Eine starke Feedbackkultur stärkt das Vertrauen, hilft dabei, Arbeitsprozesse zu optimieren und die Leistung zu verbessern. Aus Fehlern lernen wir, Lob stärkt das Selbstvertrauen und die Motivation. Die positiven Effekte von Feedback wirken jedoch nur, wenn die Rückmeldung angenommen wird.

Denn zu einem erfolgreichen Feedbackgespräch gehört auch, das Gehörte zu reflektieren und das eigene Verhalten zu ändern. Das ist gar nicht so einfach – Kritik hört schließlich niemand gern und selbst auf Lob reagieren viele mit Abwehr. Doch Feedback konstruktiv anzunehmen ist keine Kunst, sondern lässt sich erlernen.

Selbstbild versus Fremdbild

Wie Sie sich selbst wahrnehmen und wie andere Sie sehen, weicht oftmals voneinander ab. In einem Feedbackgespräch wird das beispielsweise deutlich, wenn Kritik überrascht. Das Selbstbild setzt sich aus unterschiedlichen Dimensionen zusammen:

  • wertende Elemente: die Selbsteinschätzung zu Ihrer Persönlichkeit
  • kognitive Elemente: die Wahrnehmung Ihrer Eigenschaften
  • emotional-affektive Elemente: Ihre Antriebskräfte und Selbstliebe

Das Fremdbild wird in hohem Maße von den Erfahrungen des Gegenübers bestimmt – von denen, die er selbst, aber auch von denen, die andere mit der Person gemacht haben – und beeinflusst den Umgang miteinander.

Vom Fremdbild hängt wiederum auch das Selbstbild ab: Ein positives Eigenverständnis stärkt und verleiht Selbstbewusstsein, ein negatives kann zu einer Abwertung des Selbstwertgefühls führen. Die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, ist eine Herausforderung. Die Reaktionen auf Kritik – insbesondere auf positive – ähneln sich daher stark. Das sogenannte SARA-Modell stellt die typischen Phasen vor:

  • Shock (Schock) oder auch die Negation ist die erste Reaktion auf einen Tadel. Selbst- und Fremdbild gehen auseinander und das wird – zunächst – nicht zugelassen.
  • Anger (Wut) und Ablehnung folgen nach dem Motto: „Daran müssen andere Schuld sein!“
  • Resistance (Widerstand) auf notwendige Veränderungen des Verhaltens oder der Arbeitsleistung gehört zu den Reaktionen, die Vorgesetzten das Leben schwer machen können.
  • Acceptance (Akzeptanz) ist oftmals die Folge einer intensiven Reflexion: Das Feedback wird akzeptiert, das Selbstbild gegebenenfalls angepasst und Veränderungen werden angegangen.

Aktives Zuhören

Ob der Chef von den Mitarbeitern bewertet wird, im 90-Grad-Feedback die Eigeneinschätzung sowie das Feedback des Gegenübers auf der Agenda stehen oder im klassischen Mitarbeitergespräch – im ersten Schritt geht es um aktives Zuhören. Gehen Sie keinesfalls in die Defensive, wenn Sie kritische Punkte hören. In diesem Fall nehmen Sie das Gesagte meist nicht mehr vollständig wahr, schalten ab – und verpassen womöglich wertvolle Tipps und Denkansätze.

Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden und nehmen Sie sich anschließend die nötige Zeit, das Gehörte zu überdenken. Bitten Sie nach dem Feedbackgespräch um Zeit zum Nachdenken und teilen Sie später mit, welche Konsequenzen Sie aus dem Gespräch ziehen.

Nicht rechtfertigen

Das Gegenüber teilt Ihnen seinen subjektiven Eindruck mit. Beherrscht er die Regeln eines guten Feedbackgesprächs, hat das nichts mit seiner persönlichen Meinung zu tun. Er teilt Ihnen möglichst neutral mit, was er beobachtet hat. Da gibt es wenig zu revidieren – und deshalb sollten Sie sich niemals rechtfertigen.

Nehmen Sie das Feedback an, reflektieren Sie, was Sie daraus lernen und in Zukunft besser machen können. Es ist durchaus erlaubt, die eigene Wahrnehmung zu schildern. Beide Ansichten können nebeneinanderstehen, ohne dass eine Bewertung erfolgt. Dann erleben beide Seiten das Feedbackgespräch auf Augenhöhe – und nur so führen offene Worte zu den gewünschten Ergebnissen.

Stellen Sie Fragen

Um zu verstehen, was der Feedbackgeber meint, ist es durchaus erlaubt, nachzufragen. Sie möchten schließlich aus dem Feedbackgespräch wichtige Rückschlüsse für Ihr Berufsleben ziehen.

Ist Ihnen das Gesagte nicht konkret genug, bitten Sie um Beispiele, etwa um die Beschreibung einer bestimmten Situation. Fragen Sie auch nach den Erwartungen des Gegenübers, falls er sie nicht von sich aus formuliert: Welches Verhalten oder welche Arbeitsleistung erwartet er in Zukunft von Ihnen? Was sollen sie besser, was anders machen? Stellen Sie sicher, dass Sie zum Abschluss des Gesprächs genau wissen, was Ihr Gegenüber von Ihnen verlangt und welche Punkte er kritisiert.

Lobhudelei leicht gemacht: Positives Feedback annehmen

Nicht immer bedeutet Feedback Kritik. Lob hört jeder gern – doch darauf zu reagieren, fällt vielen ebenso schwer, wie Kritik anzunehmen. Wehren Sie auch positives Feedback nicht ab. Nehmen Sie es an, bedanken Sie sich – und natürlich: Sie dürfen sich darüber freuen.

Eine Gefahr lauert jedoch im Anschluss: Ruhen Sie sich nicht auf Ihren Lorbeeren aus. Positive Rückmeldungen und Lob können motivieren, aber auch dazu führen, dass die Leistung nachlässt, getreu nach dem Motto: „Ich bin ja schon gut, da brauche ich nicht besser zu werden.“

 

Der richtige Zeitpunkt

Feedback erfordert Zeit, die Sie sich nehmen sollten. Wird Ihnen ein Feedbackgespräch zwischen zwei Meetings, kurz vor Abschluss eines umfangreichen Projekts oder zu einem anderen unpassenden Zeitpunkt angeboten, scheuen Sie sich nicht davor zurück, das Gespräch zu verschieben. Kommunizieren Sie dies offen und teilen Sie dem Feedbackgeber mit, dass Sie sich seine Meinung in Ruhe anhören möchten.

Fragen Sie nach Feedback

Wer nie eine Rückmeldung zu seiner Arbeit erhält, weiß nicht, ob er sie richtig macht – und fällt womöglich aus allen Wolken, wenn die Ergebnisse ausbleiben, Kollegen oder Vorgesetzte sich beschweren.

Ob Mitarbeiter oder Führungskraft: Feedback ist wichtig und Sie sollten es daher einfordern. Fragen Sie nach einem Mitarbeitergespräch und/oder fordern Sie Ihr Team dazu auf, Sie zu bewerten. Seien Sie sicher: Sie werden davon profitieren.

Feedback als Chance

Feedback ist eine Möglichkeit, besser zu werden, das eigene Kompetenzprofil zu schärfen und die Selbstwahrnehmung auf den Prüfstand zu stellen. Das ist nicht immer angenehm, bringt Sie jedoch weiter. Bedanken Sie sich für jede Art von Feedback. Für den Feedbackgeber bedeutet es Mühe und Aufwand, Ihnen seine Eindrücke mitzuteilen – und es zeigt, dass Sie ihm etwas Wert sind.

Lesen Sie auch in unserem letzten Hays-Blogbeitrag wie Sie Feedback richtig geben und dadurch eine starke Feedbackkultur in Ihrem Unternehmen entwickeln. 

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