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Das Thema Altersvorsorge und Rentenreform entwickelt sich zu einem Wahlkampfschlager. Droht hier nach der weiteren Regulierung von Zeitarbeit und Werkverträgen ein nächster Eingriff für selbstständige Wissensarbeiter?

Versicherungspflicht für Selbstständige

Es scheint so zu sein, denn mehrere Tageszeitungen berichten, dass die Union eine Versicherungspflicht für Selbstständige plane. Und Andrea Nahles hat das Thema ohnehin längst für sich entdeckt.
So traf sie sich Anfang Juli mit Vertretern von Gewerkschaften sowie Sozial- und Arbeitgeberverbänden und Wissenschaftlern. Ich frage mich, weshalb bei diesem Thema die Betroffenen, also die Selbstständigen, nicht direkt ins Boot geholt werden?

Ausnahmen bestätigen die Regel

Nun heißt es, die Rentenexperten von CSU und CDU hätten sich geeinigt. Eine Verpflichtung für Selbstständige soll kommen. Dabei hat die Union zwei Varianten im Kopf. Zum einen die Einzahlung in die gesetzliche Rente oder alternativ eine Nachweispflicht für eine armutsfeste Altersvorsorge, wie die Riester-Rente oder Lebensversicherungen. Allerdings sieht die Union zahlreiche Ausnahmen:

  • für Künstler und Publizisten, die anders abgesichert sind
  • für Selbstständige, die in andere Versorgungswerke einzahlen
  • für Selbstständige im rentennahen Alter
  • für Selbstständige mit geringfügigen Verdiensten
  • für selbstständig Tätige zwischen 30 und 50 Jahren, die bereits vorgesorgt haben
  • für besondere Phasen wie Existenzgründung

Ausnahme über Ausnahme also, obwohl der Entwurf noch gar nicht vorliegt und sich die Koalition nicht geeinigt hat.

Status quo: Kurzsicht statt Einsicht

Aus meiner Sicht sollte auf keinen Fall kurzfristig entschieden werden, ohne mit den Betreffenden zu reden und verschiedene Sichtweisen in Betracht zu ziehen. Vermutlich benötigen wir z. B. großzügige Übergangsfristen. Zudem sollte bei Selbstständigen beachtet werden, dass die Orientierung am Gewinn erfolgt, nicht am Umsatz. Weiter muss die Heterogenität der Gruppe beachtet werden – das Gießkannenprinzip wirkt hier nicht wirklich.
Trotzdem: Ich fürchte, dass es letztendlich die Solo-Selbstständigen treffen wird – pauschal und ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Umstände dieser heterogenen Gruppe. Selbstständige Wissensarbeiter, teilweise mit dem mehrfachen Einkommen eines normalen Arbeiters, werden in eine Ecke gedrängt.

Grau statt Schwarz-Weiß

Ist dies eine probate Lösung? In meinen Ohren klingt das alles sehr komplex! Der neue bürokratische Berg, den es zu bezwingen gilt. Warum schaffen wir nicht eine gesetzliche und einheitliche Rentenversicherungspflicht für alle? Also auch die Mitgliedschaft freier Berufe oder von Beamten. Oder befürchten die Parteien, dann Stimmen zu verlieren oder in die Mühlen mächtiger Lobbyverbände zu geraten? Ein anderer Ansatz wäre, differenzierte Lösungen für viele Berufsgruppen zu finden.
In jedem Fall lautet mein Appell: Lasst euch Zeit, denkt in Generationen, weg von parteipolitischen Wahlkampfparolen für kurzfristige und vermeintliche Lösungen!

Über unseren Kollegen Matthias Ruff

Matthias Ruff studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Nach seinem Abschluss als Diplomkaufmann begann er seine Karriere bei Aldi als Gebietsleiter, bevor er im Jahr 2000 zu Hays kam. Dort war er zunächst als Account Manager im Bereich Contracting tätig, den er nach einigen Jahren als Director verantwortete. Zwischenzeitlich leitete Herr Ruff als CEO ein Unternehmen in der Schweiz und Deutschland.

Hays,Ruff

Im Jahr 2011 kehrte er zu Hays zurück und hatte seitdem nationale wie internationale Verantwortung in verschiedenen Specialism und Vertragsformen. Sein gegenwärtiger Focus ist die Verantwortung für das Strategy Management sowie für die Vertragsform Contracting. Ein wesentlicher Baustein ist die Weiterentwicklung des Contracting im Innen- wie Außenverhältnis.

Kommentare


  1. cavalcante

    Hierbei kommt auch laute Unterstützung aus den Reihen der Grünen. Eine Einbeziehung der selbstständigen in die Sozialversicherungen die allen gerecht wird und den Blick auf die Erwerbswirklichkeit Richtet, sei unlängst überfällig, so jedenfalls die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen Kerstin Andreae

    Antworten

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