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Jedes zweite Jahr kürt das IT Job Magazin  mit Unterstützung der Gesellschaft für Informatik (GI)  den IT-Freelancer des Jahres. Die Jury setzt sich aus Partnern und Sponsoren der Industrie zusammen, die das Profil sowie die Website der Kandidaten bewerten.

In diesem Jahr hat ein aktiver Spezialist von Hays die Auszeichnung erhalten: Michael Grüne.

Herzlichen Glückwunsch! Ich habe ihm ein paar Fragen gestellt, deren Antworten ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Herr Grüne, wie lange sind Sie schon IT-Freelancer?

Ich habe mich 1998 selbständig gemacht und arbeite seitdem als IT-Freelancer.

Wie kam es dazu, dass Sie sich selbständig gemacht haben?

Heute würde man sagen, das hat sich durch mein Social Network ergeben. Ich habe bereits während meines Studiums nebenbei im IT-Bereich gejobbt. Einige meiner ehemaligen Kollegen hatten ein eigenes Systemhaus gegründet und mir dann mein erstes Projekt als Freelancer angeboten. Daraus ergaben sich neue Kontakte und die nächsten Projekte folgten. Schon im ersten Jahr der Selbständigkeit stand dann für mich fest, dass diese Art des Arbeitens das für mich passende Modell ist.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten IT-Freelancer aus?

Um auf Kundenseite erfolgreich zu sein, muss ein guter IT-Freelancer neben seiner technischen Expertise eine hohe Sozialkompetenz und die Bereitschaft zur permanenten Weiterbildung mitbringen. Für seinen geschäftlichen Erfolg sollte der Freelancer einige Unternehmerqualitäten mitbringen, z. B. Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Vertragsrecht, und er sollte in der Lage sein, auch für sein eigenes Unternehmen „Make or Buy“-Entscheidungen zu treffen.

Welche Vorteile/Nachteile hat es für Sie, selbständig zu sein?

Der größte Vorteil für mich ist, dass ich selbst entscheiden kann, in welche Richtung ich mich weiterbilden und entwickeln möchte. Ich habe definitiv mehr Möglichkeiten, meine Entwicklung zu steuern, als ein Angestellter. Der Nachteil ist natürlich die schlechte Planbarkeit von Weiterbildung oder Urlauben. Als Freiberufler muss ich flexibel auf die aktuelle Auftragslage reagieren, daher lassen sich diese Dinge nicht lange im Voraus planen.

Was war Ihr bisher schönstes/schlimmstes Erlebnis als Selbständiger?

Mein schlimmstes Erlebnis war die Insolvenz eines Auftraggebers und der damit einhergehende Verdienstausfall, doch diese Risiken gehören für uns IT-Freelancer leider zum Alltag, wie für jeden anderen selbständigen Unternehmer auch. Mein schönstes Erlebnis war das Erreichen des dritten Platzes als IT-Freelancer des Jahres 2013. Dieser Erfolg wurde für mich dann in diesem Jahr übertroffen.

Bilden Sie sich auch zu „Nicht-IT-Themen“ – beispielsweise Kommunikation in Projekten – weiter?

Technisches und fachliches Wissen bilden natürlich immer die Basis für die Nachfrage und einen anhaltenden Erfolg. Aber Projekte werden von Menschen für Menschen gemacht, daher sind die Menschen in den Projekten meist der entscheidende Erfolgsfaktor. Aus diesem Grund sind Soft Skills und Teamfähigkeit für jeden Freiberufler unentbehrlich. Daher gehören für mich die Themenbereiche Kommunikations- und Präsentationstechniken sowie Teamführung selbstverständlich zum Fortbildungsprogramm.

Haben Sie Tipps für diejenigen, die sich selbständig machen wollen? Was sollte man mitbringen?

Man sollte nicht zu früh mit dem Einstieg in die Selbständigkeit beginnen, sondern vorher genug Zeit investieren, um Erfahrungen zu sammeln und in der Praxis die eigenen Kernkompetenzen zu entwickeln. Man muss sich vorher genau über die Vorteile einer Selbständigkeit sowie die damit verbundenen Pflichten Klarheit verschaffen. Neben den Aufgaben bei Kunden vor Ort muss sich jeder Selbständige um Administration, Akquise, Fortbildung etc. kümmern, was recht zeit- und kostenintensiv sein kann. Hinzu kommt die Pflicht, sich selbst abzusichern und vorzusorgen, viele unterschätzen diese Themen. Fast alle Dinge, die Arbeitnehmern in Bezug auf Steuern, Sozialversicherung, Unfallversicherung etc. abgenommen werden, sind für Freelancer selbst zu bewältigen. Zu guter Letzt muss man sich darüber im Klaren sein, dass man in den meisten Fällen ein hohes Maß an Mobilität mitbringen muss, da die Kunden bundesweit ansässig sind oder Ihren Sitz im Ausland haben. Nur wer sich sicher ist, dass dieses Arbeitsmodell und der damit verbundene Aufwand mit den jeweiligen privaten Plänen langfristig vereinbar sind, kann erfolgreich sein.

Grüne,Michael'15-002_m_kleinDer Kern der Selbständigkeit ist, dass das Kompetenzfeld weit über das Fachliche hinausgeht. Als Einzelner kann man jedoch nicht alle Facetten gleich gut bedienen. Darum sind Aufbau und Pflege eines starken Netzwerkes unerlässlich. Der Zusammenschluss mit Gleichgesinnten hilft dem Einzelnen. Ich selbst habe mich seit 2004 sowohl in dem alten Berufsverband als auch im neuen Deutschen Bundesverband Informationstechnologie für Selbständige e. V. (DBITS) engagiert, dessen Vorstandsvorsitzender ich bin. Über diesen Weg findet man als IT-Selbständiger u. a. Unterstützung beim Self-Marketing sowie Kontakte und Hilfe in rechtlichen Fragen Ich kann den Erfahrungsaustausch mit anderen Selbständigen betreiben und habe nicht zuletzt eine gesellschaftliche und politische Interessenvertretung.

Über Michael Grüne

Michael Grüne  verfügt über einen Abschluss in Ingenieurwissenschaften, Fachrichtung Informatik. 1998 hat er sich selbständig gemacht und arbeitet seitdem als Projektmanager, Berater, Coach und Sachverständiger in internationalen Projekten, vorwiegend im Bereich des Transition- und Transformation-Managements. Darüber hinaus ist er seit 2013 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Informationstechnologie für Selbständige e. V. (DBITS).

 

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