Mannheim, Schloss, Rosengarten, Cafe, Personalwirtschaft, Hays AG, Vortragsredner, Anselm Bilgri am Donnerstag (08.03.2012)
Seit annähernd 1500 Jahren gibt es kirchliche Unternehmen, die nach einem festen Wertesystem geführt werden. Es sind die Klöster, die sich nach der Regel des Benedikt von Nursia organisieren. Basis für das benediktinische Leben und Wirtschaften ist der gemeinsame Geist, der in einem Kloster herrscht. Es wird, wie Unternehmen auch, nur erfolgreich sein, wenn alle Mönche gern bei der Sache sind.

Anregungen aus der Benediktsregel für eine werteorientierte Führungskultur

In Unternehmen spricht man von "spirit" und kreiert dafür gern Leitbilder. Oft sind die aber weit abgehoben vom Arbeitsalltag der Mitarbeiter. Eine wirklich gute geistige Atmosphäre kann nur durch ein gelebtes Verständnis guter Kommunikation geschaffen werden.

Hören, Annehmen, Tun

Benedikt von Nursia setzt schon im Vorfeld der Kommunikation an, nämlich beim Hören. Die allen Benediktinern gemeinsame Grundhaltung ist der Gehorsam. Dieser Begriff wird heute nicht mehr in seiner eigentlichen Bedeutung verstanden. Das Wort besteht aus drei Teilen: die Vorsilbe "Ge-" bezeichnet eine Verallgemeinerung, so mehrere Berge ein Gebirge bilden. Die Nachsilbe "-sam" bedeutet eine Verstärkung, hier ein besonders eifriges Tun. So ist ein sparsamer Mensch eifrig im Sparen oder ein folgsamer eifrig im Folgen. Im Zentrum des Wortes steht das Horchen, das aktive Hören, ein Hörenwollen! Gehorsam bezeichnet also eine gemeinsame Haltung des Eifrigseins im aufmerksamen Hinhören. Wie wichtig Benedikt dieses Horchen auf gemeinsame Ziele ist, die von einer verantwortungsbewussten Führungskraft vorgegeben werden, zeigen die Anfangsverse seiner Regel: "Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters. Neige das Ohr deines Herzens. Nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat." Es ist ein Dreischritt, den Benedikt hier aufzeigt: Hören, Annehmen, Tun. Das eigentliche Geschehen spielt sich im Herzen ab, im Akt der Annahme. Dieses Annehmen ist aber nur möglich, wenn zwischen dem, der führt, und den von ihm Geführten ein grundsätzliches Vertrauen herrscht. Der Abt soll immer daran denken, wie er genannt wird: das latinisierte aramäische "abbas" übersetzt er im Prolog der Regula selbst mit dem Ausdruck "gütiger Vater". Er muss also selbst auch im Hinhören vorbildlich sein. Die Bereitschaft dazu umfasst auch eine Haltung des sich füreinander Öffnens, damit gemeinsam etwas Neues entstehen kann. In der Hektik des Alltags geschieht es zu oft, dass wir nur noch uns selbst sehen (und hören) und bildlich gesprochen die Fensterläden schließen. Dies führt meist zu Missverständnissen, Egoismen und vorschnellen Urteilen. Und dann ist der "spirit" in Unternehmen rasch ganz schlecht.

Über den Gastautor Anselm Bilgri

Anselm Bilgri ist erfolgreicher Redner, Dozent und Buchautor. Der Fokus des ehemaligen Benediktinermönchs gilt dem Brückenschlag von der Philosophie und Religion zur Wirtschaft und Gesellschaft. Im Rahmen des Hays-Forums 2012 gibt er Antworten, die sich an konkreten, aus der Benediktsregel abgeleiteten, Handlungsanweisungen orientieren. Blog-Autor Carlos Frischmuth war beim Hays-Forum anwesend und hat selbst in einem Blogpost Anselm Bilgri und die Benediktsregel – Kommentar zum Hays-Forum seine Eindrücke geschildert.

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