Zwar werden laut Aussagen vieler Branchenexperten neu entstandene Jobs zum Teil schon mit internationalen Experten oder durch ausländische Fachkräfte besetzt. Das reicht aber bei Weitem noch nicht aus, um der demographischen Schrumpfung entgegenzuwirken.

  • Verbesserte Zugänge für internationale Experten
  • Die Unternehmen schaffen wirtschaftliche Voraussetzungen
  • Schnellere Anerkennung beruflicher Qualifikationen

Laut dem Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) sind derzeit insgesamt rund 1,2 Millionen Stellen offen – Tendenz steigend. Ohne die Zuhilfenahme ausländischer Arbeitskräfte würde sich das aktuelle Erwerbspersonenpotenzial, das sich heute auf rund 47 Millionen Personen beläuft, bis 2060 auf unter 29 Millionen entwickeln. Umgerechnet bedeutet das, dass jährlich etwa 400.000 Menschen zuwandern müssten. Und das wären nach Auskunft des IAB doppelt so viele wie im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte.

Hinzu kommt, dass mehr Menschen in Rente gehen, als aus den Schulen nachrücken. Der Großteil der Babyboomer wird ab 2020 sukzessive aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Diese Abgänge werden durch die nachfolgenden geburtenschwachen Jahrgänge nicht vollständig zu ersetzen sein. Befeuert wird diese missliche Arbeitsmarktlage zusätzlich durch die viel zu eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten von Frauen (insbesondere bei Rückkehr aus der Elternzeit) oder auch den Mangel an flexiblen Alterszeitmodellen.

Deutschland – ein attraktiver Markt und Standort für ausländische Fachkräfte

Das bedeutet, für das aktive Anwerben ausländischer Fachkräfte ist es fünf vor zwölf. Obwohl einige Voraussetzungen dafür gar nicht einmal schlecht stehen.

Denn laut einer Expat-Insider-Studie in der 13.000 Menschen danach gefragt wurden, aus welchem Grund der Standort Deutschland für sie attraktiv sei, sprach Folgendes für unsere Heimat: 67 Prozent möchten hier wegen der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes arbeiten, 54 Prozent wollen vom hohen Gehaltsniveau profitieren und 65 Prozent schätzen die gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Aber nicht nur der Ruf, gute Karrierechancen zu bieten, macht Deutschland attraktiv. Die Wirtschaft tut auch etwas dafür, dass es so ist, und schafft viele neue Stellen für international versierte Experten.

Nehmen wir beispielsweise Unternehmen wie Bosch oder Adidas, die ihre Produktion aufgrund eines starken Digitalfokus wieder in heimische Gefilde verlagern und damit gute Beschäftigungschancen gerade auch für Experten aus Drittländern schaffen. Denn moderne Technologien wie der 3D-Druck oder die Roboterisierung brauchen hochqualifizierte Spezialisten mit Top-Qualifizierung, um die Entwicklungen voranzutreiben. Die Herkunft des Spezialisten ist dabei eher zweitrangig.

An den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Qualifizierung von Spezialisten kann es also nicht liegen, dass die Integration in unseren Arbeitsmarkt so schleppend läuft. Der Punkt ist: Lange nicht jeder mit einem ausländischen Hochschul- oder Berufsabschluss darf in Deutschland auch seiner erlernten Tätigkeit nachgehen. Denn die reine Arbeitserlaubnis berechtigt nur grundsätzlich zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Damit ist aber noch nicht klar, ob ein Ingenieur auch vermessen und ein Informatiker auch berechnen darf.

Das Ganze wird ungleich komplizierter, wenn man erfährt, dass es individuelle Vorschriften gibt, die in einem Fall vom Bund, dann im anderen Fall wieder von den Bundesländern erlassen wurden. Was wiederum einen Rattenschwanz an Amtsgängen nach sich ziehen dürfte. Schließlich möchte eine ausländische Fachkraft ja ihre Ausbildung als gleichwertig zur hiesigen anerkennen lassen.

Ist diese Hürde dann genommen, stellt sich auch schon die nächste Frage. Wie lange kann ein Informatiker aus einem Drittland seine Tätigkeit am heimischen Standort überhaupt ausüben? Denn die Digitalisierung bringt es mit sich, dass sich alle Fachkräfte von Zeit zu Zeit um- und weiterqualifizieren müssen, um ihre Fähigkeiten den sich schnell verändernden Anforderungen anzupassen. Sollte jemand mit einem Abschluss, den er vor 30 Jahren gemacht hat, in Deutschland Fuß fassen wollen, wird es schwer.

Weiterbildung für internationale Fachkräfte

©deagreez – Fotolia.com

Weiterbildung ist das A und O

Ganz egal ob Technologiebranche oder nicht. Hier kommt die systematische Weiterbildungs- und Kompetenzentwicklung ins Spiel, zu der die internationalen Fachkräfte einen gleichwertigen Zugang benötigen. Kurzum: Das sind Faktoren, die die dringend benötigten Spezialisten eher vergraulen, anstatt sie zu motivieren. Da nützt auch das beste Mitarbeiterbindungsprogramm nichts.

Die Diskussion zur Integration wichtiger Fachkräfte sowie zur flankierenden digitalen Bildung, die dringend flächendeckend angeschoben werden müsste, scheint in den üblichen Sonntagsreden zu versanden. Was am Ende nicht nur die in- und ausländischen Fachkräfte, sondern vor allem die Unternehmen mit ihren Investitionen in den Standort teuer bezahlen dürften.

Dabei stehen die wirtschaftlichen Ampeln auf Grün: Technologische Möglichkeiten erlauben es uns, ausländischen Fachkräften die gewünschte Flexibilität am Arbeitsplatz zu bieten; sie könnten ihre Familien- und Berufspläne unter einen Hut bringen und würden an entsprechenden Standorten ein gutes Gehalt beziehen.

Dafür brauchen wir allerdings dringend eine Abkehr vom bürokratischen Hürdenlauf zur Anerkennung bestehender beruflicher Qualifikationen, gepaart mit erhöhten politischen Anstrengungen für Bildungs- und Weiterbildungschancen. Denn gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Internationalisierung der Märkte ist die verbesserte Integration von Spezialisten aus dem Ausland dringender denn je.

Für Karrieretipps besuchen Sie bitte unser Karriere-Center.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel