Es zieht sich wie ein roter Faden durch unseren aktuellen HR-Report: Die HR-Führungskräfte betrachten die großen gesellschaftlichen Trends ungleich aufmerksamer als die Manager aus den Fachbereichen und die Topführungskräfte. Egal, wo wir hinschauen: Sowohl bei der Gender-Thematik als auch beim demografischen Wandel und der Work-Life-Balance werten sie deren Bedeutungen für ihr Unternehmen höher.

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Was die Gründe für diese unterschiedlichen Wahrnehmungen sind, lässt sich gar nicht so einfach sagen. Aber natürlich hätten wir einige Erklärungsmuster anzubieten. Eine wäre, dass der HR-Bereich den weichen gesellschaftlichen Themen gegenüber meist aufgeschlossener ist, dass er sich als Anwalt "menschlicher" Belange betrachtet. Vielleicht schlagen sich die großen gesellschaftlichen Themen auf der Fachebene aber noch gar nicht so manifest auf deren Wirklichkeit durch – zumindest in der Wahrnehmung der Manager in den Fachbereichen.

Wie diese unterschiedlichen Auffassungen entstehen, ist ebenfalls schwierig zu klären. Sind die HR-Manager zu sensibel? Lassen sie sich stärker von gesellschaftlichen Diskussionen beeinflussen, die in Unternehmen jedoch noch gar nicht im Alltag angekommen sind? Oder fehlt den Fachbereichen ein tieferes Verständnis dafür, wie sich diese großen Themen auf die Arbeitswelt – zumindest in der nahen Zukunft – niederschlagen werden.

Kommunikative Hürden

Meist liegt die Wirklichkeit in der Mitte, doch zeigt die unterschiedliche Wahrnehmung meiner Meinung Folgendes auf: HR-Verantwortliche, die sich mehr und mehr als Business Partner im Unternehmen definieren, haben bei Top- und Fachbereichsmanagern für die von ihnen erkannten Themen zu kämpfen. Noch scheint es so, als gäbe es nach wie vor kommunikative Hürden zwischen den "guten" Menschen aus dem HR-Bereich und den "schnöden" Managern des operativen Geschäfts.

Wenn Unternehmen aber eine Work-Life-Balance ermöglichen, wenn sie weiter ihre Arbeitswelt für beide Seiten zuträglich flexibilisieren und Frauen stärker fördern wollen, genügen gutgemeinte und fundierte Konzepte aus dem HR-Bereich nicht. Vielmehr gilt es, diese Ansätze im Dialog mit den Akteuren, die sie tagtäglich vor Ort im operativen Geschäft umsetzen und leben müssen, zu klären, Standpunkte auszuloten, zu vermitteln und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Hier – so zeigt der HR-Report an einigen Stellen auf – gibt es noch einiges zu tun. Was meinen Sie?

Lesen Sie auch meine Blogposts zu den anderen HR-Reports Frauenförderung – Nach wie vor stiefmütterliches Dasein und Führung bleibt wichtig

Über den Autor Frank Schabel

Der Geisteswissenschaftler Frank Schabel hatte jahrelang Führungsrollen, vor allem in der IT-Industrie im Bereich Marketing/Corporate Communications, inne. Frühere Stationen waren unter anderem SAP und CSC Ploenzke. Von 2006-2020 war er Head of Marketing/Corporate Communications bei der Hays AG und ist aktuell als Managementberater & Interimsmanager sowie Autor von Fachbeiträgen aktiv.

LinkedIn-Profil: Frank Schabel

Website: https://www.frankschabel.de/

 

Kommentare


  1. Silke Loers

    Für mich ist das eine Sache der Kommunikation der Fachbereiche untereinander. Der HR-Bereich beschäftigt sich intensiv mit den Themen, wie z.B. Demographie u.ä., weil es der Job beinhaltet.
    Es wäre wichtig, die Fachbereiche regelmäßig mit ins Boot zu holen und dass nicht nur durch Vortragen von Konzepten sondern durch intensiven Austausch.
    Eine offene Unternehmenskultur, die geprägt ist vom miteinander und wo Werte eine Rolle spielen, bringen auch ein Zusammenspiel der einzelnen Fachbereiche und jeder ist interessiert den anderen mit seiner Arbeit zu unterstützen und nicht gegeneinander zu arbeiten.
    Also ran an die Unternehmenskultur!
    Viele Grüße
    Silke Loers

    Antworten
  2. Frank SchabelFrank Schabel

    Kann ich Ihnen nur beipflichten, Frau Loers. Auch wenn sie ein sehr sensibles, schwer steuerbares und unberechenbares Wesen ist, die Unternehmenskultur. Nur sie trägt Veränderungen substanziell.
    Gruß
    Frank Schabel

    Antworten
  3. Sven Becker

    Die Kommunikation zwischen HR und dem Fachbereich ist oft miserabel. Gerade im IT-Bereich sieht man dies oft.

    Schon bedenklich, dass man als externer Prozessmanager eine externe Stellenausschreibung verfassen muss. Und dies bei einem der größten deutschen Unternehmen.

    Der Fachbereich traute in dem Fall HR überhaupt nicht. Die von HR vorgeschlagenen Kandidaten passten überhaupt nicht auf die Vakanz.

    Antworten
    1. Frank SchabelFrank Schabel

      Hallo Herr Becker,
      ich denke, eine intensive Kommunikation macht schon viel aus, auch und gerade in dem Thema, das Sie genannt haben. HR hat sicherlich ein Augenmerk darauf, was in Sachen ‚allgemeine‘ Anforderungen an mögliche neue Mitarbeiter in Bezug auf die Unternehmenspolitik und das Employer Branding passt. Sie haben die Fachkompetenz und ein gemeinsames und hoffentlich höheres Drittes entsteht nur über einen konstruktiven Austausch. Sonst wären ja auch noch wir da 🙂
      Gruß
      Frank Schabel

      Antworten
  4. Sven Becker

    Hallo Herr Schabel,

    eine intensive Kommunikation zwischen Fachbereich und HR ist wichtig und macht viel aus.

    Hier sollte auch mal wieder mehr die direkte und persönliche Kommunikation gewählt werden. Vis a vis können beide Bereiche hier mehr erreichen.

    Der Fachbereich muss seine Anforderungen präzise und verständlich definieren. Diese dann natürlich auch dementsprechend an HR vermitteln.

    Vorstellungsgespräche sollten immer zusammen mit HR und dem Fachbereich erfolgen.

    Den heutigen Usability Test von Hays.de kann man mal als gutes Beispiel für eine gute Kommunikation nennen.

    Gruß

    Sven Becker

    Antworten
    1. Frank SchabelFrank Schabel

      kann ich nur zustimmen: weniger elektronisch, mehr persönlich. Erst recht im Social-Media-Zeitalter :). Danke für das Feedback in Sachen Usability-Test. Wir sind bemüht, die Bedürfnisse unserer Zielgruppen noch viel stärker aufzugreifen und in einen kontinuierlichen Austausch zu treten. Schön gesagt und hoffentlich gelingt uns dies entsprechend.
      Gruß
      Frank Schabel

      Antworten

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