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Die Industrie 4.0 und das Internet der Dinge gelten als treibende Kräfte anhaltenden Wirtschaftswachstums – verbunden mit hohen Ansprüchen, was die digitale Kompetenz von Fachkräften betrifft.

Warum das Internet der Dinge wahrscheinlich ganz neue Berufe hervorbringt

Noch wird vielfach von „Schnittstellen“ zwischen IT und Engineering gesprochen. Doch längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich beide Fachbereiche einander annähern müssen. Bei der aktuellen Vormachtstellung digitaler Strategien geht es allerdings nicht nur darum, dass Ingenieure „mithalten“ können. Eher sollte man von einer allmählichen Fusion oder Verschmelzung zweier Fachbereiche sprechen.

IT-Kenntnisse schon ein Muss für angehende Ingenieure?

Es deutet alles darauf hin, dass wir in Zukunft neue „hybride“ Berufe antreffen, die genau in dieser interdisziplinären Lücke angesiedelt sind. Noch tragen sie keine konkreten Namen, wenn man von Kombinationen wie dem IT-Ingenieur einmal absieht. Dabei wird dann selbst der Ingenieur mit IT-Kenntnissen nicht mehr ausreichen, den Ansprüchen eines „Arbeitsmarktes 4.0“ noch gerecht zu werden.

Gleiches gilt auch für IT-Spezialisten, die sich zukünftig verstärkt um Fachkenntnisse im Maschinen- und Anlagenbau bemühen müssen. Denn das Internet mit seinen jetzigen Möglichkeiten ist nur eine Vorstufe der alles miteinander vernetzenden Zukunft, die wir unter dem Begriff Internet der Dinge erwarten.

IT-Kenntnisse vielfach schon eine Grundvoraussetzung für Engineering-Jobs

Die sich selbst organisierenden Produktionsprozesse sind Leitmotive der zukünftigen smarten Fabriken. Informationstechnologien, also Big-Data- oder KI-Konzepte, sollen einen immer größeren Einfluss auf die klassische Wertschöpfungskette nehmen.

Die Bedürfnisse des Kunden und die sich rasch wandelnden Bedarfslagen eines Marktes geben den Takt in der Smart Factory vor. Das Unikat in Serienfertigung oder die exakt an die aktuelle Marktsituation angepasste Massenproduktion führt gleichzeitig zu immer kürzeren Produktzyklen.

Selbst unter dem Vorbehalt, dass es sich bei der Industrie 4.0 noch um Zukunftsmusik handelt, ist ein Mega-Trend unaufhaltsam – und sicher ist: Die klassischen Ingenieursberufe stehen im digitalen Zeitalter auf dem Prüfstand. In vielen Hightech-Unternehmen werden Zusatzqualifikationen eines Ingenieurs im Bereich der Informatik bereits vorausgesetzt.

Entsprechend ist es bereits für Ingenieur-Studenten sinnvoll, zweigleisig zu planen. Damit einher geht der Aufruf an die Hochschulen, durch eine Verzahnung der Fakultäten Informatik und Ingenieurswissenschaften am Ende sogar völlig neue Studiengänge zu etablieren.

Zudem spricht nichts dagegen, dass sich – nach dem Vorbild des Mechatronikers – auch bei den Handwerksberufen neue „hybride“ Qualifikationsprofile ergeben könnten.

Ingenieure und ihre Arbeitgeber unter digitalem Zugzwang

Berufserfahrene Ingenieure kommen nicht umhin, eigenständig nach entsprechenden Kursen in Weiterbildungsdatenbanken Ausschau zu halten – oder gegebenenfalls sogar ein Fernstudium in Erwägung zu ziehen.

Auch Webinare, also online angebotene Kurse zum Erlernen von Programmiersprachen wie Java, C#, C++ oder Python, bieten sich als Weg an, zumindest Grundkenntnisse zu erwerben.

Zuvorderst sind natürlich die Unternehmen als Arbeitgeber aufgerufen, ihre Ingenieure mit entsprechenden Fortbildungsangeboten zu versorgen.

Letzten Endes lässt sich das zusätzlich zu erwerbende Fachwissen im IT-Bereich dann auch optimal mit den realen Begebenheiten und den unternehmerischen Zielen des Arbeitgebers in Einklang bringen. Im Vordergrund steht dabei das Ausbildungsziel, Führungskräften eine solide Grundlage über Machbarkeiten zu verschaffen. Denn: Keiner ist alleine schlau – und darf es auch nicht sein.

Warum auch Informatiker etwas von Maschinenbau verstehen sollten

Ein Ingenieur muss die Grenzen dessen einschätzen können, was IT-bezogene Anwendungen zu leisten vermögen, und wissen, wo es sich lohnt, Produktionsabläufe noch smarter zu gestalten.

Kritiker des Industrie-4.0-Modells warnen immer wieder vor einer Überschätzung dessen, was durch die automatisierte Anwendung von Algorithmen maximal erreicht werden kann.

Damit einhergeht die Empfehlung an IT-Experten, sich Grundwissen des Ingenieurwesens anzueignen. Die Beiträge der IT-Spezialisten zur Erfüllung der Industrie-4.0-Vision müssen den Qualitätsansprüchen gerecht werden, die in Deutschlands Schlüsselindustrien immer noch als primärer USP vorherrschen – trotz Dieselskandal.

Die zunächst auf dem Reißbrett entstandene Industrie 4.0 ist ein Zukunftsmodell „Made in Germany“. Es sollte aber nicht dazu führen, dass die tradierten Werte der deutschen Ingenieurskunst durch ein möglicherweise zu hohes Tempo von IT-Anwendungen in den Hintergrund geraten.

Die kritischen Debatten, die rund um das selbstfahrende Auto geführt werden, sind durchaus geeignet, auch die Vision der Smart Factory ein wenig zu erden.

Fazit: Es ist begrüßenswert, wenn sowohl Ingenieure als auch Informatiker von einer entsprechenden Weiterbildungskultur profitieren. Digitale Kompetenz hat viele Facetten und beschränkt sich nicht allein auf die Fähigkeit, selbst Programme zu schreiben oder IT-Architekturen für Automatisierungsprozesse zu entwerfen.

Über unseren Kollegen Dirk Hahn

Nach seinem Abschluss als Diplom-Kaufmann begann Dirk Hahn 1997 seine Karriere bei Hays. Zunächst als Abteilungsleiter, dann als Bereichsleiter und schließlich als Director Vertrieb. Im Januar 2008 wurde Dirk Hahn als Chief Operating Officer in den Vorstand der Hays AG berufen und verantwortet den Vertrieb in den Specialisms Engineering, Construction & Property, Life Sciences und Healthcare in Deutschland, den Bereich Rekrutierungsmanagement sowie unsere Landesgesellschaften in der Schweiz und in Österreich. Seit 2017 ist er Mitglied im internationalen Management Board.

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