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Seit meinem letzten Blogpost zum Thema "Innovation und Wachstum" hat sich die Welt ein wenig weitergedreht. Und wie zu erwarten war, hat sich die weltweite Schuldenkrise wieder mit Wucht zurückgemeldet. Überall stellen sich nun Kommentatoren erneut die Frage wann wir, Deutschland wie die Welt, endlich wieder auf einen soliden Wachstumspfad zurückkehren werden. Ein Blick auf Europa zeigt, dass die Länder, die in der Vergangenheit auf die Segnungen einer irgendwie gearteten reinen "Dienstleistungsgesellschaft" gesetzt haben, heute besonders schlecht aussehen. Gleiches gilt für die Staaten, die sich allzu sehr nur auf das Allheilmittel des billigen Zentralbankgeldes verlassen haben. Unterm Strich lässt sich bereits heute sagen, dass Europa 2013 ein weiteres Jahr in der Rezession verbringen wird und dass Deutschland nur sehr, sehr moderat wachsen wird.

Wachstum dank "Made in Germany"

Warum wächst Deutschland, im Gegensatz zum Rest Europas, überhaupt noch? Einer der wichtigsten Gründe dafür ist: Wir stellen Dinge her, die die Welt braucht. Und genau das bewahrt uns (noch) vor dem Schicksal unserer europäischen Nachbarn. Unsere Güter waren im Ausland noch nie billig. Unsere Güter waren aber stets qualitativ hochwertig und innovativ. "Made in Germany" eben. Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir unsere Innovationsfähigkeit aufrechterhalten und sogar noch weiter ausbauen. "Innovation" heißt nicht "Erfindung" ("Invention"). "Innovation" beschreibt die Fähigkeit von Unternehmen oder Branchen, eine technologische Neuerung in Form eines neuen Produktes oder einer neuen Dienstleistung auf den Markt zu bringen. Schnell, hochwertig und profitabel. Innovation ist oft eine Reaktion auf Notlagen, Engpässe und Krisen. Und sie wird getrieben vom engen Zusammenspiel von anspruchsvollen Kunden, starken Wettbewerbern, exzellenten Zulieferern und externen Spezialisten.

Open Innovations

Die Wirkung der externen Spezialisten wird aktuell in der Wissenschaft unter dem Schlagwort "Open Innovations" diskutiert. Der globale Wettbewerb und die Anforderungen der internationalen Kunden fordern immer ausgefeiltere Produkte in immer kürzeren Produktzyklen. Provokant gesagt: Es geht darum, schneller neue Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu werfen, als die Chinesen diese kopieren können. Um dies zu erreichen, müssen Unternehmen zukünftig mehr und schneller externes Know-how internalisieren.

Mein Erfahrungsbericht

Ich selbst habe mehrfach erlebt, wie Unternehmen durch externe Spezialisten innovativer, schneller und global wettbewerbsfähiger geworden sind. Mein Lieblingsbeispiel ist das eines weltweit führenden Medizintechnik-Herstellers, den ich 2004 oder 2005 als Kunden gewonnen habe. Weltweit in seinen Produkten führend, aber mit viel zu hohen Stückkosten. Anfangs lehnte dieses Unternehmen den Einsatz von Externen außerhalb des gewerblichen Bereiches strikt ab. Zu spezialisiert schien damals das geforderte medizintechnische Know-how der Externen. Und bezogen auf die Produkte mag das auch zutreffend gewesen sein. Aber wie sah es bei den internen Produktionsprozessen aus? "Was ist Ihr Gerät denn anderes als ein komplexes Modul aus Aktorik, Sensorik, Pneumatik, Elektronik, Kunststoff und Metall?", fragte ich damals die Produktions- und Entwicklungsleiter. "Produktionstechnisch gesehen ist es doch nichts anders als ein Armaturenbrett, das nebenan bei VDO vom Band läuft!" Offensichtlich hatte ich mit diesem Befund Recht, denn ein Jahr später war ein knappes Dutzend externer Automobilingenieure bei diesem Kunden im Einsatz, die den gesamten Produktionsprozess umkrempelten, von der Lieferantensteuerung bis zur Qualitätssicherung. Mit ihrer Hilfe wurden die Produktionskosten einer neuen Gerätegeneration um einen zweistelligen Prozentsatz gedrückt und die Ramp-up-Zeiten in der Produktion drastisch verkürzt. Ganz nebenbei gewann das Unternehmen für sein neues Produkt einen internationalen Innovationspreis und konnte dadurch seinen F&E-Standort in Deutschland nicht nur halten, sondern sogar ausbauen. Als besonderen Erfolg verbuche ich bis heute, dass in diesem Unternehmen damals Externe erstmals außerhalb der klassischen gewerblichen Zeitarbeit eingesetzt wurden. Das zentrale Argument für sie war nicht mehr "Kosten senken", sondern "Innovationsfähigkeit ausbauen". Das schönste Kompliment war für mich deshalb auch das, was mir die Betriebsratsvorsitzende nach zwei Jahren Zusammenarbeit machte: "Am Anfang dachte ich, dass eure Externen hier unsere Arbeitsplätze vernichten würden. Heute sehe ich, dass unsere Arbeitsplätze so sicher sind wie seit 20 Jahren nicht mehr. Weil wir durch unsere jüngsten Entwicklungen wieder weltweit in der ersten Reihe stehen – unangefochten." Jeder meiner Kollegen bei Hays kennt übrigens zahlreiche weitere Beispiele und Geschichten, wie externe Spezialisten Unternehmen wieder wettbewerbsfähig gemacht haben. Es lohnt sich, diese Geschichten im Wahljahr 2013 zu erzählen. Lesen Sie auch meinen Blogpost: Open Innovations und der entfesselte Expertenmarkt

Kommentare


  1. Sven Becker

    Hallo Herr Haerlin,

    klar wir externen Spezialisten sind für Unternehmen immer gut. Wir gehen eben öfters an Sachen anders ran als die internen. Wir haben eben noch eine andere Sichtweise als die internen. Oft sind die internen Spezialisten schon etwas betriebsblind geworden.

    Bei der EADS mal als Beispiel wird überwiegend auf exerne Spezialisten zurückgegriffen. Da die Projekte dort immer zeitlich begrenzt sind.

    Unternehmen die keinen Unterschied zwischen externen und internen Spezialisten machen wachsen auch. Leider erkennen viele Unternehmen zu spät, dass Hilfe von extern benötigt wird.

    Zum Thema Wahljahr 2013. Ich finde es extrem befremdlich, dass bei der SPD nun Streiks drohen.

    In diesem Sinne ein schönes Wochenende.

    Grüße

    Sven Becker

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    1. Markus HärlinMarkus Härlin

      Hallo Herr Becker,

      besten Dank für Ihr Feedback und dieses exzellente Beispiel!

      Da wir selbst lange Jahre bei der EADS Lieferant und Partner waren weiß ich, dass der A380 ohne das Know-how externer Spezialisten nie entwickelt worden wäre.

      Von daher ein guter ´Proof of Concept´ für die Innovationskraft fester und freier Spezialisten in „Mixed Teams“.

      Beste Grüße,

      Markus Härlin

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  2. Hans Zimmer

    Danke für diesen Artikel!

    Sobald Unternehmen Open Innovation nicht mehr nur als optionalen Mehrwert, sondern wie von Ihnen beschrieben als zwingend für ihre Wettbewerbsfähigkeit begreifen, wird es mehr Nutzer auch auf Geschäftsführungs-Ebene geben, die externes Wissen internalisieren. Gerade gefunden über OpenAlps:

    http://blog.openalps.org/wp-content/uploads/2013/04/Alexander-Trinh-Open-Innovation-engpasskonzentriert-umsetzen.pdf

    Ungewöhnlich, aber scheinbar praxisorientiert erprobt.

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    1. Markus HärlinMarkus Härlin

      Hallo Herr Zimmer,

      besten Dank für Ihr Feedback und die anhängende Studie. Da mir das Thema „Wachstum durch Innovation“ enorm am Herzen liegt, werde ich diese zeitnah „verschlingen“.

      Hays ist ebenfalls an der Erstellung zahlreicher Studien zum Thema „flexible Arbeitswelten“ etc. beteiligt. Näheres finden Sie unter

      http://www.hays.de/aktuelles/arbeitsmarkt.cfm?nid=774d523c-a97d-49b5-b80a-e69741e1cd6a&e=3&linkID=0029c280-dc5c-48ae-91e6-ee7804bcc3b8

      Besten Dank und beste Grüße,

      Markus Härlin

      Antworten
  3. Pingback:Open Innovations und die externen Spezialisten ...

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