Hays Global Skills Index

Mit dem jährlichen Hays Global Skills Index nehmen wir die aktuellen Tendenzen nationaler Arbeitsmärkte unter die Lupe. Bewertet wird die jeweilige Arbeitsmarktsituation von 33 Industrienationen mittels relevanter Indikatoren, die als die wichtigsten Einflussfaktoren auf den jeweiligen Arbeitsmärkten gelten.

Damit steht Entscheidern in Wirtschaft und Politik ein hilfreiches Instrument zur Verfügung, das aktuelle Strömungen und Tendenzen aufzeigt. Gleichzeitig beleuchten wir, in welchen Bereichen sich durch richtungweisende Weichenstellungen zukünftig günstigere Konstellationen ergeben könnten.

Indikatoren für gut oder weniger gut funktionierende Arbeitsmärkte

In Deutschland wächst die Wirtschaft kontinuierlich, gleichzeitig sinkt die Arbeitslosenquote. Noch scheint es für die Arbeitgeber hierzulande auch kein Problem zu sein, Mitarbeiter mit den jeweils erforderlichen Qualifikationen zu rekrutieren. Allerdings liegt Deutschland an der Spitze, was den Lohndruck in den qualifizierten Branchen betrifft. Einen noch höheren Indexwert bei diesem Kriterium weist in der EU lediglich Schweden auf.

Der Hays Global Skills Index ermöglicht für jedes Land eine eigene Standortbestimmung. Dazu steht ein Vergleichstool zur Verfügung.

Damit ist dank einfacher Filterfunktionen ein Ländervergleich der Indexwerte

  • eines einzelnen Indikators oder
  • des Gesamtindikators

möglich. Für jedes bewertete Land liefert der Report drei Schlüsselfaktoren, die jeweils den Gesamtindex am stärksten beeinflussen.

Arbeitsmarktbeteiligung und Talentkonflikt: Wie stabil bleibt das Angebot an Fachkräften?

Eine geringe Arbeitslosenquote lässt sich auch als „leer gefegter“ Arbeitsmarkt interpretieren. Tatsächlich besagt der Indikator Arbeitsmarktbeteiligung, in welcher Anzahl potenzielle Arbeitskräfte generell zur Verfügung stehen. Noch stellt der Arbeitsmarkt in Deutschland genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung. Doch das gilt nicht für alle Branchen, wie zwei weitere Indikatoren aufzeigen. Denn in einigen Branchen muss qualifiziertes Personal offensichtlich teuer erkauft werden.

Lohndruck in qualifizierten Branchen und Berufen: Hightech-Unternehmen anfälliger für steigende Lohnkosten

In den hoch qualifizierten Branchen Japans und Chinas steigen die Löhne deutlich langsamer, während Deutschland hingegen unter hohem Druck steht. Dieser Aspekt ist für eine Exportnation wie Deutschland in Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit ein durchaus ernst zu nehmender Faktor.
Volkswirtschaften, die bereits seit Jahrzehnten die Weltmärkte prägen, laufen Gefahr, plötzlich in einigen Branchen an Boden zu verlieren, die auf den Weltmärkten einen neuen Takt vorgeben. Wer einen Erfolg bestätigen oder wiederholen muss, steht unter höherem Druck als aufstrebende Nationen. Diese dringen unter vergleichsweise niedrigem Kostendruck in globale Märkte ein oder schaffen ganz neue Märkte.

Tatsächlich besteht für die Industrienationen der EU die Gefahr, in zukünftigen Schlüsselindustrien den Anschluss zu verlieren. Die Resultate des Global Skills Index bieten durchaus Anlass für einen Katalog an Empfehlungen, an welchen Stellschrauben traditionelle Industrienationen drehen sollten, um sich weiterhin auch in neuen Hightech-Märkten behaupten zu können. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Mit mehr risikofreudigen Investments die Weichen für morgen stellen. Um mit Innovationen neue Märkte zu erschließen, reicht es nicht aus, lediglich das eigene Geschäftsmodell abzusichern.
  • Mehr Mut zur Schaffung neuer Arbeitswelten mit weniger starren Strukturen, um Potenziale zur Produktivitätssteigerung oder innovativen Produkt- und Geschäftsideen optimal auszuschöpfen.
  • Die bestehende Diskrepanz zwischen dem männlichen und weiblichen Anteil in hoch qualifizierten Berufen abbauen.

Gleichverteilung von Männern und Frauen in Beschäftigungsverhältnissen: weltweiter Nachholbedarf

Der geringere Anteil an Frauen am Arbeitsmarkt ist ein globales Phänomen. Diesbezüglich haben sich einige Nationen einen leichten Vorsprung vor anderen erwirtschaftet, indem sie Frauen in qualifizierten Berufen besonders gute Rahmenbedingungen bieten. Die Differenz zwischen vollbeschäftigten Männern und Frauen konnte Schweden als Spitzenreiter in dieser gesonderten Betrachtung immerhin schon zu 80 Prozent füllen. Deutschland rangiert hier lediglich im Mittelfeld.

Weltweit stagnierende Produktivität und ihre möglichen Gründe

Steigende Lohnkosten gehen schon seit einigen Jahren nicht mit einer gleichzeitigen Produktivitätssteigerung einher. Dieses Kernproblem gilt für nahezu alle Industrienationen und gibt Rätsel auf. Wir vermuten als Ursache für den kontinuierlichen Rückgang der Produktivität in den Industrienationen Europas, Ostasien und das Zusammenwirken verschiedener Faktoren:

  • Versäumnisse im Ausbau geeigneter Infrastrukturen
  • zu geringe oder zu konservative Investments in zukunftsträchtige Technologien
  • Rückgang des weltweiten Handels
  • zunehmender Anteil älterer Menschen in der Bevölkerungspyramide
  • Reduzierung statt Steigerung von Investitionen in Bildung, Ausbildung und Fortbildung

Für die Zukunft lassen die Ergebnisse der Studie die Schlussfolgerung zu, dass sich einige Trends eher verstärken als abschwächen werden. Bereits der Vergleich aller Indexwerte des Jahres 2018 mit den Vorjahreswerten 2017 bestätigt, dass sich der Druck auf die Arbeitsmärkte weiterhin erhöhen wird.

Fazit und Ausblick: Druck auf die Arbeitsmärkte wächst

Kurzfristig bleibt das Wachstum in den meisten Industrieländern stabil, mittelfristig erwarten wir die Folgen einiger Wachstumsbremsen, die unter anderem aus dem steigenden Bedarf an hoch qualifiziertem Personal besteht. Dieser wiederum wird gleichzeitig immer schwieriger zu erfüllen sein oder führt eben zu deutlichen Steigerungen der Arbeitskosten. Ebenso wahrscheinlich wird sich der Trend auf weniger qualifizierte Berufe erstrecken und den Druck auf die Arbeitsmärkte erhöhen – so die Prognose.

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