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Das größte Kapital unserer künftigen Arbeitswelt werden nicht die Maschinen oder die Technologie sein, sondern die Menschen. Noch ein bisschen genauer gesagt: ihr Humankapital. Hierbei lautet die Kernherausforderung: Welche Kompetenzen benötigen Fachkräfte für die digitale Arbeitswelt von morgen? Ist lebenslanges Lernen der Schlüssel?

Lebenslanges Lernen – Status quo

Zuerst einmal müssen wir uns eingestehen, dass das Konzept lebenslanges Lernen mehr Fiktion als Realität ist. Hierzulande herrscht immer noch der Glaube, dass man nach einem Studium oder einer Ausbildung „ausgelernt“ hat. In einer digitalen Arbeitswelt ist das mitnichten der Fall.

Die Anforderungen an die Arbeitskräfte ändern sich aufgrund des technologischen Wandels ständig. Durch technische Innovationen und Systeme werden das agile Arbeiten und der Umgang mit Komplexität immer wichtiger. Außerdem erfordern neue Software-Anwendungen ein gewisses Know-how seitens der Arbeitskräfte.

Diese Entwicklung muss dazu führen, dass Weiterbildung ein fester Bestandteil jeder Erwerbsbiografie wird. Wie lautet die Alternative? Die Antwort darauf ist kurz: Arbeitslosigkeit. Wer sich nicht den Anforderungen einer digitalen Arbeitswelt stellt, wird auf der Strecke bleiben.

Jeder muss von Weiterbildung profitieren können

Weiterbildung soll davor schützen, arbeitslos zu werden. Sie soll für die arbeitenden Menschen auch als Chance für den beruflichen Aufstieg dienen. Und genau in diesem Punkt herrscht im Moment noch eine Ungleichheit zwischen verschiedenen Gruppen auf dem Arbeitsmarkt.

Bisher nehmen in Deutschland vermehrt Höherqualifizierte Weiterbildung in Anspruch. Warum ist das so? Eine Erklärung ist: weil sie sich lebenslanges Lernen leisten können. Genau an dieser Stelle kann und muss der Staat handeln.

Weiterbildung darf in Zukunft nicht nur ein Privileg der Höherqualifizierten sein, und deshalb muss der Staat Anreizsysteme für geringer qualifizierte Arbeitskräfte schaffen. Diese Anreizsysteme sollen Weiterbildung und ein lebenslanges Lernen unter dem Motto „Fördern und fordern“ attraktiver machen.

Digitalisierung beginnt schon in der Schule

Einige Leser werden sich fragen: Und wo bleibt das ganze Thema Bildung? Das gehört natürlich auch zum Thema des lebenslangen Lernens dazu. Schon in der Schule müssen die Schüler „anders“ auf ihr zukünftiges Berufsleben vorbereitet werden.

Natürlich gehören Geschichte, Deutsch und Physik immer noch zu den Standardfächern. Sie müssen jedoch um Fächer wie „Programmierung“ und „Umgang mit sozialen Medien“ ergänzt werden. Nur auf diesem Wege lernen die Schüler auch die Fertigkeiten, die sie in einer digitalen Gesellschaft benötigen. Länder wie Estland sind uns bei diesem Thema weit voraus.

Universitäten müssen digitaler werden

Aber auch an den Universitäten muss sich in Deutschland einiges ändern. Das Thema Digitalisierung wird dort noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Dies gilt unter anderem für die Lehrmethoden.

Ein Treiber in diesem Bereich ist das Thema E-Learning. Mehr und mehr Universitäten in Europa erkennen die Notwendigkeit, E-Learning zu einem festen Bestandteil ihrer Lehre zu machen. Universitäten hierzulande müssen deshalb nachziehen. Aber auch die Lerninhalte müssen genauer unter die Lupe genommen werden.

Es geht konkret darum, dass in Zukunft ein größerer Fokus auf jene „Skills“ gelegt wird, die am Arbeitsmarkt gefragt sind. Darüber hinaus müssen Universitäten ihr „Geschäftsmodell“ überdenken und fachspezifische Angebote im Bereich der akademischen Weiterbildung entwickeln. Es ist eine Chance für die traditionellen Universitäten, ihr Angebot zu erweitern und damit weiterhin zentrale Bildungsinstitutionen in einer digitalen Gesellschaft zu bleiben.

Lebenslanges Lernen

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Wandel der Berufsbilder ist nicht aufzuhalten

Zu guter Letzt dürfen wir aber nicht die Berufsausbildung vergessen. Sie ist ein essentieller Bestandteil unseres Bildungssystems. Und auch hier müssen Lehrmethoden und Lehrinhalte dringend an die Bedarfe einer digitalen Arbeitswelt angepasst werden.

Schon heute verändert die Digitalisierung bestimme Berufsbilder. So sind IT-Anwendungen bei der Arbeit von Mechatronikern und Elektrikern kaum mehr wegzudenken. Darüber hinaus müssen digitale Medien in den Berufsschulen und Betrieben flächendeckend eingesetzt werden.

Digitalisierung kann zu sozialem Aufstieg beitragen

Wenn wir die beschriebenen Herausforderungen in Angriff nehmen, können die Menschen in Deutschland in jeder Phase ihres Lebens den Anforderungen einer digitalen Arbeitswelt gerecht werden. Außerdem wird die Digitalisierung dann auch zu einer Chance, bestehende Ungleichheiten zu verringern.

Eine bessere Verfügbarkeit von (Weiter-)Bildungsangeboten, kombiniert mit Anreizsystemen, kann den sozialen Aufstieg befördern. Geringer Qualifizierte können den Sprung zur Fachkraft schaffen und gleichzeitig eine höhere Arbeitsplatzsicherheit genießen.

Über den Gastautor Adrian Sonder

Adrian Sonder ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Er verfasst regelmäßig Beiträge auf Huffington Post und anderen Blogs – speziell zu arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Themen.

Er interessiert sich hierbei insbesondere für die Digitalisierung der Arbeitswelt sowie die Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit.

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