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Den Spruch kennen wir fast alle: Vor lauter Bäumen sehen wir den Wald nicht mehr. Weil wir uns verzetteln, uns in Details verbeißen. Statt unsere Perspektive zu ändern und uns ab und an auf einen Hügel zu begeben. Dann nehmen wir den ganzen Wald wahr. Hoffentlich. Das gilt auch für Unternehmenskultur.

Begebe ich mich zurzeit auf diesen Hügel und blicke von ihm aus auf die Digitalisierung in Unternehmen, sehe ich viele Projekte, viele Initiativen und jede Menge neuer Ansätze. Nur: Ein Gesamtbild entsteht nicht in meinem Kopf. Als ob wir vor lauter digitalen Lösungen und Techniken nicht sehen würden, worum es im Kern – zumindest meiner Meinung nach – eigentlich geht: uns an den Bedürfnissen der Kunden zu orientieren.

Unternehmenskultur als Leuchtturm

Dies funktioniert jedoch nur, wenn die Kultur einer Organisation dies ermöglicht. Hier gilt Ähnliches wie oben gesagt: Wir können uns ohne Ende in digitalen Lösungen austoben und so ziemlich alles an Prozessen automatisieren. Das sind – um in der Metapher zu bleiben – die Bäume. Ein richtiger Wald entsteht jedoch nur, wenn sich auch die Kultur verändert.

Und genau dies ist schwierig. Technologien sind vergleichsweise einfach einzuführen – egal, ob über ein Wasserfallprojekt oder agil über Scrum. Denn Methoden sind für uns vertrautes Terrain. Doch wie werden unsere Kulturen offener, kundenorientierter, partizipativer, vernetzter? Und wie verändern wir unsere immer noch industriell-tayloristisch geprägten Strukturen mit deren engen Verdrahtungen in der Unternehmenskultur?

Mal da eine Schraube drehen und da die Säge ansetzen – das mag an der einen oder anderen Stelle funktionieren. Quick wins – aber wirkt das nachhaltig? Aus systemischer Sicht richtet sich eine Kultur neu aus, wenn die Entscheidungs- und die Kommunikationswege verändert werden. Ich teile diese Sicht. Wenn die formal geregelten Verbindungen neu justiert werden, wenn an der Organisationsstruktur gebaut wird, wirkt sich dies unmittelbar auf die Kultur aus. Wie dies geschieht, ist schwer vorherzusehen, denn Kultur ist unberechenbar.

Unternehmenskultur in der Digitalen Transformation

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Die Digitale Transformation hat soziale und technologische Aspekte

Nur wenn der digitale Wandel Hand in Hand mit einer kulturellen Transformation geht, gelingt es Organisationen, in eine neue Welt aufzubrechen. Digitale Lösungen können Systeme vernetzen, aber noch lange nicht Menschen. Das Potenzial von Unternehmen liegt jedoch – ja, das ist eine Binsenwahrheit – in den Menschen. Der Grad ihrer Vernetzung und ihrer Kooperation entscheidet darüber, ob Organisationen in der digitalen Welt erfolgreich sind.

Stand heute ist es noch ein dickes Brett, Technologien zu einem integrierten System zu verknüpfen. In der mittelfristigen Zukunft wird dies dagegen ein Déjà-vu sein. Unternehmen, denen es darüber hinaus gelingt, ihre Mitarbeiter auf ein anderes kulturelles Niveau zu heben, räumen den Markt ab.

Um es auf eine Formel zu bringen: Kundenorientierung ist die äußere Seite der digitalen Medaille und die kulturelle Transformation ihre interne. Ein Guthaben kreieren wir für unser Geschäft, wenn wir in beide Seiten gleichermaßen investieren.

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