Rechtliche Bedenken, befürchtete Zusatzkosten und die latente Angst vor einem möglichen "Shitstorm", einem virtuellen Bürgerprotest, sind die häufigsten Einwände kommunaler Bedenkenträger gegen ein Engagement auf sozialen Plattformen wie Facebook. Diese Beobachtung habe ich in meinem letzten Beitrag  geschildert. Wo liegen für lokale Entscheider jedoch die Möglichkeiten einer Präsenz im Web 2.0? "Was bringt mir das Ganze?" Auf diese Frage antworte ich gerne: "Ihre Gemeinde wird aufgewertet und Sie erhöhen Ihre Chancen, wiedergewählt zu werden." Dass dies so ist, liegt an drei aktuellen Metatrends:

Der erste Megatrend

Der erste Metatrend liegt in der globalen Schuldenkrise und ihrer Auswirkung auf Europa. Aktuell lässt sich beobachten, dass mehr und mehr Kompetenzen des Bundes ins europäische Brüssel wandern. Die "Verwaltungseinheit" Bund wird dadurch nachhaltig geschwächt, und das zukünftige "Europa" wird für den Bürger noch ferner liegen als das heutige "Berlin". Eine logische Folge dieser Entwicklung könnte deshalb ein Europa der starken Regionen sein. Hierin werden Kommunen eine weitaus wichtigere Rolle spielen als heute.

Der zweite Megatrend

Zum anderen, und das ist der zweite Metatrend, wächst seit Jahren der Druck der Servicegesellschaft auf die öffentlichen Verwaltungen. Früher war der Behördengang für den Bürger meist ein hierarchischer Akt, der häufig auch mit Bußgeldern, Steuerbescheiden und anderen Ärgernissen verbunden schien – Service stand hier nicht im Vordergrund. Heute hingegen erwartet der Bürger auch von der Behörde mehr und mehr die Dienstleistungsmentalität, die er bereits seit langem aus der Privatwirtschaft kennt. Die Erwartungshaltung des Bürgers speist sich daher sozusagen aus seiner Erfahrung als Konsument.

Der dritte Megatrend

Der dritte Metatrend liegt in der aufkommenden Informationsgesellschaft begründet. Diese nimmt die Errungenschaften der Servicegesellschaft als selbstverständlich an, geht jedoch noch einen Schritt weiter: Sie fordert politische Partizipation in "Realtime". Aufgrund der Komplexität und Ferne der großen Themen wie der Schuldenkrise oder der Energiewende entlädt sich dieses Bedürfnis mehr und mehr im lokalen Umfeld. Sie wollen hierfür Belege? Ein virtuell koordinierter Aufmarsch gegen lokale Themen wie Stuttgart 21 oder die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen zieht nachhaltig mehr direkt Betroffene an als ein "Occupy-Blockupy-Frankfurt-Flashmob" gegen die gefühlten Akteure einer abstrakten Schuldenkrise. Die drei skizzierten Trends stellen die Kommune als (Verwaltungs-)Einheit künftig noch stärker in den Fokus und konfrontieren sie mit neuen Herausforderungen. Die Bürger erhalten immer bessere Vergleichsmöglichkeiten der Leistungen unterschiedlicher kommunaler Verwaltungen und werden den jeweils besten Service auch von ihrer Gemeinde politisch einfordern – so beginnt ein kommunales Benchmarking. Die serviceorientierte Effizienz der kommunalen Behörden sowie die erhöhte Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung bei lokalen Belangen werden dabei zu wichtigen Kriterien der Leistungsbeurteilung von Kommunen durch deren Bürger.

Handlungsbedarf ist da

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes forsa in Kooperation mit dem Unternehmen SAS sind aktuell nur 29 Prozent aller Bürger mit den Kommunikationsmöglichkeiten zufrieden, die ihnen ihre Kommune bietet. 71 Prozent sind das nicht. Diese Zahlen signalisieren also bereits heute einen konkreten Handlungsbedarf in Sachen Bürgernähe. Social Media ist dabei eine mögliche Antwort, allein schon, um das bürgernahe Grundrauschen zu kanalisieren. Wie aber kommt man als öffentliche Verwaltung an das für eine „Kommune 2.0“ notwendige Know-how? Die Antwort ist simpel: einfach mit einem ersten Schritt beginnen – am besten auf Facebook. Ob Facebook die kommunale Plattform der Zukunft werden wird, ist erst einmal unerheblich. Fakt ist, dass man auf Facebook wie auf keiner anderen Plattform die Spielregeln des Web 2.0 lernen und diese bereits heute im eigenen Wirkungskreis aktiv gestalten kann. Ein „Kommune-goes-Facebook-Projekt“ aufzusetzen ist keine Raketenwissenschaft. Sie benötigen lediglich einen überzeugten Entscheider, ein schlüssiges Konzept und stringente Umsetzer. Worauf Sie dabei achten müssen, verrate ich Ihnen im dritten Teil dieser Blogreihe.

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