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„Ich dachte, wir wären weiter.“ Dieses Statement von Sascha Lobo hat meine Sicht auf den Stand der Digitalisierung und der digitalen Transformation nachhaltig beeinflusst. Und das nicht nur bezogen auf die re:publica und ihre Sessions.

„Ich dachte, wir wären weiter“

Eigentlich ein Unding, dass wir im Jahr 2017 über Diskussionskultur, die Auswirkungen von Technologie auf die Arbeitswelt und nicht zuletzt über den Gesetzgeber debattieren müssen. Auch ich hatte das Gefühl, „wir wären weiter“!

Mit der Erkenntnis, dass wir im digitalen Zeitalter alle Sender sind, ist es vollkommen richtig, dass Gunter Dueck eine „ISR“ (Individual Social Responsibility) von der Netzgemeinde einfordert. Lobo hingegen erfuhr auf seinen Ausflügen in die trüben Untiefen des Webs – aus meiner Sicht – eine Art von Erweckung (nicht immer gleich „draufhauen“, wenn man unterschiedliche Standpunkte vertritt, sondern auch mal zuhören und Motive hinterfragen). So scheint es, dass er ein mächtiges und offensichtliches Werkzeug gegen den Hass im Netz gefunden hat. Ich begrüße diese Entwicklung bzw. Erkenntnis.

Auf der anderen Seite beklagt Dueck eine phatische, also inhaltsleere Kommunikation, die sinnbefreit nach Aufmerksamkeit giert. So weist er auch auf einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel innerhalb der Arbeitswelt hin: Wer nicht sichtbar ist, dem werden zukünftig auch Karriereperspektiven verwehrt.

re:publica 2017

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Disrupting Organizations: von Blockchains und DAOs

Neben dem Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft wurden schwerpunktmäßig auch technologische Aspekte diskutiert und vorgestellt. Höchst interessante Einblicke in die Welt der Blockchain abseits von Bitcoins gewährte die Wiener Informatikerin Shermin Voshmgir.

Voshmgir stellte das Konzept der sogenannten DAOs (dezentralen autonomen Organisationen) vor. Während „normale“ Organisationen Eigentümer, Mitarbeiter und Kunden mit verschiedenen Rollen und Verantwortlichkeiten haben, werden diese in einer dezentralen Organisation bereits im Code abgebildet und in der Blockchain gespeichert. Ein weiterer revolutionärer Ansatz, der die Ökonomie radikal verändern könnte. Gesellschaftlich, so Voshmgir, haben wir uns noch nicht mit der Idee arrangiert. Ein klarer Social Gap.

Arbeiten wir bald alle in der Cloud?

Neben diesem Ausblick auf eine „Matrix“-artige Ökonomie wurde dann auch über gegenwärtige Arbeitsformen diskutiert. Geschäftsmodelle, die auf Plattformen basieren, wachsen auch in Deutschland rasant. Die Idee, Arbeitsschritte, Aufgaben oder Projekte automatisiert in kleine Packages zu schnüren und kleinstteilig von der Crowd verarbeiten zu lassen, schafft nicht nur ein attraktives Umfeld für Gründer und Start-ups.

Es besteht Anlass zur Sorge, dass hier prekäre Arbeitsbedingungen für die Millennials geschaffen werden. Die Erwartung ist, dass die Plattformökonomie mit zunehmender Reife auch klassische White-Collar-Arbeit im großen Stil in die Wolke verlagern wird. Das technologische Verständnis und die Möglichkeit, auch traditionelle Arbeitsschritte zu zerlegen, werden zunehmen und einen weiteren Einfluss auf die Arbeitswelt der Zukunft haben.

Fazit zur re:publica 2017

Die drei Tage auf der re:publica 2017 waren viel zu schnell vorbei und der Platz an dieser Stelle ist leider zu limitiert, um alle Impressionen detailliert wiederzugeben. Mein persönliches Highlight waren die Gespräche abseits der Panels. Neue Bekanntschaften wurden geschlossen, alte erneuert. Ganz klassisch analog. Ich bin froh, dass wir hier noch nicht „weiter“ sind.

Wie immer freue ich mich über Ihre Gedanken und einen Austausch zum Thema.

re:publica 2017

©Hays 2017

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