Dennis Fischer

Viele Menschen arbeiten heute in Berufen, die es vor 15 Jahren noch gar nicht gab. Wie können Expertinnen und Experten in einem solchen Umfeld sicherstellen, dass ihr Skillset auch in Zukunft aktuell ist? Und wie stellen Unternehmen sicher, dass ihre Mitarbeitenden up to date bleiben? Darüber sprechen im Hays-Podcast Dennis Fischer, Keynote Speaker für „Future Work Skills“ und Autor und Gerald Fahnenbruck, Senior Department Head Finance and Digital Projects bei Hays.

Das Interview führte Marina Zayats, Beraterin für CEO-Branding und Social Selling.

Marina: Willkommen ihr zwei! Bevor wir in das Thema einsteigen: Was verstehst du eigentlich unter dem Begriff „Future Work Skills“, Dennis? Du machst ja momentan eine Tour durch viele Hochschulen, wo du den Studierenden genau dieses Thema näherbringst.

Dennis: Ich habe es folgendermaßen eingeordnet: Wenn man sich eine Pyramide mit drei Ebenen vorstellt, dann bildet die unterste Ebene Hard Skills ab. Dazu gehören Fähigkeiten, die man klassischerweise an der Uni oder in der Ausbildung lernt. Dazu gehören z. B. Data Analytics oder Maschinenbau. Das ist das Fundament.

Auf der mittleren Ebene dieser Pyramide stehen für mich dann die Methoden-Skills, z. B. Projektmanagement oder agile Methoden wie Design Thinking und Scrum.

Und die Spitze der Pyramide bilden für mich die Future Work Skills, die früher als Soft Skills bezeichnet wurden. Der Unternehmensberater Simon Sinek spricht in seinem Talk in diesem Zusammenhang auch von „Human Skills“.

Zu den Future Work Skills zählen für mich Fähigkeiten wie Kreativität, Empathie, Resilienz, Selbstmanagement und noch einige mehr. Ich habe neun Skills für mich definiert, nachdem ich viele Studien von führenden Vordenkern und Vordenkerinnen auf dem Gebiet gelesen habe, beispielsweise von der OECD oder dem Weltwirtschaftsforum (WEF).


Marina: Die Future Work Skills oder Soft Skills haben in den vergangenen Jahren in der medialen Wahrnehmung große Aufmerksamkeit erzielt. Sind sie denn jetzt auf einmal viel wichtiger als die Hard Skills?

Gerald: In meinem Tagesgeschäft geht es ja um das Matching. Das heißt, Jobs, Aufgaben und Rollen mit den passenden Spezialistinnen und Spezialisten zu besetzen. Es gibt verschiedene Kompetenzen, auf die wir achten, sowohl fachliche als auch methodische und persönliche. Das Fachliche und Methodische ist bei unserer Kundschaft immer noch sehr stark gefragt.

Es wird z. B. häufig über Programmierkenntnisse und Bilanzierung gesprochen. Aber ich bin da absolut bei Dennis. Jobs und Aufgaben verändern sich. Es entstehen neue Jobs, es entstehen neue Aufgaben – und zwar nicht erst in zehn Jahren: Veränderungen ergeben sich heutzutage rasend schnell.

Warum in der öffentlichen Wahrnehmung mehr über die „soften“ Kompetenzen gesprochen wird? Weil Kompetenzen wie z. B. Neugier, Resilienz oder auch das Thema Ambiguitätstoleranz, sich also in unsicheren Umfeldern bewegen zu können, gerade in Umbruchphasen ganz wichtige Fähigkeiten sind.

Ich denke, persönliche Skills, oder eben Future Work Skills, sind die Voraussetzung, um sich auch in Zukunft relevante Fähigkeiten aneignen zu können und zu erkennen, welche Fähigkeiten gefragt sind.


Dennis: Ich denke, dass bei Unternehmen auch deswegen das Fachwissen, also die Hard Skills, noch stärker im Vordergrund steht, weil die Soft Skills nur schwer messbar sind. Ich würde selbst gerne einen Test entwickeln, aber wie will man Resilienz oder Empathie messen?


Marina: Im Begriff „Future Work Skills“ steckt das Wort „Future“. Woher weiß ich denn als Teil eines Unternehmens und auch als Mensch überhaupt, welche Fähigkeiten ich mir jetzt aneignen muss, um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein?

Dennis: Es hört sich so nach entfernter Zukunft an, aber eigentlich meine ich damit Fähigkeiten, die schon heute gebraucht werden.

Aus Unternehmenssicht kann ich jeder Firma nur raten, sich nicht nur auf Studien oder Zukunftsforschende zu verlassen, sondern zu überlegen, welche großen Trends gerade im Anmarsch sind. Dazu gehören Aspekte wie demographischer Wandel, Technologie oder rechtliche Rahmenbedingungen. Die Zukunft ist ja nichts anderes als eine Vorstellung in unserem Kopf. Eine Vorstellung, die wir jetzt haben. Das heißt, wir können die Zukunft aktiv mitgestalten.

Marina: Vermutlich ist auch diese Erkenntnis schon ein Future Work Skill. Zu wissen, dass die Zukunft kein Zug ist, der einfach auf uns zurast, sondern etwas, das wir aktiv gestalten?

Dennis: Ganz genau.

Und für Beschäftigte ist vor allem der Punkt Eigenverantwortung extrem wichtig. In Zukunft arbeite ich wahrscheinlich bei einem anderen Unternehmen oder mache mich selbstständig. Hier sollte ich nicht nur auf die Impulse meines aktuellen Unternehmens achten, sondern auf meine eigenen Stärken und Wünsche schauen. Was kann ich heute schon gut? Wo kann ich in Zukunft meine Stärken noch weiter einbringen? Meiner Meinung nach war es noch nie so leicht, einen neuen Beruf zu finden oder sich vielleicht sogar ein eigenes Berufsbild zu kreieren, das zum eigenen Stärkenprofil passt.

Vor 30, 40 Jahren brauchte man noch viele Menschen mit ähnlichen Eigenschaften, die am Band gearbeitet haben oder Führungskräfte waren, die ja auch sehr vergleichbare Fähigkeiten mitbringen.

Wenn ich heute gut vor der Kamera reden und Computerspiele spielen und analysieren kann, dann werde ich YouTuber und verdiene damit Millionen.
Es wird in Zukunft so viele Berufsbilder geben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Da ist das Wissen über die eigenen Fähigkeiten und Stärken ganz entscheidend. Nur dann kann man diese mit der entstehenden Nachfrage matchen.


Gerald: Absolut. Es gibt immer wieder neue futuristisch klingende Arbeitsbereiche, wie beispielsweise Roboter-Training oder Drohnenverkehrsmanagement.

Was ich aus Unternehmenssicht ebenfalls sehr zentral finde, ist ein konkretes und individuelles Zukunftsbild. Für Unternehmen und für einzelne Abteilungen. Welche Aufgaben habe ich morgen? Wie sehen die entsprechenden Jobs aus? Und dann gilt es zu überlegen, welche Leute bzw. Kompetenzen ich dafür brauche. Das finde ich persönlich sehr wichtig, aber die wenigsten Unternehmen machen das – und wenn doch, dann meist nur in Silos.


Über Dennis Fischer

Dennis beschäftigt sich als Autor und Speaker mit dem Thema Future Work Skills – also den wichtigsten Soft Skills der Zukunft. Sein Motto ist „Skill up!“ und er ist davon überzeugt, dass unsere Soft Skills in den nächsten Jahren deutlich wichtiger werden als unsere Hard Skills. Er hat unter anderem das Buch „52 Wege zum Erfolg" veröffentlicht. Darin fasst er seine Erkenntnisse aus über 500 gelesenen Business-Ratgebern zusammen. Das Buch wurde vom Hamburg Abendblatt als eines der Top-10-Wirtschaftsbücher 2019 ausgezeichnet. Alle wichtigen Infos zu Dennis Fischer finden Sie auf seiner Website.

Über Gerald Fahnenbruck

Gerald beschäftigt sich seit knapp 15 Jahren mit den Themen Zukunft der Arbeit und flexible Arbeitsformen. Sein Credo ist „Einfach machen!“ und er rät Unternehmen seit Jahren, sich frühzeitig und proaktiv auf diesen Wandel einzustellen. Talente zu finden, zu entwickeln und zu binden sollte bereits heute ganz oben auf der Agenda der Top-Entscheider und -Entscheiderinnen stehen. Als Senior Abteilungsleiter verantwortet er bei der Hays AG das Geschäftsfeld Finance Projects, Interim and Digital. Er hilft Unternehmen dabei, sich am Markt gefragtes Know-how sowie externe Ressourcen für Projekte, Lastspitzen und Transformationsthemen zu sichern. Zu diesem Zweck bringt er externe Fachkräfte im Bereich Finance/Digital, Interim-Manager und -Managerinnen oder Beratungsboutiquen mit Firmen zusammen.

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