© ra2 studio - Fotolia.com

In unserem Blog haben wir den Fachkräftemangel immer wieder thematisiert, weil er die Arbeitswelt enorm beschäftigt. Ihre Kommentare zu unseren Posts zeigen: Es gibt kein einheitliches Bild, ob es der deutschen Volkswirtschaft an Fachkräften mangelt. Wie so oft steckt in vielen Meinungen ein Körnchen Wahrheit. Oft hilft es daher, genauer hinzuschauen – auf das Spezielle, nicht das Allgemeine.

In meiner Wahrnehmung gibt es vor allem dort einen Mangel an Experten, wo neue Themen entstehen, die Unternehmen aufgrund ihrer hohen Relevanz schnell aufgreifen (während andere Themen nur einen medialen Hype entfachen, der aber auf dem Arbeitsmarkt nicht ankommt). Bei aktuellen Themen – wie z.B. IT Security in immer komplexeren IT-Landschaften, der hardwarenahen Softwareentwicklung oder Big Data – sind häufig nicht genügend Experten mit der benötigten Qualifikation verfügbar.

Neue Berufsbilder = Nicht genug Fachkräfte

Das liegt wohl daran, dass bei innovativen Themen die benötigten Qualifikationen noch kaum umrissen, geschweige denn anerkannte und fundierte Ausbildungen für diese neuen Berufsbilder vorhanden sind. Bis sich das gesamte Bildungssystem mit entsprechenden Curricula und Zertifikaten darauf eingestellt hat, vergeht Zeit. So flexibel ist unser Bildungssystem leider nicht. In dieser Zeitspanne fehlen häufig Experten für die steigende Nachfrage.

Stichwort Ingenieure! Auch hier ist der Stempel Ingenieurmangel sehr pauschal. Ja, es gibt auf einigen Fachgebieten für Ingenieure eine Schieflage. Gerade bei den neuen Themen, wie Industrie 4.0, in denen sich Ingenieur- und IT-Wissen verbinden. Umgekehrt gibt es aber ebenso Ingenieurtätigkeiten, die nicht mehr gefragt sind und in die Arbeitslosigkeit münden. Hier könnten noch stärker als bisher gezielte und konzertierte Aktionen initiiert werden, um mehr nachgefragte Ingenieure auf den neuesten Stand zu bringen, damit sie wieder für den Arbeitsmarkt attraktiv sind.

Employability auf 4.0-Niveau

Es steht ohnehin auf breiter Front an, Qualifikationen schnell aufzufrischen oder neue flexibel zu entwickeln. Lebenslanges Lernen ist mehr denn je angesagt. Das Tempo der Märkte erhöht sich ständig. Nicht umsonst zieht sich durch unsere Studien wie eine „never-ending story“ der steigende Bedarf an Spezialwissen. Je schneller alle Beteiligten – Unternehmen wie öffentlicher und privater Bildungssektor – die veränderten Anforderungen an Qualifikationen abbilden, umso seltener entstehen Mängel auf dem Arbeitsmarkt. Denn alle Berufstätigen sind daran interessiert, stets über das Wissen zu verfügen, das auf den Arbeitsmärkten gefragt ist: das gute alte Thema Employability, nun auf 4.0-Niveau.

Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass es wieder mehr Studierende in ingenieurnahen Disziplinen gibt. Weil sie um ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt wissen. Was dagegen nicht hilft, sind Großprognosen über den Arbeitsmarkt in zwanzig Jahren. Oft extrapolieren sie nur demografische Zahlen und lassen die Dynamik der Wirtschaft und damit der Arbeitsmärkte außen vor. Aber genau sie sollte man im Auge behalten und schnell agieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel