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Industrie 4.0 ist heute in aller Munde. Doch was bedeutet das konkret? Die Antwort ist einfach: Die Industrie geht ihren nächsten Entwicklungsschritt. Auf Basis robuster und schlanke Prozesse, automatisierte Fertigungseinrichtungen und einer intensiven Kommunikation entlang der Supply Chain geht es nun unter dem Schlagwort Industrie 4.0 um eine konsequente Vernetzung aller Beteiligten.

Auswirkungen auf die Supply Chain

Über die klassische physische Supply Chain wird quasi eine digitale Supply Chain gelegt – und in Echtzeit verzahnt. Sie erlaubt es, die Wertschöpfung optimal zu steuern und zu konfigurieren: schnell, kostengünstig und flexibel mit kleinen Losgrößen.

Das ist ganz im Sinne eines hohen Lieferservice für die Kunden. Damit das gelingt oder funktioniert, braucht es als Rückgrat eine hohe technologische und informatorische Durchgängigkeit über die gesamte Lieferkette.

Diese technologische Weiterentwicklung der Fertigungssysteme bringt massive Veränderungen in der Arbeitswelt mit sich – und das in allen Unternehmensbereichen.

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Kopie der Unterlage: Kai Finck / SAP Ariba / für den persönlichen Gebrauch
© Prof. Dr.-Ing. Elmar Bräkling, HS Koblenz, 28. April 2016. HAYS Executive Event. Es gilt das gesprochene Wort.

Jede Menge Veränderungen im Einkauf

Das gilt auch für den Einkauf. Dort ist heute die digitale Arbeit bereits Standard. Die durchgängige informatorische Vernetzung und das intelligente Arbeiten mit großen Datenmengen ist allerdings in dieser Form noch kein Arbeitsalltag.

Das gilt oft sogar auch innerhalb von Unternehmen. Die Themen Stammdatentransparenz oder „spend visibility“ sind hier nur beispielhaft genannt. Denken wir über Unternehmensgrenzen hinaus, bekommt diese Feststellung noch mehr Gewicht.

Hier stellen sich komplett neue Fragen: Wie können Marktdaten genutzt werden, um den Wettbewerb effektiv und effizient zu gestalten? Wie ist das Lieferantenmanagement zu verändern, damit datenintensive Industrie-4.0-Netzwerke wirklich entstehen? Was bedeutet die engere Vernetzung mit den Lieferanten für den Daten-, Patent- oder Markenschutz? Wie nutzt der Einkauf Business-Intelligence-Lösungen, um wirtschaftliche Potenziale zu identifizieren und zu nutzen?

Das sind nur vier exemplarische Fragestellungen. Aber sie machen deutlich, was auch im Einkauf ansteht: jede Menge Veränderung. Intelligente Datenverarbeitung wird dabei zunehmend zu einem kritischen Erfolgsfaktor. Im C-Güter-Bereich bedeutet dies voll automatisierte „procure-to-pay-Prozesse“, ggf. mit intelligenten Features wie etwa dynamischen Preisfindungssystemen.

Big Data als Arbeitsbasis

Die klassischen administrativen Aufgaben werden verschwinden. Strategische Einkaufsaufgaben gewinnen dafür weiter an Bedeutung. Die systematische Entwicklung von Wertschöpfungspartnerschaften oder auch die Organisation kompetitiver Wettbewerbssituationen sind beispielhaft genannt.

Diese Aufgaben sind grundsätzlich nicht neu. Sie bekommen jedoch eine neue Arbeitsbasis: Big Data. Der intelligente Umgang mit großen Datenmengen wird zur neuen Herausforderung im Einkauf und Datenanalytik ein wichtiger Treiber für den Einkaufserfolg.

Das Erkennen und die Interpretation von (Daten-) Mustern werden strategische Einkaufsentscheidungen unterstützen, etwa bei der Auswahl von Märkten, der Vernetzung von Lieferanten, der Gestaltung von Vergabe-Lots oder der Analyse von Preisen und Kostenpotenzialen.

Business Intelligence als Fahrplan

Für diese Aufgabenstellungen ist einiges zu tun. Die prozessorientierte IT-Welt des Einkaufs ist zu optimieren und um analytische Instrumente zu erweitern. Business-Intelligence-Anwendungen werden zum normalen Handwerkszeug des Einkaufs. An dieser Stelle sind heute Einkaufsorganisationen und Tool-Anbieter gleichermaßen gefordert.

Einkaufsorganisationen sollten noch stärker ihre Anforderungen an eine intelligente Datenanalyse konkretisieren und Tool-Anbieter ihre Entwicklungsaktivitäten auf dieses Feld erweitern. Hand in Hand können dann neue Potenziale für den Einkauf im Zeitalter der Industrie 4.0 erschlossen werden.

Gelingt das, dann kann sich der Einkauf mit neuer Big-Data-Kompetenz noch besser in die crossfunktionalen Teams des Unternehmens und in den Marktdialog mit den Lieferanten einbringen. Das Wissen um Potenziale wird den Dialog mit allen Partnern beim Ringen um die beste Supply-Chain-Lösung wesentlich unterstützen, vorausgesetzt, es wird clever in den People Business-Einkauf integriert.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Business-Intelligence-Anwendungen gemacht? Ich freue mich auf einen Austausch mit Ihnen.

Über den Gastautor Prof. Dr. Elmar Bräkling

Mit weit mehr als zehn Jahren operativer Industrieerfahrung vertritt Prof. Dr. Elmar Bräkling seit Ende 2008 die Fachgebiete Beschaffung und Logistik an der Hochschule Koblenz. In angewandter Forschung und Lehre hat er dort das PIPS - Power in Procurement System entwickelt und in die Praxis transferiert.S03_02_Bild_EB_Schepers

Eng vernetzt mit der Industrie, arbeitet er heute an der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Systems und steuert als geschäftsführender Gesellschafter der "PIP - GmbH" die Projekte bei den Mandanten vor Ort.

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