Wer einmal den 17. Mai in Norwegen verbracht hat, wird das kaum wieder vergessen: Fröhliche Menschenmengen in Tracht oder im besten Sonntagsstaat bevölkern die Straßen, schwenken rot-weiß-blaue Fahnen und winken dem Barnetog zu. Solche Kinderumzüge ziehen selbst durch die kleinsten Ortschaften und feiern ihr Land. Denn nicht erst seit dem 22.Juli 2011 ist es den Norwegern ein Bedürfnis, ihr „lille land“, ihr kleines Land, wie sie es selbst liebevoll nennen, hochleben zu lassen.

Norwegen ist ein Einwanderungsland

Für viele Deutsche ist Norwegen ein beliebtes Urlaubsland. Für mehr und mehr Menschen wird es auch zur zweiten Heimat, denn Norwegen ist durch und durch ein Einwanderungsland. Die Anzahl der in Norwegen lebenden Einwanderer hat sich seit 1970 etwa verzehnfacht, ca. 11 Prozent der Einwohner sind nicht in Norwegen geboren (Vgl. Einwanderungsland Norwegen – demografische Trends und politische Konzepte, HG Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.). Durch den Ölboom der 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sah sich das Land schnell einem akuten Fachkräftemangel gegenüber, der sich in vielen Bereichen der Wirtschaft bis heute fortsetzt. Auch in Norwegen ist Immigration ein Thema, das weit oben auf der politischen Agenda steht, und auch hier wird es kontrovers diskutiert. Und dennoch, mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass uns die Norweger in puncto Integration und entspannten Miteinanders ein ganzes Stück voraus sind. Als Rekrutierungspartner begleiten wir seit einigen Jahren ein norwegisches Engineering-Unternehmen. Die Firma ist in Kongsberg angesiedelt, das man wohl mit Fug und Recht als das norwegische Silicon Valley bezeichnen darf. Auf ca. 25.000 Einwohner kommen hier mehr als 6.000 Ingenieure, es ist das Zentrum der norwegischen Hochtechnologie. Unser Kunde rekrutiert Ingenieure aus der ganzen Welt, um seine ehrgeizigen Wachstumspläne verwirklichen zu können. In den Teams arbeiten Portugiesen, Australier, Polen, Deutsche, Inder, Engländer und Österreicher gemeinsam mit ihren norwegischen Kollegen an zukunftsweisenden Technologieprojekten.

Wie ist es, in Norwegen zu arbeiten?

Für die ausländischen Fachkräfte bedeutet es sicher eine ziemliche Umstellung, in Norwegen zu arbeiten. Die meisten Portugiesen wissen beispielsweise über Norwegen höchstens, dass dort der Stockfisch hergestellt wird, der als „Bacalhau“ die portugiesische Nationalspeise ist. Der norwegische Sommer ist kurz und wird intensiv genutzt, der norwegische Winter dagegen ist lang, kalt und selbst für mich als Norddeutsche ziemlich ungemütlich. Dennoch schaffen es viele norwegische Firmen, ihre ausländischen Fachkräfte auch langfristig an sich zu binden, und das hat nicht allein mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun.
  • Bereits bei der Personalauswahl wird beispielsweise die Familie des Kandidaten mit einbezogen und sichergestellt, dass ggf. Partner und Kinder mit dem Umzug nach Norwegen einverstanden sind.
  • Im nächsten Schritt wird bei der Wohnungssuche unterstützt, das norwegische Sozialsystem wird erklärt, beim Behördengang geholfen. Sprachkurse werden finanziert und organisiert, und ganz allgemein versucht man für die Neubürger den Alltag so weit wie möglich zu erleichtern. Dabei ist Englisch als „zweite“ Geschäftssprache voll akzeptiert und wird überall gesprochen, was zumindest den Start sehr vereinfacht. In Norwegen spielt das soziale Netzwerk eine große Rolle, es wird viel Zeit mit Familie und Freunden verbracht.
  • Und auch hier erleichtern viele Firmen ihren ausländischen Kollegen die Integration, indem regelmäßig gemeinsame Veranstaltungen und Ausflüge organisiert werden, um die Kollegen einander auch auf der privaten Ebene näherzubringen.
Ein von uns vermittelter deutscher Ingenieur erzählt beispielsweise immer wieder gerne die Geschichte, wie er sich gemeinsam mit einigen portugiesischen Kollegen auf dem Rückweg von einem Skiausflug mit dem Auto festgefahren hat, um dann von einem norwegischen Kollegen mit Allradfahrzeug wieder freigeschleppt zu werden. Solche Erlebnisse verbinden, und es wundert nicht, wenn am 17. Mai bei den Kinderumzügen zwischen den norwegischen Fahnen viele fröhliche Kinder winken, deren Eltern das Licht der Welt noch in einem ganz anderen Land erblickt haben, sich mittlerweile im hohen Norden aber wie zu Hause fühlen.

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