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Die Arbeit in einem globalen Markt bringt Menschen dazu, ihre Grenzen zu überdenken und den eigenen Horizont zu erweitern. Digitale Technologien erleichtern die zwischenmenschliche Kommunikation, die nicht länger durch Distanz eingeschränkt ist. Aber wenn die Mitarbeiter bereits mobil sind und in einer Welt arbeiten, die von WhatsApp und Skype geprägt sind, ist es dann noch notwendig, das persönliche Gespräch im Arbeitsalltag zu fördern? Meiner Erfahrung nach ja. Persönliche Gespräche bringen nämlich einen enormen Mehrwert mit sich. Das persönliche Miteinander ist der "Klebstoff", der ein Unternehmen zusammenhält und meiner Meinung nach ist es immer noch der beste Weg Verbundenheit zwischen Kollegen aufzubauen, die wiederum für eine reibungslose Zusammenarbeit nötig ist.

Jeder profitiert von persönlicher Kommunikation

Es gibt keinen Zweifel daran, dass Kommunikation über Technologien enorme Vorteile hat, aber persönliche Interaktion geht weit darüber hinaus. Man kann auf verschiedene Arten mobil sein, bei Besuchen und Platzwechsel innerhalb des Büros oder des Bereichs oder bei einem nationalen oder internationalen Einsatz. In jedem Fall aber kann man von der persönlichen Vernetzung viel mitnehmen:
  • Stärkere Arbeitsbeziehungen: Wie viele von uns arbeiten bereits seit Jahren mit Kollegen aus verschiedenen Ländern zusammen, haben diese aber nie zu Gesicht bekommen oder mal richtig Zeit mit ihnen verbracht? Persönliche Treffen sind der beste Weg, um herauszufinden wie jemand arbeitet und tickt. Auf diese Weise lässt sich die Produktivität der Zusammenarbeit steigern.
  • Vernetztes Denken: Indem man seine Team-Mitglieder motiviert, Erfahrungen in anderen Abteilungen des Unternehmens zu machen, wird die Zusammenarbeit mit und die Wertschätzung von anderen Teams, Abteilungen, deren Aufgaben und Herausforderungen gefördert. Je mehr man über die Vorgänge innerhalb eines Unternehmens weiß, desto besser werden die Ergebnisse.
  • Bessere Auswahl neuer Führungskräfte: Bundesweite und internationale Einsätze und Jobs ermöglichen Mitarbeitern mit Führungspotential sich weiterentwickeln. Man holt sie aus ihrer Komfortzone heraus und kann sehen, wie sie nach einem Sprung ins kalte Wasser zurechtkommen. Ich habe bisher nichts gefunden, das mit dieser Erfahrung vergleichbar wäre.
  • Raum für innovative Ideen: Durch den Wissenstransfer und das Erlernen neuer Arbeitswege im persönlichen Austausch entsteht neuer Raum für innovative Ideen. Am produktivsten bin ich in einem Raum mit einer Gruppe, die sich gemeinsam Gedanken zu einem Problem machen und an einer Lösung arbeiten.
  • Stärkere Mitarbeiterbindung: Durch diese Mobilität oder auch durch Einsätze bei Kunden werden die talentierten und leistungsstarken Mitarbeiter gefördert und an das Unternehmen gebunden. Vielleicht ist es genau das, was einige davon abhält zur Konkurrenz zu wechseln. Viele wünschen sich Abwechslung durch Business Trips und kehren mit Enthusiasmus und neu erlernten Kompetenzen zurück.
  • Ein Vertrauensbeweis: Mobilität steht für Vertrauen. Man vermittelt den Mitarbeitern, dass man ihnen zutraut, diese Zeit optimal zu nutzen und produktiv zu sein. Man investiert in sie und im Gegenzug erwartet man, dass sich diese Investition bezahlt macht.

Aber es gibt auch Herausforderungen

Trotz aller eindeutigen Vorteile, die es hat, talentierte Mitarbeiter zu "mobilisieren", gibt es auch die ein oder andere Herausforderung:
  • Kosten und Wahrnehmung: Mitarbeiter auf Reisen zu schicken kostet Geld und manche Kollegen werden vielleicht die Stirn runzeln. Einige werden sich fragen, ob der abwesende Kollege überhaupt seine Hauptaufgaben erfüllen kann, wenn er doch woanders in einer Besprechung sitzt. Immerhin gibt es ja die modernen Technologien dafür, dass man mit Kollegen und Kunden am anderen Ende der Welt enger in Kontakt stehen kann als vorher und das ohne seinen Schreibtisch zu verlassen. Warum also muss man sie besuchen? Ich habe in meinem Berufsleben schon häufig diesen "Industrietourismus" erlebt, den man aber vermeiden kann, indem man sich im Voraus auf einen klaren Ablauf einigt und sich strikt daran hält.
  • Bei den anderen ist es immer besser: Seine Leistungsträger zu mehr Mobilität zu ermutigen kann dazu führen, dass man sie ganz verliert. Die Reisen zu verschiedenen Orten und Büros, das Kennenlernen vieler Leute und die vielen neuen Erfahrungen werden ihnen die Augen öffnen. Ihre Mitarbeiter fragen sich vielleicht: Ist es bei den anderen besser?
  • Kann man die Kontrolle verlieren? Ja, das kann man, wenn man nicht vorsichtig ist. Mitarbeiter müssen verstehen, dass man in sie investiert, weil man sich davon einen Mehrwert verspricht. Es muss klar sein, dass im Gegenzug zum entgegengebrachten Vertrauen etwas erwartet wird. Gewonnene Erkenntnisse und erreichte Ziele sollten mitgeteilt und weitergegeben werden. Ohne einen Nutzen sollte eine weitere Investitionen überdacht werden. Sie sollten eine Unternehmenskultur etablieren, in der die Mitarbeiter erkennen, dass sie Botschafter ihrer Aufgaben und ihres Themenbereiches sind. Daher ist es entscheidend, dass sie mit dieser repräsentativen Verantwortung gut umgehen.
Zu guter Letzt geht es um Ausgewogenheit: Die Bedürfnisse jedes einzelnen Teammitglieds sollten von Fall zu Fall betrachtet werden. In vielen Fällen erfüllen digitale Technologien ihren Zweck, manchmal muss man seine Mitarbeiter nur dazu motivieren, weniger E-Mails zu schreiben und einfach den Telefonhörer in die Hand zu nehmen oder kurz über den Flur zu laufen. Aber so wie ich es sehe, sollte man als Führungskraft niemals unterschätzen, wie wichtig echte Unterhaltungen in Echtzeit und in echten Räumen, für Mitarbeiter und das gesamte Unternehmen sind.

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