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In unserem Blog haben wir den Fachkräftemangel immer wieder thematisiert, weil er die Arbeitswelt, den Arbeitsmarkt und das Land enorm beschäftigt. Es gibt jedoch kein einheitliches Bild, ob es der Wirtschaft wirklich an Fachkräften mangelt oder ob trotz des demografischen Wandels eigentlich das Angebot die Nachfrage bestimmt.

Fachkräftemangel Deutschland: Status quo

In meiner Wahrnehmung gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel, sondern Engpässe in einzelnen Sektoren. Vor allem dort gibt es einen Mangel an Experten, wo neue Themen entstehen, die Unternehmen aufgrund ihrer hohen Relevanz schnell aufgreifen.

Beispielhaft wären hier Mixed Teams, immer komplexere IT-Landschaften, E-Commerce oder Big Data zu nennen. Für genau diese Bereiche stehen häufig nicht genügend Experten mit der benötigten Qualifikation zu Verfügung. Andere Themen entfachen hingegen nur einen medialen Hype, der jedoch auf dem Arbeitsmarkt nicht ankommt.

Fachkräftemangel: Welche Branchen sind betroffen?

So sind es dann eben nicht nur die Wucht und die Geschwindigkeit der technischen Entwicklungen und bei der Entwicklung von Produkten, die den Hemmschuh darstellen, sondern vor allem auch die Vielfalt der Entwicklungsthemen in den Branchen.

Engineering

Stichwort Ingenieure! Der Stempel „Ingenieurmangel“ wurde in den letzten Jahren fast schon pauschal vergeben. Ja, es gibt auf einigen Fachgebieten für Ingenieure eine Schieflage. Gerade bei den neuen Themen, wie Industrie 4.0, Internet of Things (IoT) oder Cloudlösungen, in denen sich Ingenieur- und IT-Wissen verbinden.

Umgekehrt gibt es aber ebenso Ingenieurtätigkeiten, die nicht mehr gefragt sind. Und genau hier müssten der Staat und die Wirtschaftsunternehmen ansetzen: eine qualifizierte und zeitgemäße Weiterbildung anbieten, sodass nachgefragte Ingenieure auf dem neuesten Stand sind und für den Arbeitsmarkt als Fachkraft wieder attraktiv sind.

Banking & Finance

Der anhaltende Regulierungsdruck (Basel III), die Nullzinspolitik der EZB und Crowdfunding-Plattformen stellen die Bankenbranche aktuell vor massive Herausforderungen, den hierfür notwendigen Personalbedarf zu decken.

Die Banken suchen für die Herausforderung bei den neuen digitalen Themen im Beruf vor allem junge Generalisten mit einer branchen- und themenübergreifenden Erfahrung.

Absolventen haben hierbei gute Chancen durch ihren neuen, unverbrauchten Blick auf die Anforderung der Digitalisierung.

Pharma

Auch in der Pharmabranche spielt der Fachkräftemangel eine große Rolle. Die Fachbereiche stehen vor der Herausforderung, mehr Entwicklungsprojekte in kürzeren zeitlichen Rahmen und in einem immer komplexeren Arbeitsumfeld umzusetzen.

Vor allem Quality Manager erfreuen sich aktuell einer großen Nachfrage. Doch auch wenn die Nachfrage hoch ist und die Zahlen gut aussehen: Wo findet man „die Fachkraft“? Den einen Mitarbeiter, der das Rundum-sorglos-Paket mitbringt und Probleme schnell und effizient löst?

Mehr Informationen zu den neuen Themen, Kompetenzen und Strukturen in den oben genannten Branchen finden Sie auch in unseren Studien.

Fachkräftemangel

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Der Fachkräftemangel steht und fällt mit der Bildung

Die Aus- und die Weiterbildung der Fachkräfte, die diese optimal auf die neuen Themen und die Arbeit im digitalen Zeitalter vorbereiten soll, steht und fällt mit der Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen. Denn für viele Jobs der Zukunft mit neuen Berufsbildern gibt es noch keine anerkannte Ausbildung.

Die Unternehmen fördern folglich gemischte Teams, bauen Projektarbeit aus und fördern den Wissenstransfer durch externe Mitarbeiter. Denn bis sich das gesamte Bildungssystem mit entsprechenden Curricula und Zertifikaten darauf eingestellt hat, vergeht Zeit. So flexibel ist unser Bildungssystem leider nicht. In dieser Zeitspanne fehlen häufig Experten für die steigende Nachfrage.

Employability auf 4.0-Niveau

Es steht ohnehin auf breiter Front an, Qualifikationen schnell aufzufrischen oder neue flexibel zu entwickeln. Lebenslanges Lernen ist mehr denn je angesagt. Das Tempo der Märkte erhöht sich ständig. Nicht umsonst zieht sich durch unsere Studien wie eine „never-ending story“ der steigende Bedarf an Spezialwissen.

Je schneller alle Beteiligten – Unternehmen wie öffentlicher und privater Bildungssektor – die veränderten Anforderungen an Qualifikationen abbilden, umso seltener entstehen Mängel auf dem Arbeitsmarkt. Denn alle Berufstätigen sind daran interessiert, stets über das Wissen zu verfügen, das auf den Arbeitsmärkten gefragt ist: das gute alte Thema Employability, nun auf 4.0-Niveau.

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