Vor zwei Jahren gab Google bekannt, eine Jobsuchmaschine auf den Markt zu bringen. Etwa einen Monat später, im Juni 2017, startete „Google for Jobs“ in den USA. Seit Mitte März wird nun laut Google das neue Feature auch in Deutschland getestet. Ob Bewerber und Unternehmen dadurch besser und schneller zusammenfinden, erfahren Sie hier.

Wie funktioniert „Google for Jobs“?

Genau wie „Google Flights“ oder „Google Hotels“ funktioniert auch „Google for Jobs“ nach der bekannten Google-Manier. Sie geben Schlagworte wie „Jobs in Mannheim“ oder „Stellen im Controlling“ ein. Google erkennt, dass Sie nach einem Job suchen und schlägt Ihnen nun nicht länger nur organisch generierte Suchergebnisse vor.

Nach den „Google Ads“ (die Online-Werbeanzeigen von Google), allerdings vor den organischen Treffern wird Ihnen nun ein Kasten mit Stellenvorschlägen angezeigt. Diesen generiert Google teils über einen Webcrawler, teils auch über Kooperationen mit Netzwerken und Jobbörsen wie LinkedIn oder Monster – zumindest in den USA. Klicken Sie auf eine Stelle, gelangen Sie zur „Google for Jobs“-Seite. Hier können Sie Ihre Ergebnisse über zahlreiche Filter verfeinern.

Die Bewerbung selbst erfolgt dann über die Unternehmenshomepage oder eines der Stellenportale, auf denen der Job ausgeschrieben ist. Ein großer Vorteil: Die Ergebnisse stammen aus einer lernenden Technologie, so dass Sie auch verwandte Ergebnisse zu Ihrer Anfrage angezeigt bekommen.

Die Vorteile für Sie als Bewerber

Wie oben erwähnt ist einer der größten Vorteile die Effizienz in der Stellensuche. Bequem über nur eine Anfrage eine Vielzahl relevanter Ergebnisse angezeigt zu bekommen und diese daraufhin auch noch filtern zu können, erweist sich als besonders praktisch, wenn Sie unterwegs sind oder sich zwischen zwei Terminen schnell einen Überblick über aktuelle, passende Angebote verschaffen möchten.

Weitere Pluspunkte:

  • Die angezeigten Ergebnisse passen nicht nur zu den Schlagworten in Ihrer Anfrage, sondern werden aufgrund maschinellen Lernens von Googles intelligentem Suchsystem aggregiert und landen in Ihrer Vorschlagsliste. Was bedeutet das? Sie geben als Anfrage „Stellen als kaufmännischer Mitarbeiter“ ein. Google schlägt Ihnen nun nicht nur Angebote vor, die genau diese Wörter als Überschrift oder im Text enthalten, sondern hat gelernt, dass Sie damit beispielsweise auch Stellen als Mitarbeiter (m/w/d) im Rechnungswesen, Vertriebsinnendienst oder im Bereich Marketingassistenz meinen könnten. Zudem verleihen Unternehmen mittlerweile ihren Positionen zum Teil sehr kreative Namen, die ohne diese Funktion nicht in Ihrer Auswahl landen würden. Durch die intelligente Suche können Sie keine interessante Ausschreibung mehr verpassen.
  • Die Filterfunktionen erlauben Ihnen, Ihre Suche zu verfeinern. Nicht nur nach der Aktualität des Stellenangebotes können Sie filtern, sondern z. B. auch nach bestimmten Arbeitgebern, der Arbeitszeit oder der Struktur des Unternehmens. Besonders interessant gestaltet sich die Umkreissuche. Hierzu nutzt Google sein hauseigenes „Google Maps“, um Ihnen Stellenangebote aus dem von Ihnen gewählten Umkreis aufzeigen zu können.
  • Als Extra-Features bindet Google zum einen noch Arbeitgeberbewertungen aus Seiten wie Glassdoor mit ein, so dass Sie sich bequem schon im ersten Schritt ein Bild über das suchende Unternehmen machen können. Als Tipp am Rande: Ich empfehle Ihnen, sich nicht blind auf diese Bewertungen zu verlassen.
  • Neben dieser Information erachten Sie die Gehaltsangabe in den Stellenanzeigen wahrscheinlich als noch viel interessanter. Google erlaubt es, sich auch Gehälter anzeigen zu lassen, die vom Unternehmen nicht explizit mitgeliefert werden. Dazu wird wiederum ein intelligentes System genutzt, das aufgrund von Gehaltsangaben für genau diesen Arbeitgeber (wie z. B. auf Glassdoor) das Einkommen berechnet und anzeigt.
  • Zuletzt ergibt sich ein sehr großer Vorteil aus der Aggregation mehrerer Stellenausschreibungen auf eine Annonce hin. Das heißt, dass Sie im Suchprozess nicht mehrfach auf eine identische Anzeige stoßen, weil Sie dieser bereits auf der Unternehmenshomepage, auf LinkedIn oder Monster begegnet sind. Das spart genauso viel Zeit wie die praktische „Merken“-Funktion oder die Benachrichtigung, die Sie sich einrichten können. Immer wenn zu Ihrer gespeicherten Suchanfrage ein neuer Treffer registriert wird, bekommen Sie einen sogenannten „Alert“ und können die Anzeige bequem aufrufen.

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Die Kehrseite – diese Punkte können sich als hinderlich für Sie erweisen

All das liest sich ziemlich positiv für den Bewerber. Ist es im ersten Schritt auch. Dennoch gibt es einige Punkte, denen Sie etwas kritisch gegenüberstehen sollten:

• Zunächst einmal hängt es von verschiedenen Faktoren ab, welche Platzierung die Stellenausschreibungen von Unternehmen in Ihrer Anzeigenliste bekommen. Oder ob die Jobanzeigen überhaupt angezeigt werden.

Google belohnt z. B. Stellen, die zu allen oben genannten Punkten bereits umfassende, strukturierte Daten liefern. Ein aussagekräftiger Inhalt der Stellenanzeige ist ebenso wichtig wie die technischen Voraussetzungen der Karrierewebsite des ausschreibenden Unternehmens. Will heißen: Ist die Unternehmenswebsite mobiloptimiert, vom Google-Crawler durchsuchbar und folgt auch weiteren SEO-Regeln, wird das von Google durch eine bessere Platzierung belohnt.

Warum erzähle ich Ihnen das? Einige interessante Jobs könnten Ihnen auf Google verborgen bleiben, da die Unternehmen bzw. Stellen die Kriterien nicht erfüllen. Sicherlich sollten sich Unternehmen, die dringend nach Bewerbern suchen, anstrengen, eine gewisse Qualität bei ihren Annoncen zu liefern. Doch das erfordert oft einen längeren Prozess und am Ende möchten Sie Ihren Traumjob und nicht nur leere Versprechungen aus der Stellenanzeige.

• Das bringt mich zum nächsten Punkt: Nicht nur könnten sich Unternehmen gezwungen fühlen, durch leere Worthülsen ihre Stellen attraktiver zu machen (und am Ende wissen Sie gar nicht, wofür Sie sich eigentlich bewerben).

Auch Angaben zum Einsatzort können sich für manche Unternehmen als schwierig erweisen. Nicht selten begegnen mir Ausschreibungen für z. B. Trainee-Positionen, die an mehreren Standorten des gleichen Unternehmens ausgeschrieben sind. Die Entfernung zur Unternehmenszentrale interessiert Sie als Bewerber dann weniger, denn der eigentliche Einsatzort wird Ihre neue Wirkungsstätte sein. Es wäre doch sehr schade, wenn Sie dieses Ergebnis aufgrund des Filters nicht angezeigt bekämen.

• Ähnliches gilt beim Gehalt. Für viele deutsche Unternehmen bedarf es eines großen Umdenkens, das Gehalt bereits in der Stellenannonce anzugeben – zumindest sofern sie nicht tarifgebunden sind. Und viele Unternehmen haben eine Spanne, innerhalb derer sie Mitarbeiter einstellen.

Abhängig von relevanten Vorkenntnissen, Regionen etc. Daher sollten Bewerber sich nicht zu sehr an dieser Angabe festhalten. Ähnliches gilt, wenn die Gehaltsangaben wie bereits erwähnt aus Angaben auf Googles Partnernetzwerken errechnet werden. Auf Ihr Gehalt können so viele Faktoren Einfluss nehmen.

• Zuletzt ist es mir noch wichtig zu erwähnen, dass „Google for Jobs“ keine Stellenbörse ist. Als zuverlässige Suchmaschine trägt Google lediglich die Ergebnisse zusammen. Unternehmen annoncieren hier nicht eigenhändig. Und wenn ein Arbeitgeber neben der eigenen – nicht mobiloptimierten – Homepage beispielsweise nur Stepstone als Jobbörse nutzt, so werden Sie die Jobangebote weit unten oder gar nicht auffinden. Denn laut eigenen Angaben wird Stepstone nicht mit Google kooperieren.

Zudem können Sie sich als Bewerber lediglich dann mit einem Klick auf die gefundene Stelle bewerben, wenn ein Unternehmen bereits „Google for Hire“ nutzt und dieses Feature aktiv anbietet. Bei allen anderen Ausschreibungen wird Ihnen angezeigt, auf welchen Jobbörsen bzw. Homepages die Stelle eingestellt ist. Sie werden dann dort auf die jeweilige Website geleitet und starten einen regulären Bewerbungsprozess. Zwar können Sie dann wählen, auf welchen Seiten Sie ggfs. schon Ihr Profil hinterlegt haben, dennoch zieht Google hier eine Zwischenebene ein.

Mein Fazit – wie Sie Ihre Jobsuche zukünftig gestalten sollten

Grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, sich zukünftig „Google for Jobs“ für die Stellensuche zunutze zu machen. Je nach Ihrer aktuellen Situation (sind Sie nur latent dabei, Ihren Marktwert zu checken, oder suchen Sie dringend eine neue Herausforderung?). Auch heute schon starten fast drei Viertel aller Jobsuchen über Google.

Ich rate Ihnen dennoch, zum einen die von Google gelieferten Zusatzinformationen als Hinweis anzusehen und nicht unbedingt für bare Münze zu nehmen.

Weiterhin sollten Sie sich nicht einzig auf die Ergebnisse bei „Google for Jobs“ verlassen. Wenn Sie gewisse Zielunternehmen haben, besuchen Sie ihre Karriere-Websites. Sollten Sie einen XING- oder LinkedIn-Account haben, suchen Sie auch dort nach Stellen und legen Sie sich ein Suchprofil an.

Hinterlegen Sie auch, wenn Sie aktiv auf der Suche sind, Ihr Profil auf einschlägigen Jobbörsen. Vertrauen Sie auch den Suchergebnissen außerhalb von „Google for Jobs“. Wie so vieles empfiehlt es sich, sich bei der Jobsuche breit aufzustellen, um sich am Ende passgenau mit seinem Traumarbeitgeber zusammenbringen zu lassen.

Weitere Informationen rund um Ihren Bewerbungsprozess sowie weitere Karrierefragen beantworten wir Ihnen in unserem Karriere-Center.

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