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Wie im Vorstellungsgespräch Ihre Stressresistenz getestet und Ihr Wertebild durchleuchtet werden, kann sich im Detail je nach Gesprächspartner unterscheiden. Doch zumeist werden hierfür die von vielen gefürchteten Standardfragen genutzt. Eine Standardantwort ist Gift, doch eine gute Vorbereitung hilft Ihnen, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich von der Masse abzuheben.

Warum sollten wir gerade Sie einstellen?

Wie reagieren Sie auf die Frage aller Fragen? Mit Humor? Mit einem Monolog über Ihre Einsatzbereitschaft oder Ihren Lernwillen? Die Replik hierauf sollten Sie sich gut überlegen, denn mit einer passenden Antwort können Sie sicher punkten.

Wie aber zaubern Sie diese aus dem Hut, ohne dass Sie klingen, als zitieren Sie einen Karriereratgeber? Wer schon einige meiner Tipps gelesen hat, kennt meinen Grundsatz, der auch hier Anwendung findet.

Gut vorgedacht – schon halb gemacht

Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei dieser Frage in der Mischung aus einer guten Vorbereitung und Ihrer Einschätzung des vorangegangenen Gespräches bzw. der Gesprächsteilnehmer.

Zur Vorbereitung auf ein Jobinterview – egal welche Fragen Sie erwarten – gehört immer Ihr Selbst-Assessment. Das bedeutet, Sie überlegen sich bereits im Vorhinein, was Sie gut können, welche Eigenschaften Sie besonders auszeichnen und was Sie in ein Unternehmen einbringen können, das vielleicht ein Mitbewerber nicht mitbringt. Dinge wie Teamfähigkeit und Lernbereitschaft gehören zu den Standardantworten, von denen Sie Abstand nehmen sollten.

Social Media, Unternehmenshomepages sowie persönliche Quellen helfen Ihnen, Ihr Zielunternehmen auf Werte und Philosophie zu screenen und abzugleichen, warum genau Sie so gut zu der Firma passen. Außerdem haben Sie ja noch die Stellenausschreibung, die Ihnen Hinweise auf die gewünschten Soft Skills gibt.

Pflicht und Kür – das Tüpfelchen auf dem i

Das Fundament haben Sie damit also schon gelegt. Jetzt heißt es, während des Gespräches gut zuzuhören und Ihre Gesprächspartner einzuschätzen. Vor allem wenn diese über die ausgeschriebene Stelle und das Unternehmen berichten. Hören Sie in den Ausführungen etwas wie „Wir verstehen uns als umsetzungsstarkes Team, das Ideen zeitnah in effektive Lösungen umwandelt“, so gehen Sie gerne bei der Frage, warum Sie zum Unternehmen passen, darauf ein: „Ich bin eine Macherpersönlichkeit. Sie haben vorhin erwähnt, dass Sie nach umsetzungsstarken Persönlichkeiten suchen. Damit passe ich sehr gut in Ihr Unternehmen.“

Oder: „Mit mir stellen Sie einen loyalen Mitarbeiter ein, der seine Machermentalität mit Konsequenz und Charme einzusetzen weiß.“ Die Ausformulierung hängt natürlich immer davon ab, wie Ihre Gegenüber schwingen. Das sogenannte Paraphrasieren, also etwas, das Ihre Gesprächspartner gefragt oder gesagt haben, frei und sinngemäß in Ihrer Antwort zu wiederholen, wirkt Wunder!

Standardantworten und No-gos

Eine Standardfrage ja, eine Standardantwort: NEIN! Sehen Sie unbedingt davon ab, bei einer solchen Frage mit einer perfekt klingenden Pauschalantwort punkten zu wollen oder sogar ins Stottern zu geraten. Jeder unvorbereitete Bewerber im Gespräch wird auf diese Frage etwas antworten wie: „Weil ich lernbereit bin und immer Einsatz zeige.“

Oder etwa: „Weil ich die Stelle wirklich gerne haben möchte und mich gut integrieren kann.“ Am schlimmsten finde ich beispielsweise: „Weil mir Überstunden nichts ausmachen und ich mich gut in neue Themen einarbeiten kann.“ Wer würde das nicht sagen, um an seinen Traumjob zu kommen? Ein weiteres No-go ist selbstverständlich, eine glatte Lüge zu erzählen und einfach eine Antwort zu finden, von der Sie denken, Ihr Gegenüber würde diese nun gerne hören.

Spieglein, Spieglein…

Wie bei fast jeder Standardfrage sollten Sie sich vor Augen führen, dass nicht nur Sie auf dem Prüfstand stehen, sondern auch das Unternehmen. Bekommen Sie bereits während des Gespräches das Gefühl, dass Sie gar nicht gut zum Unternehmen oder auf die Stelle passen, können Sie auch ganz ehrlich auf diese Frage antworten und quasi im Gespräch eine Absage erteilen.

Sollten Sie die Entscheidung verständlicherweise überdenken wollen oder sind sich noch unsicher, empfiehlt es sich, nach Ihrer Antwort auf die Frage um ein Feedback zu bitten: „Warum denken Sie, dass ich auf die Position (nicht) passe? Ich bin dankbar für ein offenes Feedback Ihrerseits.“ Oder: „Wenn Sie bereits jetzt eine Aussage treffen können: Denken Sie, ich bringe alles mit, was ich für die Position benötige?“

Selbstverständlich sollten Sie das nur tun, wenn Sie sich bei Ihren Gesprächspartnern wohlfühlen. Offenes Feedback oder konstruktive Kritik bringen Sie voran!

Bleiben Sie einfach – wie ich es immer rate – ehrlich und natürlich, bereiten Sie sich gut vor und denken Sie über Ihre Antwort nach, bevor Sie aus dem Bauch heraus schießen. Beachten Sie außerdem unsere Tipps im Hays Karriere-Center und Ihr Vorstellungsgespräch wird Ihnen viel leichter fallen, als Sie denken.

Über unsere Kollegin Katharina Hain

Nach ihrem Studium zur Diplom-Betriebswirtin an der Fachhochschule Ludwigshafen und der Tätigkeit als Product Manager bei einem Medizintechnikunternehmen startete Katharina Hain 2007 als Recruiter bei Hays.Katharina Hain_bearbeitet

Hier übernahm sie als Supervisor und schließlich Department Manager die Bereiche Construction & Property sowie Engineering im Rekrutierungsmanagement.

Ende 2014 wechselte sie im Rahmen einer Elternzeitvertretung für ein Jahr zu Hays Kanada, um in Toronto das Rekrutierungsmanagement aufzubauen. Seit Januar 2016 ist Katharina Hain nun zurück in Deutschland und führt ihre Aufgabe als Abteilungsleitung im Ingenieurbereich fort.

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