Die richtigen Talente für das eigene Unternehmen zu finden, ist nicht nur überlebenswichtig für Organisationen, sondern auch richtig kompliziert geworden. Ich würde sagen, es ist fast schon eine Kunst. Eine Kunst, die durch digitale Datenpunkte wunderbar ergänzt wird.

Diese Kunst nennen wir „Finden & Binden“ oder etwas eleganter im Englischen ausgedrückt „Find & Engage“. Die folgenden Zeilen handeln von dem bisherigen Weg des Recruitings, einer Erklärung des Modells und ein paar weiteren Gedanken zu Handlungsansätzen für das neu gedachte Recruiting.

Von „Post & Pray“ sowie „Advertise & Apply“

Früher erschienen Stellenanzeigen in erster Linie in nationalen oder regionalen Tageszeitungen, Fachzeitschriften und Magazinen – und brachten so bei Medienhäusern und Verlagen die Kassen ordentlich zum Klingeln. Inzwischen finden Jobsuchende entsprechende Angebote eher im Internet. Am Prinzip des traditionellen Personalbeschaffungsmodells „Werben & Bewerben“ hat sich jedoch wenig geändert.

Durch die rasante Entwicklung und das Wachstum sozialer Netzwerke und Online-Communitys – allen voran LinkedIn – stößt das Modell „Werben und Bewerben“ zunehmend an seine Grenzen. Denn Jobsuchende können per Mausklick in ihrem Profil festlegen, dass sie über neue Stellen informiert werden möchten – und müssen nun noch weniger Energie darauf verwenden, auf eigene Faust nach neuen Herausforderungen zu suchen. Stattdessen verlassen sie sich darauf, dass Recruiter, HRler oder Personalvermittler ihr Profil finden und ihnen interessante Angebote unterbreiten.

Find & Engage

Find & Engage ist die neue Theorie für zukunftsgerechtes digitales Recruiting. Bei FIND geht es darum, über eine Personalstrategie die richtigen Talente im Internet zu finden, über Content und Targeting effizient anzusprechen und die Daten konform in die eigenen Systeme zu überführen. Unter der Phase ENGAGE verstehen wir das auf Basis von Analytics und Social Signals ausgelöste Ansprechen von potenziellen Kandidaten zur richtigen Zeit über digitale und analoge Kanäle mit dem passenden Inhalt, gefolgt von einem Stellenangebot.

Das kann also bedeuten, dass wir ein Talent über Social Media entdecken, auf die Website leiten, in unsere Datenbank überführen, ein paar Monate lang mit Inhalt per E-Mail bespielen und bei gefundener Passung in den Traumjob vermitteln. Dies funktioniert in allen Vertragsformen, in Personalvermittlung, Zeitarbeit oder Freelancing vergleichbar gut und erprobt.

Was brauche ich als Unternehmen, um Find & Engage erfolgreich umzusetzen:

  • Ein CRM-/ATS-System mit gepflegten, strukturierten Daten
  • Ein Automation Tool wie Hubspot, Marketo oder Salesforce, um automatisierte digitale Kommunikation zu ermöglichen
  • Analytics und Tracking zur Erkennung von digitalen Signalen der potenziellen Kandidaten
  • Ein Content Hub, um die richtigen Inhalte in hoher Anzahl zu erstellen
  • Gut ausgebildete Recruiter, die die digitale Welt verstehen und das Closing übernehmen

Die berühmte Candidate Journey

Die für mich wichtigste Erkenntnis aus unserem Candidate-Journey-Projekt ist der konsequente Perspektivwechsel auf den Kunden, also in diesem Prozess den Bewerber. In allen digitalen Prozessen über Attraction, Conversion, Application, Hiring und Retention, aber natürlich auch in den begleitenden analogen Prozessen. Hier eine Struktur, manchmal komplette Organisationen zu verändern und konsistent auszurichten, ist eine spannende Aufgabe. Auch keine ganz leichte. Ganz sicher lohnt sie sich ab einem bestimmten jährlichen zu rekrutierenden Volumen an neuen Talenten für die eigene Organisation. Die Anbahnung läuft dabei immer häufiger über Social Media.

Social Media ist Gegenwart und Zukunft der Rekrutierung

Ohne eine professionelle und gleichzeitig zielgruppenadäquate Präsenz auf Social Media geht es im Recruiting nicht mehr. Das gilt für Unternehmen, aber auch für die Menschen, die das Recruiting machen; hier kommen die Stichworte Social Selling und Digital Personal Branding zum Tragen. Ich habe den Eindruck, das wird an vielen Stellen auch schon verstanden. LinkedIn, Xing, Facebook und Instagram sind souverän bespielte Kanäle.

Ich frage mich, wie die Entwicklung hier weitergeht. Suchen wir abseits der öffentlichkeitswirksamen One Shots zukünftig strukturiert auf Snapchat, TikTok oder auf individuellen Websites jedes potenziellen Kandidaten? Ich weiß es nicht, halte es aber für erfolgskritisch, Strukturen und Prozesse zu schaffen sowie Menschen an Bord zu haben, die diese Entwicklungen abbilden und schnell adaptieren können. Vom Digital Mindset bis hin zur API.

Einfachheit versus Qualität

Eine Frage, die mir oft gestellt wird, ist, wie man als Unternehmen die Lücke zwischen „einfach bewerben“ via Smartphone (Wunsch des Kandidaten) und „qualitativen Bewerbungen“ (Wunsch des Unternehmens) schließt. Hier ist aus meiner Sicht von beiden Seiten abzuwägen, wie ich mich präsentieren möchte, als Kandidat und als Unternehmen. Ein Anschreiben mag ein bisschen altmodisch scheinen, kann aber in bestimmten Situationen sehr wertvoll sein und ist ja im Grunde ein schriftlicher Elevator Pitch für die Stelle. Genauso ist es für Unternehmen natürlich vonnöten, der gewohnten digitalen Experience des Kunden (am Beispiel Amazon Prime festzumachen) zu entsprechen, also einfach, schnell und convenient. Und das über den gesamten Prozess bis zur Einstellung. Für viele Unternehmen eine Mammutaufgabe ohne externe Hilfe.

Find & Engage wird zum Standardverfahren in der Rekrutierung

Ich bin davon überzeugt, dass sich das Konzept „Finden & Binden“ mittelfristig als Standardverfahren für die Personalbeschaffung durchsetzen wird, vor allem in Marktsegmenten, in denen Fachkräftemangel herrscht oder es aus anderen Gründen schwer ist, neue Mitarbeiter zu finden.

Beschließen möchte ich diesen Blog mit einem Zitat unseres CEOs Alistair Cox: „Noch nie haben sich seitdem Personalbeschaffung und -vermittlung so schnell verändert wie heute. Technische Innovationen, die Dynamik der digitalen Welt, neue Möglichkeiten der Datenanalyse sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz feuern diesen Prozess an. Die grundlegende Frage bleibt jedoch dieselbe: Wie lassen sich die besten Arbeitskräfte für Ihr Unternehmen finden?“

Jetzt mehr erfahren über Find & Engage: Recruiting neu gedacht – Die Kunst der erfolgreichen Personalvermittlung. 

Über unseren Kollegen Stephan Rathgeber

Stephan Rathgeber ist seit Februar 2018 in verschiedenen Rollen Treiber der digitalen Transformation der Hays AG.

Als Head of Sales Enablement ist er derzeit dafür verantwortlich, die 2000 Personen starke Salesforce von Hays zu inspirieren, zu trainieren und zu befähigen sowie die digitale Zukunft erfolgreich zu gestalten.

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