Es kommt (leider) immer wieder vor: Wir dachten, wir hätten ein neues Thema, einen personellen Wechsel an alle "Betroffenen" kommuniziert und unserer Kommunikationspflicht Genüge geleistet. Pustekuchen. Zeitversetzt bekommen wir dann mit, dass die Kommunikation doch nicht so gut geflossen ist. Weil wir die Gründe, wieso sich etwas ändert, nach Ansicht Dritter nicht klar genug erklärt haben. Oder weil wird schlicht nicht daran gedacht haben, auch alle indirekt "Betroffenen" ins kommunikative Boot zu holen.

Man kann nie zu viel kommunizieren

Die Quintessenz Tag für Tag: Wir können nie genug kommunizieren, insbesondere nicht, wenn wir eine Führungsrolle einnehmen und unsere Teams zu Recht von uns erwarten, auf dem Laufenden gehalten zu werden. Auch bei Petitessen, die vielleicht in unseren Augen keiner Kommunikation bedürfen. Denn für Dritte mag dies nicht gelten, für diese können vermeintliche Kleinigkeiten wichtig sein. Oder weil sie befürchten, übergangen zu werden, und nicht nachvollziehen können, dass wir nur vergessen haben, Entschlüsse aus einem Meeting weiterzukommunizieren. Dies alles geht zu Lasten der vielbeschworenen Transparenz.

Widerspruch? Klar: Nicht alles kann offen kommuniziert werden und aus eher introvertierten Führungskräften lassen sich keine Entertainer machen. Das stimmt, ist aber beileibe kein Kontrapunkt. Klar kann nicht alles auf dem Marktplatz kommunikativ verhackstückt werden. Das wissen Menschen ohnehin. Aber dann ist es nur recht und fair, dies auch genau zu sagen. Auch etwas nicht zu kommunizieren ist eine kommunikative Aufgabe.

Authentisch bleiben

Der zweite Einwand ist in gewisser Weise heikler. Authentisch bleiben – wobei zu fragen wäre, was dies bedeutet – ist auch in Unternehmen ein sehr kostbares Gut, gerade bei Führungskräften. Ungleich wichtiger als mit antrainierten Verhaltensweisen und Führungsinstrumenten zu hantieren. Wenn Führungskräfte, was oft zutrifft, von der Fachseite kommen und inhaltlich punkten, sollten sie sich treu bleiben. Trotzdem ist ein gutes Maß an Kommunikation für ihr Team lebensnotwendig. Wenn sie dies nicht draufhaben, sollten sie eine Person aus dem Team einbeziehen, die diese Rolle ausübt. In Teams gibt es viele Funktionen und Rollen zu besetzen: je ausfüllender, umso besser.

Und außerdem ist auch die Kommunikatoren-Rolle nur eine unter vielen der Führungskräfte in der überaus komplexen Welt. Nicht alle sind einlösbar. Authentisch sein heißt, die Rollen gut zu spielen, die uns liegen. Und nicht alle einnehmen zu müssen. Weniger ist mehr und wie sagte schon Peter Drucker: Stärken stärken. Gleichwohl ist ohne Kommunikation vieles nichts.

Kommentare


  1. Fachkräftemangel

    Sehr geehrter Herr Schnabel,

    ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass Führen und die entsprechende Kommunikation wohl zu den wichtigsten Eigenschaften eines guten Managers gehören. Dabei sollte aber auch die Authentizität der jeweiligen Person, wie Sie auch festgestellt haben, nicht auf der Strecke bleiben.

    Wirklich guter Blogbeitrag! Bin per Zufall auf diesen Blog gestossen und habe den RSS-Feed gleich mal geadded um auch zukünftig wieder von Ihnen zu lesen!

    Wünsche Ihnen schöne Pfingsttage!

    Antworten

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