Netzwerken wird von unzähligen Business-Ratgebern und Studien als eine zentrale Fähigkeit für beruflichen Erfolg aufgeführt. Zu Recht, denn durch unsere Kontakte werden wir auf neue Jobmöglichkeiten aufmerksam, erweitern unseren Horizont und knüpfen durch Empfehlungen weitere wertvolle Verbindungen.

Die aktuelle Krise rund um Covid-19 und das damit einhergehende „Social distancing“ müssen dem Beziehungsauf- und -ausbau dabei jedoch keinen Riegel vorschieben. Ganz im Gegenteil: Gerade jetzt bietet es den Menschen, die bisher nur analog genetzwerkt haben, die Möglichkeit, ihre digitale Networking-Kompetenz zu stärken.

Was bedeutet eigentlich Networking?

Unter Networking versteht sich grundsätzlich alles, was mit dem Auf- und Ausbau Ihres (Business-)Beziehungsgeflechts zu tun hat.

Dabei ist es wichtig, sich klar zu werden, mit welchen Menschen ich Beziehungen aufbauen möchte, um z. B.:

  • meinen Horizont zu erweitern (breiter Fokus);
  • heute einen guten Job machen zu können (Kollegen, Vorgesetzte, Kunden, Lieferanten);
  • meine Karrierepläne zu unterstützen (enger Fokus auf z. B. Vorbilder, Mentoren).

Gleichzeitig sollte ich mich fragen: Was habe ich den verschiedenen Menschen, mit denen ich eine Beziehung aufbauen möchte, zu bieten? Meine Expertise, mein Netzwerk oder einen unverbrauchten Blick auf die Dinge? Diese Selbstreflexion ist die Basis für gelungene Business-Beziehungen.

Doch beim Netzwerken geht es nicht einzig um das schnelle Erreichen des nächsten Treppchens auf der Karriereleiter. Diese Grundeinstellung ist dem Networking sogar eher abträglich. Mit „Ich gebe Dir nur etwas, wenn Du mir etwas gibst“ kommt man nicht besonders weit, da so die Basis für gutes Netzwerken fehlt: Sympathie und Vertrauen! Wer immer zählt, wer wie viel gibt, spielt irgendwann alleine.

Digitales Networking – so schaffen Sie die Basis

Zentral für das digitale Netzwerken ist Ihre digitale Identität. Menschen googeln nach Ihnen, wenn Sie ihnen beispielsweise durch einen gemeinsamen Kontakt empfohlen wurden. Wann haben Sie das letzte Mal „Ego-googeln“ betrieben und Ihren Namen in eine Suchmaschine eingegeben? Wer nicht auffindbar ist, kann schnell Misstrauen hervorrufen.

Die ersten Suchergebnisse führen meistens zu Ihren Social-Media-Kanälen. Wenn Sie auf Facebook, Instagram und Co. eher im Freizeitmodus unterwegs sind mit Bildern, die Sie nicht unbedingt potenziellen Geschäftspartnern zeigen wollen, sollten Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen prüfen.

Was aber beim Googeln nach Ihrem Namen auf jeden Fall gefunden werden sollte: Ihr vollständiges und aussagekräftiges LinkedIn- und/oder XING-Profil. Insbesondere das Profilbild sollte sympathisch, professionell und aktuell sein.

Mit rund 17 Millionen Nutzern im DACH-Raum ist XING dem internationalen Mitbewerber LinkedIn mit 14 Millionen (weltweit sind es über 670 Millionen) knapp voraus. Insbesondere LinkedIn hat sich über die letzten Jahre zu einer Content-Plattform entwickelt, auf der Menschen sich über Beiträge und Artikel austauschen. Darüber werden häufig neue Kontakte geknüpft. Es lohnt sich also, die Plattform auch als „nicht-internationaler“ LinkedIn-User aktiver zu nutzen.

In Kontakt kommen

Ob Sie sich nun schon kennen oder noch nicht – das Vernetzen über LinkedIn oder XING hat einen klaren Vorteil gegenüber einem Austausch von Visitenkarten auf einem Event: So sieht Ihr Profilbesucher beispielsweise, ob Sie gemeinsame Kontakte haben. Das sorgt für einen Vertrauensvorsprung.

Gleichzeitig haben viele Menschen eher weniger aussagekräftige Titel auf der Visitenkarte stehen. In den Business-Netzwerken erfahre ich meistens ein paar mehr Infos zu der aktuellen (und vergangenen) Rolle. Unter dem Punkt „(Letzte) Aktivitäten“, dem sogenannten Social Listening, finde ich zudem heraus, welche Beiträge die Person in letzter Zeit gelikt oder selbst geteilt hat. In LinkedIn und XING kann ich somit potenzielle Anknüpfungspunkte genauer erkennen, welche vielleicht sogar in einem kurzen Gespräch münden.

Wenn Sie jemanden entdeckt haben, mit dem Sie sich vernetzen möchten, sollten Sie zu der Kontaktanfrage immer einen kurzen Text schreiben. In XING geht das nur über die Premium-Lizenz, auf LinkedIn stehen jedem Nutzer 300 Zeichen zur Verfügung.

Erklären Sie kurz, welche Verbindung zu Ihrer Tätigkeit oder Ihren Interessen bestehen und warum Sie sich mit der Person vernetzen möchten. Wenn Sie noch keinen aktuellen Grund für die Vernetzung haben, die Person aber spannend finden, könnten Sie z. B. schreiben, dass Sie ihre Beiträge hilfreich finden und in Zukunft gerne mehr von ihr lesen möchten. So haben Sie eine Basis geschaffen, bevor sich in Zukunft vielleicht konkretere Anknüpfungspunkte ergeben.

In Kontakt bleiben

Social Media hat nicht von ungefähr das Wort „Social“ im Titel. Auch bei persönlichen Begegnungen geht es darum, zuzuhören und Ihrem Gesprächspartner (in diesem Fall Netzwerk) einen Mehrwert zu bieten.

In LinkedIn und XING geschieht das, indem Sie mit relevanten Kontakten z.  B. über die Kommentarfunktion in Interaktion treten oder Ihre Expertise in Beiträgen teilen. Einer Ihrer Kontakte teilt einen Beitrag zum Thema Corporate Learning und Sie sind Experte auf dem Gebiet? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren oder schicken Sie der Person eine relevante Studie.

Der Vorteil ist, dass Sie Ihr Wissen nicht nur gezielt mit einer Person, sondern mit mehreren gleichzeitig teilen können. So werden weitere relevante Personen auf Sie aufmerksam.

Ebenfalls sehr hilfreich: Sie sehen, wer Geburtstag hat, wer befördert wurde und wer einen neuen Job hat – weitere wertvolle Anknüpfungspunkte.

Fazit: Digitales Networking lohnt sich gleich mehrfach

Hinter dem Begriff „digitales Networking“ steht ein moderater Zeitaufwand, der sich allerdings gleich mehrfach für Sie lohnt. Vom Auf- und Ausbau von Know-how über den Austausch zu verschiedenen Themen bis hin zu Karrieremöglichkeiten – ein gepflegtes Netzwerk zahlt sich allemal aus. Wichtig dabei ist der Mehrwert, den Sie anderen bieten und der Fokus. Lassen Sie nicht jeden in Ihr LinkedIn- und XING-Netzwerk. Qualität und Relevanz gehen vor Quantität! An der Haustüre lassen Sie ja auch nicht jeden herein.

Kommentare


  1. Günter Heini

    In der Tat. Plattformen wie XING oder LinkedIn erleben gerade einen Boom, was Netzwerken angeht. Ich muss gestehen, ich fühle mich hier bei LinkedIn sehr wohl.

    So knüpfe ich gerne Kontakte:

    „Hallo Bruno, ich sehe wir haben mit Marketing ein gemeinsames Thema. Und ich kenne Ihre Branche sehr gut. Sollen wir uns vernetzen? Vielen Dank. Lieben Gruß G. Heini“

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  2. Matthias

    LinkedIn gehört mit den zu den wenigen Webseiten die am Arbeitsplatz noch erlaubt sind.
    Viele andere Social Media Anbieter gelten als No Go.
    Bzgl. Netzwerken arbeite ich auch gerne mit Slack. Dort entsteht schneller das Gefühl von Gemeinsam.
    Gruppen in LinkedIn, Facebook und Co machen oft den Eindruck reine Werbung und Promotion Gruppen zu sein.
    Sich austauschen ist dort oft nur schlecht möglich.
    Bei einigem Firmen war vor dem Virus Home Office ein No Go, jetzt ist es die Corporate Philosophy.
    Wie schnell sich doch manche Firmen ändern können, wenn ein bisschen Druck von aussen kommt.
    Inzwischen gibt es wohl auch Firmen die ihre Atlassian oder TeamPoint Umgebung für nicht VPN User geöffnet haben.
    Als Problem empfinde ich teilweise, dass Menschen über ihre Office Telefonnummer nicht mehr erreichbar sind.
    Nicht jeder Arbeitgeber/Arbeitnehmer scheint Rufumleitungen im Griff zu haben, und nicht überall gibt es Telefonnummern die mit WhatsApp und Co kompatibel sind.
    Welche Erfahrungen macht denn Hays im Home Office mit Remote Rekruiting?

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