Das Virus ist gefährlich – für die Gesundheit jedes Einzelnen, aber auch für die deutsche Wirtschaft: Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist in diesem Jahr bereits drastisch  eingebrochen und nach Einschätzung des Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, wird eine „Rückkehr auf das Niveau des BIP vor der Pandemie nicht vor dem Jahr 2022 zu erwarten sein“.

Erfreulicherweise zeigen die aktuellen Konjunkturbarometer der einschlägigen Wirtschaftsinstitute dennoch derzeit wieder leicht nach oben – trotz der bestehenden Unsicherheiten der weltweiten Auswirkungen der Pandemie und der Gefahr einer zweiten Welle in Deutschland.

Covid-19 ist natürlich auch an den selbstständigen Experten und ihren Projekteinsätzen nicht ohne Spuren vorbeigezogen. Als Vorsitzender des Bundesverbandes für selbständige Wissensarbeit und als Praktiker bei Hays habe ich aber in den letzten Monaten immer wieder Stimmen wahrgenommen, die vermittelten, dass die Lage insgesamt relativ stabil sei, auch aus meinem eigenen Unternehmen kann ich dies im Großen und Ganzen bestätigen. Diese „Gefühlslage“ konnte nun durch eine aktuelle Studie des Bundesverbandes in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen bestätigt werden. An der Umfrage nahmen mehr als 1400 Freelancer teil.

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die befragten Freelancer in der Regel einen sehr guten Verdienst haben (67 Prozent liegen bei über 700 Euro Tagessatz) und weniger stark von der Corona-Pandemie betroffen sind. Circa zwei Drittel der Befragten haben keine Soforthilfen des Bundes in Anspruch genommen. Zum Teil, weil kein Bedarf bestand (56 Prozent) oder weil es zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht notwendig bzw. relevant war (9 Prozent).

 

 

Mit Blick auf die Projektakquise geben 76 Prozent der Befragten an, dass sich die Projektakquise bisher nicht wesentlich verändert hat. In der Gegenüberstellung der Veränderungseffekte wird erkennbar, dass Folgebeauftragungen bestehender Projekte wohl deutlicher zurückgegangen sind und die Nutzung des eigenen Netzwerkes wichtiger geworden ist. Die Suche nach neuen Projekten über Online-Portale erfährt in der Tendenz einen Zuwachs, während die Rolle von Projekt- und Personaldienstleistern stabil bleibt. 

Insgesamt sind die Umfrageergebnisse aus meiner Sicht ein Beleg dafür, dass selbstständige Wissensarbeiter aufgrund ihrer Einkommens- und Vorsorgesituation in der Lage sind, auch gewisse Durststrecken aus eigener Kraft zu überstehen. Es bleibt daher wichtig, Selbstständigkeit in Deutschland differenziert zu betrachten.

Diese Zahlen stärken zum einen die Zuversicht und sind zugleich ein Zeichen dafür, dass der hohe Wettbewerbs- und Innovationsdruck am Wirtschaftsstandort Deutschland erhalten bleibt. Und dafür braucht es eine starke Dienstleistungsindustrie und hoch qualifizierte externe Experten.

 

 

Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass wir Covid-19 noch nicht überstanden haben. Im Gegenteil, aktuell lässt sich gar ein beunruhigender Anstieg bei den Fallzahlen verzeichnen. Ich selbst gehöre zu den Menschen, die kein Problem damit haben, einen Mundschutz in der Öffentlichkeit zu tragen und das Social Distancing zu berücksichtigen – denn ich weiß, wofür ich es tue: einerseits für die Gesundheit meiner Mitmenschen und andererseits dafür, dass wir nicht wieder erneut in einen Shutdown zurückfallen, der uns allen schadet!

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