Vor kurzem fand ich mich nach einem Vortrag im Rahmen des Hays-Forums in Berlin in einer spannenden Diskussion wieder. Ich hatte – zugegebenermaßen etwas salopp und vorschnell – gemeint, dass viele Bachelor-Absolventen erst einmal ihren Platz in Unternehmen finden müssten, und dies würde dauern. Denn mit Anfang 20 fehle vielen noch die Erfahrung, als dass sie gleich hohe Verantwortung übernehmen könnten. Wenn Sie so wollen, die durchaus üblichen Klischees. :-)

Zu Recht bekam ich für diese Haltung Widerspruch, übrigens nicht nur von einer Seite. Mit dieser Haltung würde ich nicht nur den Bachelor-Studenten nicht gerecht werden, sondern zudem das Pferd am Schwanz aufzäumen. Vielmehr ständen die Unternehmen selbst in der Pflicht, Bachelor-Absolventen an die Hand zu nehmen und alles dafür zu tun, dass sie ihren Weg in Unternehmen finden. Also keine Larmoyanz, sondern Handeln!

Die Krux mit dem Bachelor

Ich finde, da ist einiges dran. Bekanntlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Sicherlich – und dazu stehe ich – ist die Frage berechtigt, ob das Bachelor-Studium, das in meinen Augen eher die Schulzeit verlängert, in dieser konkreten Ausformung nicht einige Defizite aufweist. Dabei geht es mir gar nicht um das alte humboldtsche Bildungsideal, vielmehr wird so das Lernen an Hochschulen – etwas verkürzt gesprochen – mehr und mehr auf Pauken reduziert. Ob auf diese Weise Kompetenzen unterstützt werden, die in der globalisierten Wirtschaft gefragt sind, lassen wir einmal dahingestellt.

Umso mehr stehen Unternehmen in der Verantwortung, alles zu tun, um Hochschulabsolventen Brücken von der Welt der Lehre in die Arbeitswelt zu bauen. Allein aus purem Eigeninteresse! Mit Mentoren-Programmen, individueller Förderung, Schulungen und …

Karriere früh starten

Auf einem anderen Blatt steht das Thema Karriere. Wenn Menschen nach ihrem Bachelorstudium mit Anfang 20 in die Berufswelt einsteigen, sind sie binnen gut zehn Jahren auf ihrem Zenit angekommen. Mit Mitte/Ende 30, also zu einem Zeitpunkt, in dem ihnen noch 30 Jahre Arbeitswelt bevorstehen, ehe sie in den verdienten Ruhestand abdanken. Schwer vorstellbar, oder?

Vielleicht werden daher die Bachelor-Absolventen genau das realisieren, was viele Personaler schon seit Jahren predigen: Sie werden keine stromlinienförmigen Karrieren mehr hinlegen, sondern sich ständig neu erfinden und dabei Brüche und Quereinstiege in Kauf nehmen. In jedem Fall aber eines ganz bestimmt: lebenslanges Lernen mit regelmäßigen Lernvisiten an Hochschulen oder vergleichbaren Einrichtungen. Dann würden die Generation Y und die Generation X bis zum Ende ihrer Arbeitszeit wesentlich mehr Zeit an der Hochschule verbracht haben als die Babyboomer oder die Golfer. Das dürfte für alle tröstlich sein.

Kommentare


  1. Valentin Seehausen

    Ich stimme ihrem Fazit zu. Das Neuerfinden und Orientieren findet nun nicht mehr in der Studiumphase statt, auch nicht mehr im Zivil oder Wehrdienst. Nach der linearen Ausbildung zu Leistungsträgern durch Abitur und Bachelor werden viele junge Kollegen auf der Höhe ihres Zenits mit Mitte Dreißig (gewagte These) plötzlich in ganz andere Richtungen schauen. Worklife-Balance und Familienplanung, längere Auslandsaufenthalte und auch komplette Richtungswechsel werden eine wichtige Rolle spielen und auch das Arbeitsfeld von morgen prägen. Das ist auch gut so, denn auf diese Art und Weise werden wichtige Fragen, die sich die Menschheit stellen muss (Wie wirtschaften wir, womit verbringen wir unsere Zeit) dezentral von den einzelnen Persönlichkeiten beantwortet werden.

    Schön, dass Sie und Ihr Unternehmen dies erkannt haben!

    MfG
    Valentin Seehausen

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    1. Frank SchabelFrank Schabel

      Danke, Herr Seehausen. Und Ihren „philosophischen“ Aussagen kann ich nur zustimmen. Auf einem anderen Blatt steht, was dies für Unternehmen bedeutet – es fließt ja dann Know-how ab bzw. wird nicht mehr direkt produktiv eingebunden, wenn sich Menschen in anderen berufliche oder private Richtungen begeben. Und um ihnen diese Flexibilität zu bieten, müssen sie noch an einigen Rädern, erst recht den kulturellen, drehen.
      Gruß
      Frank Schabel

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  2. Eckhard Müller

    Hallo Herr Schabel,
    bildet HAYS selbst eigentlich auch aus? Da ich HAYS als Businesspartner sehr schätze, könnte ich mir für einen meiner Söhne ein duales Studium bei euch ganz gut vorstellen.
    Ein frohes Osterfest wünscht Ihnen und Ihrer Familie
    Eckhard Müller

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  3. Frank SchabelFrank Schabel

    Guten Morgen, Herr Müller.

    Wir bilden Auszubildende als Personadienstleistungskaufleute aus – seit einigen Jahren. Duales Studium bieten wir Stand heute noch nicht an. Ansonsten bieten wir natürlich studienbegleitende Praktika an sowie die Möglichkeit, in Kooperation mit uns eine Bachelorarbeit oder Masterthesis zu schreiben.
    Gruß
    Frank Schabel

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