qualitätssicherung vorzunehmen.

Wie die Berufsbezeichnung des Qualitätsmanagers schon nahelegt, geht es darum, die Qualität zu managen, also zu leiten und zu lenken, um die angestrebte Qualitätsstufe für Produkte oder Dienstleistungen zu erreichen.

 

So kümmert sich der Qualitätsmanager zum Beispiel um die relevanten Prozesse im Rahmen der Produktion oder Dienstleistungserbringung, um die Kompetenz der ausführenden Mitarbeiter oder auch um die einzusetzenden Rohmaterialien bzw. deren Lieferanten. Er nimmt in seiner Position also ganz explizit Einfluss auf die Struktur- und die Prozessqualität und hat somit eine leitende und lenkende Funktion.

Der Tätigkeitsbereich des Mitarbeiters in der Qualitätssicherung/Qualitätskontrolle beschränkt sich auf die prüfende Funktion – er überprüft, ob die für das Produkt oder die Dienstleistung vorab definierten Kriterien eingehalten werden.

Ein Beispiel aus dem Pharmabereich verdeutlicht den Unterschied anschaulich: Der Mitarbeiter aus der Qualitätskontrolle führt im Labor die Tests zur Marktfreigabe des Medikamentes durch, während der Qualitätsmanager die ganze Einrichtung und sämtliche Prozesse im Blick haben muss.

Welche Aufgaben und Tätigkeiten hat ein Qualitätsmanager?

Die Aufgaben des Qualitätsmanagers sind sehr vielfältig, denn seine Tätigkeiten können Belange rund um sämtliche Faktoren einschließen, die sich auf die Qualität auswirken. Einen starken Einfluss hat natürlich auch die Branche, in der das Unternehmen tätig ist: Agiert es in stark gesetzlich bzw. behördlich regulierten Bereichen (zum Beispiel in der Pharmaindustrie oder in der Medizintechnik), unterscheiden sich die Tätigkeiten deutlich von den Aufgaben in einem Unternehmen, das in einem weniger regulierten Bereich tätig ist.

Als erster und wichtigster Punkt sei an dieser Stelle die Steuerung von Prozessen genannt. Die Einführung bzw. Planung von neuen Prozessen und die Optimierung bereits bestehender Prozesse sind in der Regel Tätigkeiten, die ein Qualitätsmanager häufig durchführt.

Zudem werden in vielen Unternehmen Reklamationen intern vom Qualitätsmanager bearbeitet. Dies umfasst zum Beispiel die Ermittlung der Fehlerursache, um diese zu beheben und das erneute Auftreten des Fehlers zu verhindern. Teilweise fordern Kunden als Nachweis 8D-Reports an, die in der Regel ebenfalls vom Qualitätsmanager erstellt werden.

 

Die Planung und gegebenenfalls auch die Durchführung von internen Audits sowie die Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung gehören ebenso zu den Tätigkeiten, die Qualitätsmanager in einem Unternehmen häufig übernehmen.

Das Tätigkeitsspektrum kann also sehr breit gefächert sein. Es sei jedoch angemerkt, dass große Unternehmen in der Regel über ganze Qualitätsmanagement-Abteilungen verfügen, sodass diese Tätigkeiten nicht von einem einzelnen Mitarbeiter, sondern von einem ganzen Team durchgeführt werden.

Zudem sollte erwähnt werden, dass die Digitalisierung in den letzten Jahren (glücklicherweise) auch vor dem Beruf des Qualitätsmanagers nicht haltgemacht hat. Die Zeiten ausgedruckter Handbücher und handgeschriebener Prüfprotolle sind vorbei. Moderne Qualitätsmanagementsysteme können und werden heute via Software (zum Beispiel als Wiki-System) geführt, Maßnahmen mittels Ticketsystem geplant und überwacht und Messdaten automatisch in das Manufacturing Execution System übernommen.

Wie wird man Qualitätsmanager?

Der Studiengang Qualitätsmanagement wird nicht sehr häufig und vorrangig von Fernuniversitäten oder als berufsbegleitendes Studium angeboten.

Daher startet der berufliche Werdegang eines Qualitätsmanagers häufig mit einem Studiengang, der nicht unmittelbar mit Qualitätsmanagement zu tun hat, beispielsweise Maschinenbau. Da aber zum Beispiel gerade der Maschinenbau ein Bereich ist, in dem Qualitätsmanagement sehr relevant ist und in dem die Unternehmen über einschlägige Zertifizierungen verfügen, können/müssen Studierende auch Vorlesungen zum Thema Qualitätsmanagement besuchen. Hier kommen angehende Qualitätsmanager häufig zum ersten Mal mit diesem Bereich in Kontakt. Nach dem Abschluss des eigentlichen Studiums können sie sich über ein weiteres berufsbegleitendes Studium oder über eine modulare Ausbildung zum Qualitätsmanager weiterbilden.

Welche Hard Skills und Soft Skills braucht ein Qualitätsmanager?

Es gibt vier hauptsächliche Kompetenzen, die für einen (guten) Qualitätsmanager unerlässlich sind:

  • Fachliche Kompetenz
  • Methodenwissen im Bereich Qualitätsmanagement
  • Erfahrungskompetenz
  • Empathie

Als Basis ist die fachliche Kompetenz im eigentlichen Bereich des Unternehmens zwingend erforderlich, da der Qualitätsmanager täglich mit den Kernprozessen des Unternehmens in Berührung kommt. Schließlich ist es unmöglich, einen Prozess zu optimieren, mit dem man selbst nicht vertraut ist. Ebenso wichtig ist das Methodenwissen im Bereich Qualitätsmanagement, um die zur Verfügung stehenden „Werkzeuge“ auch anwenden zu können. Zu diesen Werkzeugen zählen zum Beispiel Risikoanalysetechniken oder auch 8D-Reports, um das obige Beispiel wieder aufzugreifen.

Neben diesen beiden Faktoren, für die man sich das erforderliche theoretische Wissen aneignen kann, gibt es noch zwei weitere relevante, nicht theoretische Kompetenzen: Zum einen die Erfahrungskompetenz, die man natürlich auch erlernen kann. Dies erfordert jedoch Zeit, geschieht automatisch und kann nicht beschleunigt werden, denn Erfahrung gewinnt man schließlich nicht von heute auf morgen. Daneben benötigt ein guter Qualitätsmanager immer auch ein hohes Maß an Empathie. Denn bei allen oben beschriebenen Tätigkeiten und Aufgaben hat ein Qualitätsmanager regelmäßig mit anderen Menschen zu tun, seien es die eigenen Kollegen, die Ansprechpartner beim Kunden oder auch die Auditoren von Zertifizierungsgesellschaften. Und da fördert die Fähigkeit, sich in die Belange des anderen einzufühlen, die gute Zusammenarbeit ungemein. Selbst mit hervorragenden Fach- und Qualitätsmanagement-Kenntnissen wird es ein Qualitätsmanager zu nichts bringen, wenn er nicht mit anderen Menschen umgehen kann.

Über den Gastautor Michael Thode

Michael Thode ist Gründer und Inhaber der Beratungsgesellschaft Lösungsfabrik Thode und Partner. Seit nunmehr 10 Jahren unterstützt er vorrangig mittelständische Unternehmen in den Bereichen Qualitätsmanagement und ISO 9001.

Sein Fokus liegt dabei auf einem effizienten Qualitätsmanagement, welches die Unternehmensentwicklung und den Unternehmenserfolg nachhaltig unterstützt.  

 

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