Eine der viel zitiertesten Studien darüber, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirkt, wurde 2013 von Osborne/Frey veröffentlicht. Ganz oben auf der Liste der Jobs, die durch wegfallen würden, standen Buchhalter und Controller. Und heute, im Jahr 2019? Ist das vor sieben Jahren gemalte Schreckensszenario nicht eingetreten.

Die Realität zeichnet ein anderes Bild

Unser Index für Finance-Fachkräfte ist im 1. Quartal 2019 auf einen neuen Höchstwert geklettert. Für diesen Index werten wir seit 2015 Stellenanzeigen aus. Seither ist er über alle Finance-Positionen hinweg um über 60 Prozent angestiegen.

Das heißt: Im letzten Quartal gab es deutlich mehr Stellenanzeigen als noch vier Jahre zuvor – dies betrifft im Übrigen auch Buchhalter und Controller. Die Realität spricht also eine andere Sprache.

Auch unser jährlicher HR-Report sieht eher positive Effekte der Digitalisierung auf die Beschäftigung der Finance-Experten. Natürlich sind die Job-Aussichten für IT-Fachkräfte, Forscher oder Vertriebler in Summe rosiger. Nichtsdestotrotz erwarten ein Drittel der Befragten für den Finance-Bereich eher positive und nur gut jeder Zehnte negative Entwicklungen in Sachen Arbeitsplätze.

Das hat uns doch etwas überrascht. Nun sollten wir subjektive Einschätzungen nicht immer für bare Münze nehmen. Sie sind Momentaufnahmen und grundsätzlich ist es fast unmöglich, die Zukunft exakt zu vorherzusagen.

Zudem halte ich die Frage, wie sich die bestehenden Finance-Jobs im Zuge der Digitalisierung verändern, für mindestens genauso spannend. Das haben wir selbst in der Hand: Was bedarf es, um über die gesamte Berufslaufbahn hinweg in dynamischen Umfeldern beschäftigungsfähig zu bleiben?

Mentale Kompetenzen bestimmen über künftigen beruflichen Erfolg

Meiner Einschätzung nach spielt die Musik dabei künftig weniger bei den fachlichen und mehr bei den Persönlichkeitskompetenzen. Die ruhigen Bahnen, in denen sich der Finanzbereich jahrelang bewegte, sind Vergangenheit.

Um die digitalen Wege zu gestalten, sind eine aktive Veränderungsbereitschaft und ein konstruktiver Umgang mit Unsicherheit vonnöten. Denn das Plan- und Regelbare – eigentlich die Domäne des Finanzbereichs – wird von den schnelllebigen Märkten oft konterkariert. Nicht mehr alles im Griff zu haben und mit schwankenden Zahlen zu leben, entwickelt sich daher zu einer notwendigen Kernkompetenz.

Umso wichtiger wird es für Finance-Mitarbeiter, eine noch größere Nähe zum Business zu entwickeln. Mehr denn je müssen sie sich mit anderen Bereichen absprechen, um gemeinsam die generierten Zahlen zu verstehen und zu interpretieren. Die ruhige Kammer ist geräumt, stattdessen geht es nun in interdisziplinäre und kommunikative Räume, in denen sich prozessaffine Finanz-Experten mit agil getakteten Mitarbeitern vernetzen.

Nur auf diese Weise können sie künftig ihre geschäftssteuernde Funktion wahrnehmen. Diese ist mehr denn je von Bedeutung, um dem Business Erkenntnisse aus den Zahlen zu liefern.

Der große Key-Treiber: Big Data

Dass Finance dafür über eine hinreichende Kompetenz in IT-Themen verfügen sollte, versteht sich von selbst. Waren es bis vor einigen Jahren noch das Wissen über SAP FI und über Business-Intelligence-Werkzeuge, geht es jetzt auch für Finanzer in Richtung Big Data, intelligenter Datenauswertung und um das Modellieren von Szenarien. In schnelllebigen und unbestimmteren Zeiten müssen wir lernen, in Szenarien zu denken und zu leben und danach eine Organisation auszusteuern – in enger Kooperation mit den Fachexperten.

Wir reden also von einer notwendigen Evolution der Kompetenzen, um im Spiel zu bleiben. Natürlich ist hierfür eine hohe Lernbereitschaft und Lernfähigkeit die Basis, die für alle Mitarbeiter gilt. Finanzer sollten sie als Chance nutzen, sich immer wieder neu zu erfinden.

Über unseren Kollegen Markus Auer

Diplom-Betriebswirt Markus Auer begann seine berufliche Karriere 1996 bei Bilfinger, wo er mehrere Jahre sowohl in operativen Management als auch in Zentralfunktionen tätig war, u.a. als Geschäftsführer der Engineering-Gruppe GKW sowie als Head of Group Controlling und Group Internal Audit.

Nach einer Funktion als kaufmännischer Spartenleiter bei der finnischen Consulting- und Engineering-Gruppe Pöyry war er zuletzt Group CFO des Planungs- und Beratungsunternehmens Lahmeyer, wo er aktiv den Verkauf vom deutschen Private Equity Gesellschafter Capiton an den französischen Energiedienstleister ENGIE gestaltete. Neben den klassischen kaufmännischen Funktionen leitet Markus Auer bei Hays das Strategieressort und zeigt sich in zahlreichen IT-Projekten und durch seine Verantwortung für das Hays Innovation Lab verantwortlich für die Digitale Transformation der Organisation.

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