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Der Bundesverband für selbständige Wissensarbeit e. V. (vormals ADESW) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) und dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) eine Folgestudie zu der Gruppe der IT-Freelancer veröffentlicht.

Der Fokus dieser Untersuchung liegt auf der beruflichen Zufriedenheit und den politischen Forderungen von selbstständigen IT-Spezialisten.

Unsere erste IT-Freelancer-Studie

Als ich vor ca. 9 Monaten meinen Blogpost zu unserer ersten IT-Freelancer-Studie schrieb, war ich mächtig stolz auf unseren doch relativ jungen Verband. Wir hatten es geschafft. Gemeinsam mit dem IfD Allensbach und dem IW hatten wir eine erste belastbare und repräsentative Studie für die Gruppe der IT-Freelancer abgeliefert. Endlich konnte sich niemand mehr hinter falschen oder nicht repräsentativen Studien verstecken und diese Gruppe im gleichen Atemzug mit dem Wort „Schutzbedürftigkeit“ nennen.

Hoffentlich war jetzt Schluss mit dem Satz, den ich in Gesprächen mit Politikern so oft hören musste: „Das sind aber eher gefühlte Fakten, Herr Frischmuth, oder?“ Seit der Veröffentlichung unserer ersten Studie zur „Einkommenssituation und Altersvorsorge“ von IT-Freelancern konnten wir viele Gespräche mit Entscheidungsträgern aus der Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft führen und damit wichtige Aufklärungsarbeit leisten.

Dass ich bereits 9 Monate später wieder in die Tasten haue und diesen Beitrag verfasse, hätte ich nicht gedacht. An dieser Stelle ein großes Kompliment an den gesamten Bundesverband, mein Team und natürlich die teilnehmenden IT-Freelancer, ohne die diese neue Studie nicht möglich gewesen wäre.

Die politischen Forderungen der IT-Freelancer

Die Ergebnisse unserer zweiten Untersuchung liegen bereits vor. Diesmal haben wir uns der beruflichen Zufriedenheit, den Motiven der IT-Freelancer bezüglich ihrer beruflichen Situation und ihren politischen Forderungen gewidmet.

Unsere neue Untersuchung belegt, dass mehr als 96 Prozent der IT-Freelancer sich wieder selbstständig machen würden, wenn sie noch mal vor die Wahl gestellt werden würden. Das ist eine absolut beachtliche Zahl und dokumentiert das Selbstbewusstsein in dieser Gruppe.

Viele Angestellte werden sich jetzt fragen: Woher kommt diese immense Zufriedenheit und warum geht es mir nicht so?! Dies liegt sicherlich auch daran, dass mehr als 90 Prozent der befragten IT-Freelancer ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut bis gut beurteilen.

Jetzt dürfte sich der aufmerksame Leser sagen: ist doch alles gut. Die IT-Freelancer sind zufrieden und verdienen gutes Geld und sorgen für das Alter vor. Eine wahre Erfolgsgeschichte.

Leider nein.

Das Problem in dieser Gleichung kommt als Konstante daher und heißt: Rechtssicherheit!

Rechtssicherheit für IT-Freelancer: Die aktuelle Rechtslage ist unklar

80 Prozent der befragten IT-Freelancer bewerten die aktuelle Rechtslage, auf deren Basis diese hochqualifizierten Experten und Expertinnen tätig werden, als unklar und unzureichend.

Dr. Steffen de Sombre vom IfD Allensbach sagt dazu:

„Politische Entscheidungsträger betrachten Solo-Selbstständigkeit häufig als eine eher aus der Not geborene Form von Berufstätigkeit. Dies mag in manchen Bereichen zutreffen – für solo-selbstständige Fachkräfte im IT-Bereich dagegen in aller Regel nicht.“

Dabei zeigt unsere Studie, dass 94 Prozent der befragten IT-Freelancer angeben, ein erfülltes Berufsleben zu haben. Dies macht deutlich, dass die selbstständigen IT-Experten und -Expertinnen alles andere als schutzbedürftig sind.

IT-Freelancer_Hays
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Politische Forderung: Überarbeitung des Statusfeststellungsverfahrens (SFV)

Der zweite Teil der Untersuchung beschäftigt sich mit den politischen Forderungen, welche IT-Freelancer an die Politik stellen. Hier dominiert klar ein großes Thema die Agenda der ITler: das Statusfeststellungsverfahren (SFV) der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund).

Mehr als 76 Prozent der befragten IT-Freelancer plädieren für eine Überarbeitung des SFV. Dabei sprechen sich 87 Prozent der befragten IT-Freelancer für die Einführung von Positivkriterien aus, die die Selbstständigkeit belegen.

Zum Beispiel: Ein Positivkriterium ist das unternehmerische Auftreten durch eine eigene Website oder die Gründung einer GmbH. Stand heute dominieren die sogenannten Negativkriterien aus dem Industriezeitalter des letzten Jahrhunderts wie „Nutzung der Arbeitsmittel des Auftraggebers“ oder die „Tätigkeit vor Ort“. Sie kommen nicht mit eigenem Werkzeugköfferchen zum Kunden oder haben keine eigene Werkstatt als IT-Freelancer? Oh, dann haben Sie aber ein Problem!

Für mich als Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes für selbständige Wissensarbeit e. V. und zugleich Praktiker bei Hays sind dies wahrlich keine neuen Fakten.

Ich setze mich seit unserer Verbandsgründung für die Modernisierung des Statusfeststellungsverfahrens und mehr Rechtssicherheit beim Einsatz von selbstständigen Wissensarbeitern ein. Umso erfreulicher ist es, dass dies auch bei der Politik angekommen zu sein scheint und die Regierungskoalition sich das auch in den aktuellen Koalitionsvertrag geschrieben hat (Seite 42).

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal bei den befragten IT-Freelancern für die rege Teilnahme an unseren Studien bedanken. Wir bleiben an dem Thema dran und werden weiterhin Aufklärungsarbeit zu diesem wichtigen Thema betreiben.

Denn wir wissen: Eine erfolgreiche Digitalisierung unseres Landes ist ohne die Expertise von selbstständigen IT-Expertinnen und -Experten nicht möglich.

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