©Getty Images 2015

Unabhängig davon, womit Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen: Die vierte industrielle Revolution verändert im Zusammenspiel mit einer zunehmend globalisierten, wettbewerbsorientierten Welt die Arbeitsweisen von uns allen – jetzt und in Zukunft. Wir alle müssen uns im Laufe der nächsten fünf bis zehn Jahre auf noch mehr Veränderungen in unserem Berufsleben einstellen als je zuvor, vor allem im Bereich Kompetenzen.

Den Niedergang des Menschen als Arbeitskraft, den einige eher reißerische Schlagzeilen vorhersagen, sehen wir von Hays allerdings nicht kommen. In gewisser Hinsicht sind wir sogar genau vom Gegenteil überzeugt, da wir vielmehr einen explosionsartigen Anstieg neuer Stellen rund um künstliche Intelligenz (KI) und Daten sowie eine unablässige Nachfrage nach speziellen sozialen Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Kreativität und Teamarbeit wahrnehmen.

Schließlich haben wir noch keinen Algorithmus gesehen, der beispielsweise Humor, Temperament oder Begeisterung so effektiv deuten kann wie ein Mensch.

Allerdings kann es sich niemand leisten, einfach die Hände in den Schoß zu legen. Arbeitgeber müssen ihre Fachkräftebeschaffung zukunftsorientiert gestalten, denn ihre Hauptkonkurrenten werden genau das Gleiche tun. Arbeitnehmer und Jobsuchende müssen alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre künftige Eignung für den Arbeitsmarkt zu sichern. Es ist nie zu früh, um in dieser Hinsicht aktiv zu werden.

Als Hilfestellung für diese Aufgabe habe ich mich kürzlich mit mehreren unserer Berater weltweit unterhalten, um mir einen Eindruck von den Jobs und Kompetenzen zu verschaffen, die unserer Erwartung nach auch im Jahr 2018 und weit darüber hinaus gefragt sein werden. Ich hoffe, dass sich diese Informationen mit Blick auf das kommende Jahr als hilfreich erweisen werden – egal, welche Position Sie beim Einstellungsverfahren einnehmen. Diese Liste ist keinesfalls als erschöpfend zu verstehen, aber sie soll zumindest einige der wichtigsten Trends aufzeigen, die wir weltweit gleichermaßen beobachten.

Eine Zukunft im Zeichen von Jobs im Bereich Datenanalyse und künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist auf dem besten Weg, sich zum Standard zu entwickeln. Angesichts der zunehmenden Zahl an virtuellen Assistenten wie Alexa, Siri und Google Assistant in unseren heimischen vier Wänden, interagieren wir bereits jetzt auf völlig neue Art und Weise mit der Technik. Dadurch wird einer gänzlich neuen Zielgruppe der Zugang zur Technik wesentlich vereinfacht, und es erschließen sich andere Möglichkeiten, bestehende Nutzer einzubeziehen. Unternehmen brauchen KI-Entwickler, die KI-Technologie kundenorientiert einsetzen können, um diesen Trend voranzutreiben.

Inzwischen sind zudem Bewerber aus dem Bereich künstliche Intelligenz sehr gefragt, die sich nicht nur mit den technischen Aspekten künstlicher Intelligenz auskennen, sondern sich auch der damit verbundenen Geschäftsmöglichkeiten bewusst sind. Entwickler mit der Fähigkeit, maßgeschneiderte KI-Anwendungen für Unternehmen zu entwickeln und damit Geschäftsprozesse zu optimieren, werden sich am Markt sehr gut behaupten. Personalverantwortliche und Arbeitnehmer werden händeringend nach solchen Entwicklern suchen – und dieser starke Wettbewerb wird sich auch in ihrem Gehalt widerspiegeln.

Die KI-Maschine wird mit Daten gefüttert, welche die neue Währung von Unternehmen darstellen; laut The Economist überholen sie Öl als wertvollste Ressource der Welt. Es sind digitale Datenberge entstanden, die durch den Aufstieg des Internets der Dinge mit zunehmender Geschwindigkeit wachsen. Daten sind jedoch ohne daraus gewonnene Erkenntnisse wertlos.

Aus diesem Grund können wir weltweit einen deutlichen Anstieg der Stellenangebote für Data Scientists, Data Analysts, Data Artists und Data Visualizer beobachten. Diese Experten setzen die Unternehmensdaten in einen sinnvollen Zusammenhang; sie helfen dabei, Nullen und Einsen in nutzbare Informationen zu verwandeln – unabhängig davon, ob es sich dabei um Veränderungen im Kundenverhalten handelt oder um neue Geschäftsmöglichkeiten, die das menschliche Auge noch nicht erschlossen hat.

Darüber hinaus fördern die großen Datenmengen auch die Nachfrage nach verschiedenen branchenspezifischen Berufsprofilen. Im Marketing werden beispielsweise Experten für Marketing Automation, Performance Marketing, Kundenanalyse und Kundenpflege gesucht, da Unternehmen ihre Kunden auf immer ausgeklügeltere und individuellere Art ansprechen wollen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich diese Positionen auf eine vorherrschende Branche beschränken. Auch im Finanzbereich sowie in der Fertigungs- und Logistikbranche kristallisiert sich die Nachfrage nach Spezialisten für künstliche Intelligenz und Daten heraus, und in letzter Zeit finden sich verstärkt auch Stellenangebote für Data Scientists mit Schwerpunkt im öffentlichen Bereich. Unserer Erwartung nach wird die Funktion des Data Scientist in allen Branchen gegenwärtig sein.

Verlieren Sie „traditionelle“ Funktionen nicht aus den Augen

All dies bedeutet nicht, dass „traditionelle“ Tätigkeiten mit und ohne technischen Bezug künftig weniger geschätzt werden, obwohl bestimmte klassische Stellenprofile zunehmend unter Druck geraten werden. Qualifizierte Software-Entwickler sind äußerst gefragt – insbesondere jene mit Erfahrungen im Bereich der Frontend-Benutzeroberfläche –, denn Unternehmen entwickeln ihre digitalen Angebote stetig weiter, um den sich ändernden Kundenerwartungen Rechnung zu tragen. Java und skalierbare Programmiersprachen werden weiterhin bevorzugt, obwohl trotz der zunehmenden Migration von Altsystemen nach wie vor ein Bedarf an Kenntnissen in C++ besteht.

Vor dem Hintergrund der Vorbereitung auf aufsichtsrechtliche Veränderungen in verschiedenen Branchen und angesichts eines anhaltenden Fokus auf den digitalen Wandel werden unzählige Großprojekte angestoßen. Damit geht eine verstärkte Nachfrage nach Fachkräften für Projekt- und Veränderungsmanagement einher, insbesondere mit Blick auf Projektmanager und Business Analysts.

Zudem beobachten wir in vielen Ländern, einschließlich dem Vereinigten Königreich, eine rege Nachfrage nach teil- und neuqualifizierten Buchhaltern. Wer in diesen Fachbereichen nach Stellen sucht, sollte sich am besten nach Unternehmen im Privatsektor umschauen – insbesondere nach mittleren und großen Unternehmen, die solche Spezialisten suchen, damit diese immer komplexere Datenanalysen durchführen, durch die fundiertere wirtschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden sollen.

Kompetenzen

© Hays 2017

Neue Gesichter in der Führungsriege

Mit dem Aufkommen von künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge werden vermehrt Experten benötigt, die Systeme auf ihre Sicherheit testen, Lösungen für potenzielle Hackerangriffe liefern und technische Entwicklungen verfolgen, um zukunftsorientierte und sichere Systeme zu entwickeln. Infolgedessen beobachten wir eine steigende Nachfrage nach Chief Cyber Security Officers (CCSO), die die Cyber-Sicherheitsstrategie des jeweiligen Unternehmens und die wachsenden Teams aus Ingenieuren überwachen, die diese Strategie umsetzen.

Angesichts des Gerangels der Unternehmen um die Erfüllung der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die ab dem 25. Mai 2018 gilt, spitzt sich auch die Nachfrage nach Erfahrung im Bereich Data Governance zu. Bisherigen Voraussagen zufolge schafft diese Verordnung weltweit eine Nachfrage nach mindestens 75.000 Datenschutzbeauftragten. Für die Datenwissenschaft gehen mit der DSGVO Beschränkungen in der Datenverarbeitung und der Kundenprofilerstellung sowie eine stärkere Verantwortung der Unternehmen mit Blick auf die Speicherung und Verwaltung personenbezogener Daten einher. Es handelt sich um eine bedeutende Rechtsvorschrift, und jede Führungskraft eines Unternehmens muss sich ihrer tiefgreifenden Auswirkungen bewusst sein. Ich bin sehr erstaunt darüber, wie viele Unternehmen gerade erst angefangen haben, sich mit diesem Sachverhalt zu beschäftigen. Diese Unternehmen müssen in nächster Zeit auf einem komplexen neuen Gebiet einiges aufholen, und die Geschäftsleitungen müssen die Lage unter Kontrolle haben.

Die Verwaltung zunehmend komplexerer Kundenkontaktpunkte und Daten hat inzwischen zudem eine neue Ära für jene Mitglieder der Führungsriege eingeleitet, die für die Kundenbetreuung zuständig sind. Meine Kollegen bei Hays haben eine steigende Nachfrage nach Chief Customer Officers (CCO) ermittelt, die dabei helfen, isolierte Strukturen innerhalb der Unternehmen aufzubrechen, die kundenbezogenen Prozesse zu verbessern und in besonders gefragten Bereichen Neuerungen einzuführen.

Ein weiteres neues Gesicht, das Ihnen möglicherweise künftig in der Vorstandsetage begegnen wird, ist jenes eines Chief Automation Officer (CAO), denn Unternehmen erkennen das revolutionäre Potenzial der künstlichen Intelligenz mehr und mehr an, bleiben aber zugleich wachsam hinsichtlich der unerwarteten Auswirkungen, die diese auf ihr Geschäftsmodell haben könnte. Gleichzeitig heizt das erbitterte Wettrennen der Unternehmen rund um Innovationen die Zahl der Chief Innovation Officers an, deren Aufgaben sich auf die Steuerung des Innovationsprozesses sowie des Änderungsmanagements innerhalb eines Unternehmens konzentrieren.

Soziale Kompetenzen in einer von Technik beherrschten Welt

Auch wenn Fachkompetenzen – insbesondere rund um Daten und Technik – äußerst gefragt sind, werden Arbeitgeber sozialen Kompetenzen dennoch weiterhin genauso viel oder gar größere Bedeutung beimessen. Wie ich bereits in einem vorangegangenen Blogeintrag geschildert habe, können die besten Fachkenntnisse und -qualifikationen zwar erlernt werden, aber sie werden Ihnen nur wenig bringen, wenn Sie in Ihrem Unternehmen keine Führungskräfte haben, die wissen, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren können und in der Lage sind, wirkungsvoll mit ihren Teammitgliedern zu kommunizieren und zuzuhören. Den Erfolg sichern sich jene Unternehmen, die es schaffen, die beste Technik und die besten „Fachkompetenzen“ mit Teams in Einklang zu bringen, die über eine Fülle an emotionalen Kompetenzen verfügen.

Genau so handeln wir in unserem eigenen Unternehmen. In meinem letzten Blogeintrag erläuterte ich bereits, dass sich im Personaldienstleistungsbereich ein neues Konzept der „Suche und Kontaktaufnahme“ herausgebildet hat. Dabei werden die bewährten Verfahren der Personalvermittlung und die besten Bewerberbeziehungen mit den heutzutage verfügbaren neuen Methoden aus den Bereichen Technologie und Datenwissenschaft kombiniert. So finden Personalverantwortliche für jede beliebige Stelle die allerbesten Bewerber – unabhängig davon, ob diese aktiv nach einer neuen Stelle suchen oder nicht.

Aus meinen Gesprächen mit unseren Beratern geht deutlich hervor, dass Kreativität, Teamarbeit und menschliche Interpretations- und Kommunikationsfähigkeiten ganz oben auf der Liste der Kompetenzen stehen, auf die Arbeitgeber bei der Bewerberauswahl Wert legen. Bei den begehrtesten Positionen liegt der Schwerpunkt auf der Übertragung des Komplexen in etwas Verständliches – entweder für die Kollegen innerhalb eines Unternehmens oder für die Kunden. Vor diesem Hintergrund stechen jene Bewerber heraus, die nicht nur in der Lage sind, intelligente Problemlösungen zu erarbeiten, sondern die diese Lösungen zudem kreativ verpacken und vermitteln können, wie, wo und warum sie umzusetzen sind.

Nie waren Lerneifer und Bereitschaft zu Veränderungen so wichtig wie in unserer schnelllebigen Welt. Mein Rat für alle Bewerber lautet deshalb wie folgt: Schließen Sie all Ihre Wissenslücken, indem Sie sich stets über aktuelle Trends und Veränderungen informieren, die für Ihren Bereich von Bedeutung sind. Lesen Sie dazu Berichte und Nachrichtenartikel, nehmen Sie an Networking-Veranstaltungen und Seminaren teil und bringen Sie sich in Online-Diskussionen ein. Durch fortwährende Weiterbildung – ob durch formelle Schulungen oder durch Lernen am Arbeitsplatz – tragen Sie dafür Sorge, dass Ihre Kompetenzen stets gefragt bleiben. Selbst all jene mit formellen Qualifikationen sollten immerzu wachsam bleiben – die Halbwertszeit erlernter Kompetenzen beträgt Schätzungen zufolge rund fünf Jahre. Einige der besten Führungskräfte, die ich kenne, sind Vorbilder für lebenslanges Lernen.

Generell wird Anpassungsfähigkeit Bewerbern in Zukunft zugutekommen, denn unsere Arbeitsweisen verändern sich weiterhin. „Portfoliokarrieren“ werden künftig zunehmend das Bild beherrschen, da Arbeitnehmer öfter das Unternehmen wechseln, während Unternehmen verstärkt auf Vertragspartner zurückgreifen müssen, um Kompetenzlücken zu schließen und den digitalen Wandel innerhalb der Unternehmen zu vollziehen. In einer Welt, in der flexible und ortsunabhängige Arbeitsmodelle mehr und mehr zur gängigen Praxis werden, suchen Arbeitgeber in Zukunft nach selbstständigen Bewerbern, die sich auf die jeweilige Tätigkeit konzentrieren und Aufgaben nach Priorität ordnen können. Stellen Sie also sicher, dass Sie diese Eigenschaften bei einem Bewerbungsgespräch unter Beweis stellen können, beziehungsweise dass Sie diese Flexibilität bieten können, wenn Sie die besten Fachkräfte einstellen wollen.

Umwälzungen in der Arbeitswelt erfolgen völlig willkürlich, und wir alle müssen uns die Zeit nehmen, unsere Kompetenzen stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Fürchten Sie diesen Wandel jedoch keinesfalls. Er bringt auch eine Vielzahl neuer Möglichkeiten sowohl für Unternehmen als auch für Bewerber mit sich, und ich bin davon überzeugt, dass der Arbeitsmarkt im Jahr 2018 wesentlich mehr spannende als besorgniserregende Entwicklungen für uns bereithält.

Über unseren Kollegen Alistair Cox

Alistair Cox ist seit September 2007 Vorstandsvorsitzender von Hays plc. Als ausgebildeter Luftfahrtingenieur begann er seine Karriere bei British Aerospace. Von 1983 bis 1988 war er bei dem Erdölunternehmen Schlumberger in unterschiedlichen Positionen im Außendienst und in der Forschung in Europa und Nordamerika tätig. Im Jahr 1991 machte er seinen MBA-Abschluss (Stanford University, Kalifornien) und kehrte nach England zurück, wo er eine Stelle als Berater bei McKinsey & Co annahm. 1994 wechselte er als Group Strategy Director zu Blue Circle Industries und war dort für alle Aspekte der strategischen Planung und für internationale Investitionen des Unternehmens verantwortlich. Nach der Übernahme von Blue Circle durch Lafarge im Jahr 2001 übernahm er auch die Verantwortung für Lafarges Geschäfte in der Region als Regionaler Direktor für Asien. Alistair Cox kehrte 2002 nach England zurück, wo er CEO von Xansa, einem englischen Unternehmen für IT- und Back-Office-Dienstleistungen, wurde.

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