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Der Balanceakt zwischen Automatisierung und manueller Arbeitskraft, die Auswirkung von Chatbots auf die Arbeitgebermarke, der zunehmende Fachkräftemangel bzw. das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage – das sind nur einige der Trends, die nach Einschätzung der Hays-Experten den Recruitment-Markt im Jahr 2019 prägen werden.

Viele Unternehmen haben für 2019 vor allem ein Ziel: mehr Wachstum. Aber da sich die Kluft zwischen Nachfrage und Angebot weiter verschärft, müssen Sie für erfolgreiches Wachstum insbesondere im Bereich der Fachkräfte proaktiv handeln und dabei die richtige Balance zwischen dem Einsatz neuer Technologien und den „Human Skills“ finden.

Das hier sind meines Erachtens nach die führenden Trends im Bereich Fachkräfte:

1. Integration des „Faktors Mensch“ bei der erfolgreichen Integration der Automatisierung

„Werde ich womöglich durch einen Roboter ersetzt?“ Das war eine Frage, die 2018 häufig gestellt wurde. Da das Augenmerk der Arbeitgeber nun aber immer mehr darauf liegt, dass Mensch und Roboter Hand in Hand zusammenarbeiten, lautet die Frage ein Jahr später eher: „Welche Teilbereiche meiner Stelle werden automatisiert?“

Elon Musk hat 2018 auf Twitter– angesichts der Verzögerungen bei der Fertigung des Tesla Modell 3 – selbst zugegeben: „Die exzessive Automatisierung bei Tesla war ein Fehler ... Der menschliche Faktor wird unterschätzt.“ Unternehmen lernen aus solchen Fehlern. 2019 wird ihnen daher daran gelegen sein, ein möglichst wirkungsvolles, ethisch vertretbares und wertschöpfendes Zusammenspiel aus Automatisierung und Mitarbeiter herzustellen, bei dem die Produktivität nicht mehr allein im Vordergrund steht.

Hinterfragen Sie also Öfters wirklich die Sinnhaftigkeit einer Voll- oder Teilautomatisierung. Es gibt durchaus Tätigkeiten, die manuell noch Sinn machen.

2. Mitarbeiter auf dem Weg in Richtung KI begleiten

Steht die Entscheidung für eine robotergestützte Automatisierung oder künstliche Intelligenz zur Effizienzsteigerung der Betriebsabläufe fest, müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter auf diesem Weg mitnehmen.

Für die Mitnahme braucht es allerdings mehr als E-Mails, Plakate und Guerilla Kampagnen. Um Ihre Belegschaft auf diesen massiven Change entsprechend vorzubereiten, braucht es ein solides und wohlüberlegtes Change Management. Nehmen Sie die Bedenken der Mitarbeiter erst und nehmen Sie ihnen die Angst, dass derartige Technologien ihren Lebensunterhalt bedrohen könnten.

Dazu gehört, die Beweggründe für die Entscheidung transparent zu erläutern und darzulegen, welche Nutzen sich daraus für die einzelnen Arbeitskräfte ergeben, z. B. bei der Erfüllung alltäglicher Aufgaben und der Weiterentwicklung ihrer Karriere durch das Erlernen neuer Fähigkeiten.

3. Weiterbildung im digitalen Bereich bindet Fachkräfte

Große Marken wie Apple, BASF oder Mercedes investieren bereits in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter im digitalen Bereich: Es ist daher zu erwarten, dass sich das Konzept des lebenslangen Lernens 2019 auf breiter Front durchsetzen wird.

Durch interne Weiterbildung sichert sich ein Unternehmen einen Pool an Arbeitskräften, die in der Lage sind, aktuelle Kompetenzlücken zu füllen.

Einen vermutlich noch größeren Nutzen und Mehrwert hat jedoch eine vom Unternehmen angebotene Leistung, die von den Mitarbeitern aktiv nachgefragt wird und für sie ein Grund ist, beim Unternehmen zu bleiben. Laut unseren Hays Salary Guides für 2018-19 und unserem HR-Report 2018 sind mehr und mehr Mitarbeiter an einer Arbeitsstelle interessiert, die kontinuierliche Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

4. Big Data gewinnt weiter an Einfluss

Big Data ist nicht länger allein Großunternehmen vorbehalten. Durch zunehmend einsatzfertige Datenmanagement-Tools entfallen immer mehr technologische Hürden, sodass auch kleinere Unternehmen in diesem Bereich zu den Großkonzernen aufzuschließen können – vor allem der Mittelstand.

Unternehmen jeder Größenordnung können sich Big Data zunutze machen und neue Erkenntnisse für ihre Geschäftsaktivitäten gewinnen. 2019 wird der Schwerpunkt darauf liegen, Experten zu rekrutieren, die mehr Datenpunkte, vor allem bisher ungenutzte Dark Data, auswerten und – das ist besonders wichtig – daraus konkrete Maßnahmen ableiten. Rollenbilder wie beispielsweise Softwareentwickler, Data Scientist, Data Engineer, Systemarchitekten und Cyber Security Spezialisten stehen auch 2019 ganz oben auf der Liste der Unternehmen. Zu erwarten sind auch immer strengere gesetzliche Datenschutzvorschriften, sodass auf diesem Gebiet die Nachfrage der Arbeitgeber steigen wird.

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5. Die Verlockung von Chatbots: Potenzielle Auswirkungen auf eine Arbeitgebermarke

Konversationsfähige künstliche Intelligenz wird 2019 bei der Personalbeschaffung noch umfassender zum Einsatz kommen. Unternehmen müssen in diesem Zusammenhang jedoch genau prüfen, welche potenziellen Auswirkungen diese auf die Arbeitgebermarke hat.

Chatbots werden bereits für den Erstkontakt zu Bewerbern eingesetzt, da diese auf Grundlage fester Regeln und Algorithmen personalisierte Antworten auf Standardfragen liefern. Auch wir bieten neben Kontaktmöglichen über Website, Telefon und Social Medaia Chatsbot-Erstkontakt an und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, da sich viele Themen gut clustern lassen und sowohl Unternehmen, als auch Kandidaten, schnell Antwort auf ihre Fragen erhalten.

Dennoch dürfen Unternehmen nicht aus den Augen verlieren, dass am Ende der Leitung eine Person sitzt, die sich eine gute Betreuung mit einer schnellen Antwortrate verspricht. Patzen Unternehmen an dieser wichtigen Stelle des Erstkontakts, entsteht ein negatives Markenimage.

Gegen ein "Supported by Technology" werden allerdings die wenigsten Kunden etwas haben.

6. Fehlende Flexibilität führt zu Abstrichen bei Attraktivität und Bindung

Nur noch wenige Berufstätige arbeiten zu den ganz klassischen Bürozeiten von 9 bis 17 Uhr. Das Konzept fester täglicher Arbeitszeiten war 2018 jedoch ein vorherrschendes Thema.

Eine Befragung in Irland, an der 1.000 Arbeitnehmer teilnahmen, ergab, dass 32 % zu längeren Arbeitstagen bereit wären, wenn stattdessen die Arbeitswoche kürzer ausfiele. Der neuseeländische Finanzdienstleister Perpetual Guardian bietet seinen Angestellten die Möglichkeit einer Viertagewoche, nachdem ein Probelauf gezeigt hatte, dass sich dadurch die Produktivität erhöht und der Stress reduziert.

Immer mehr Arbeitnehmer betrachten Flexibilität – hinsichtlich Arbeitszeit und -ort – als die Norm. Daher droht jedem Unternehmen, das sich gegen flexible Arbeitsmodelle sperrt, im Jahr 2019 ein Attraktivitätsverlust und eine Schwächung der Mitarbeiterbindung.

7. Vorsicht, Mismatch!

Das Missverhältnis zwischen den Fähigkeiten, die Bewerber mitbringen, und den Fähigkeiten, die Arbeitgeber benötigen, wird sich weiter verstärken.

Obwohl ein Arbeitskräfteangebot vorhanden ist, wird es für Arbeitgeber 2019 schwieriger sein, Kandidaten mit dem benötigten Fachwissen einzustellen. Dies gilt insbesondere in hochspezialisierten Branchen und für Stellen, die hochqualifizierte Fachleute erfordern, etwa im IT-Bereich, im Ingenieurwesen oder in der Finanzdienstleistungen.

Unternehmen sollten sich nun langsam von der Traum-Illusion der Eierlegenden Wollmilchsau verabschieden: Viele Bewerber, die fachlich gut geeignet wären für Stelle, versinken oftmals in Selbstzweifel und versenden keine Bewerbung, da Unternehmen utopische SKill-Vorstellungen haben – und oftmals lächerliche Gehälter anbieten.

Dies wird folglich auch in 2019 weiterhin eine Herausforderung bleiben: Funktionierende Strategien zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften und deren Umsetzung.

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8. Schwerpunkt auf Spezialisierung und strategischem Denken

Arbeitgeber werden sich darauf konzentrieren, ihre Teams hinsichtlich Fachwissen und Denkweise breiter aufzustellen. Angesichts der technologischen Revolution und schnelllebigen Arbeitswelt von heute halten Arbeitgeber nach Bewerbern Ausschau, die in der Lage sind, im Hinblick auf den Einsatz neuer Technologien, Trends und Chancen strategisch zu denken und dadurch Mehrwerte und Nutzen für das Unternehmen zu generieren.

Die Beherrschung und tägliche Nutzung moderner Tools sind das Eine, eine vernünftige Conclusio auf den Erkenntnissen zu ziehen, hingegen jedoch das Andere.

9. Fähigkeit zum Dialog: Sie haben es immer noch mit Menschen zu tun

Technologisch bedingte Umbrüche werden dazu führen, dass alle Unternehmensbereiche Mitarbeiter mit kommunikativen Skills benötigen. Die Projektkommunikation wir weiter zunehmen und auch Stakeholder erwarten regelmäßige Updates.

Es sind also nicht nur die fachlichen Qualifikationen, die eine besondere Rolle spielen, sondern auch mentale Kompetenzen, wie bspw. Veränderungsbereitschaft, den Mut, Neues auszuprobieren sowie Wissbegierigkeit.

10. Der wichtigste Trend: Bleiben Sie authentisch

Bei all der Digitalisierung gilt immer noch: Bleiben Sie authentisch, hinterfragen Sie Prozesse kritisch und denken Sie vor allem daran, dass Sie es mit Menschen zu tun haben.

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