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Seit Jahren tönt es von allen journalistischen Dächern: Zahl der Freiberufler auf Rekordhoch! Immer mehr Festangestellte wechseln in die Freiberuflichkeit. Nach Angaben des Spiegels stieg die Zahl der Freiberufler in Deutschland zum Jahresanfang um 4,3 Prozent, auf 1,2 Millionen. Woran liegt das? Aus welchen Gründen machen sich immer mehr Menschen selbstständig? Welche Vorteile versprechen sie sich davon?

Fachkräftemangel

Die Gründe für den Anstieg sind vielschichtig. Ein Grund für diese Entwicklung sind die teilweise sehr starren Unternehmensstrukturen, die man als fester Mitarbeiter nur schwer oder gar nicht durchbrechen kann. Das löst bei vielen Unzufriedenheit aus. Wir alle wollen doch etwas bewegen. Des Weiteren brauchen Unternehmen immer mehr Freiberufler als temporäre, flexible Arbeitskräfte, um Spitzen abzudecken. Dafür holen sie sich freiberufliche Spezialisten befristet ins Haus. Laut dem Hays Global Skills Index 2014 gibt es auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine leichte Anspannung. Die Interpretation: Es herrscht Fachkräftemangel. Dieser Begriff ist schon sehr strapaziert und wird oft und gern als Ursache für verschiedene Missstände aufgeführt. In diesem Fall wird ein Fachkräftemangel ebenfalls einer der Hauptgründe sein. Es gibt zwar viele Vakanzen, jedoch nicht genügend entsprechend qualifizierte Mitarbeiter zur Festanstellung. Daher müssen Unternehmen oft auf Freiberufler ausweichen.

Konsequenzen für Unternehmen?

Was können wir aus diesem Trend für den Arbeitsmarkt und für Unternehmen ableiten? Ist Freiberuflichkeit die Arbeitsform der Zukunft? Gibt es bald mehr Freiberufler als Festangestellte? Falls ja, stellt sich die Frage, ob das ein wünschenswerter Zustand wäre. Und was bedeutet das für die Personalpolitik der Unternehmen? Für Unternehmen bedeutet dieser Trend ein Umdenken in der Personalpolitik. Durch Freiberufler stehen den Unternehmen flexible Personalressourcen zur Verfügung, die sie bei Bedarf abrufen können. Freiberufler unterliegen keinem Kündigungsschutzgesetz und der Betriebsrat bzw. die Gewerkschaft ist für sie auch nicht zuständig. Insgesamt profitieren viele Unternehmen von der Vereinfachung vieler unternehmensinterner Prozesse. Es wird nur das bezahlt, was auch gearbeitet wird. Unternehmen sparen sich die Kosten für Urlaub und Krankheit. Auf der anderen Seite ist es größtenteils so, dass Freiberufler meist nicht länger als sechs bis zwölf Monate bei einem Kunden bleiben und der Kunde an dieser Stelle einen Know-how-Verlust in Kauf nehmen muss sowie für jeden Freiberufler neue Einarbeitungszeiten. Für die Riege der Personaldienstleister, die sich auf die Vermittlung von Freiberuflern spezialisiert haben, löst die Entwicklung, dass es immer mehr Freiberufler gibt, auf jeden Fall Begeisterung aus. Hier gibt es, bezogen auf IT-Freiberufler, laut der aktuellen Lünendonk-Marktstudie Wachstumsraten im zweistelligen Bereich.

Konsequenzen für die Wirtschaft?

Der BFB (Bundesverband der freien Berufe) bezieht die Position, dass Existenzgründungen für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung „unverzichtbar“ sind. Tatsache ist, dass die freien Berufe einen wichtigen Arbeitgeber in Deutschland darstellen und damit für den Arbeitsmarkt und das Bruttoinlandsprodukt ein wichtiger Faktor sind. Jana CarstensMüssen Unternehmen reagieren und ihre Personalpolitik entsprechend anpassen? Diese Frage beantwortet die Hays-Studie Personalbedarfsplanung und -beschaffung in Unternehmen. Haben Sie schon Erfahrung mit Freiberuflern oder Freiberuflichkeit gemacht? Wie beurteilen Sie die Bedeutung für den Arbeitsmarkt? Schreiben Sie mir! Ich freue mich auf einen spannenden Austausch.

Über Gastautorin Jana Carstens

Jana Carstens arbeite seit April 2005 bei Hays. Angefangen hat sie im Vertrieb, speziell in der Vermittlung von IT-Freiberuflern für Projekte. Nach der Elternzeit ist sie 2014 in Teilzeit ins Marketing gewechselt. Hier ist sie verantwortlich für die Content-Pflege der Website, Suchmaschinenoptimierung (SEO) sowie für Projekte im Internet und Intranet.

Kommentare


  1. Bewerberbibel

    In sehr komplexen Gebieten mit langer Anlernzeit, sollten meiner Meinung nach keine Freiberufler beschäftigt werden. In Projekten die kurz- bis mittelfristig terminiert sind machen Freiberufler durchaus mehr Sinn, nicht nur wegen der Flexibilität und Einsparung von Kosten, sondern auch wegen der schnellen Einbindung von Know-how in das eigene Unternehmen.

    Viele Grüße

    Diplom Betriebswirt Michael Büchler

    Antworten
  2. Jana Carstens

    Hallo Herr Büchler,

    ich bedanke mich für Ihren Kommentar.

    In diesem Fall hat natürlich die altbewährte „Festanstellung“ immer noch ihre Daseinsberechtigung.

    Ein Freiberufler kann einen erfahrenen Fachexperten, der über Jahre spezifisches Produkt Know-how in einem Unternehmen aufgebaut hat und in diesem auch entsprechend vernetzt ist, nicht 1:1 ersetzen.

    In solchen Fällen muss man als Vorgesetzter abwägen, ob die Vorteile des Freiberuflereinsatzes die Nachteile überwiegen.

    Viele Grüße
    Jana Carstens

    Antworten
  3. FreeLancer

    Laut dem Überblick auf verschiedene Marktstudien (http://www.freelance-market.de/d/zukunft-der-freelance-arbeit-die-besten-marktstudien) wird ein schneller Wandel der Arbeitswelt für die Zukunft prognostiziert, der das klassische Arbeitsverhältnis mit Vollzeitstelle in ein Modell unter vielen verwandelt. Auch Telearbeit wird weiter an Bedeutung gewinnen. In den Schwellenländern bringt die freiberufliche Telearbeit zahlreiche Arbeitskräfte in den globalen Arbeitsmarkt.

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