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Dürfen Sie sich als verantwortungsvoller und gestalterisch wirkender Manager eine Auszeit nehmen und sich bewusst und geplant aus Ihrer Firma zurückziehen? Bricht dann nicht die ganze Welt oder mindestens Ihr Business zusammen? Was werden die Kollegen über Sie sagen? Was ist denn überhaupt der Unterschied zwischen einem Sabbatical und einem längeren Urlaub?

Und überhaupt: Was bringt Ihnen eine solche Auszeit für Ihre persönliche und berufliche Entwicklung? Um diese und noch weitere zahllose Fragen zu beantworten, habe ich mich unlängst quasi im Selbstversuch, für sechs Wochen mit dem Rucksack auf eine Reise begeben – eine Reise zu mir selbst auf dem Weg durch Malaysia, Kambodscha, Vietnam und Thailand.

Resilienzseminare? Vergessen Sie diese!

Das positive Ergebnis dieser Reise fühle ich heute, drei Wochen nach meiner Rückkehr, in aller Deutlichkeit: Im Zentrum des Orkans herrscht Ruhe, Klarheit, Gelassenheit, angereichert mit einer Portion selbst erfahrener Weisheit. I am ready to rumble again!

Als moderner Manager bist Du ja nicht einfach nur erschöpft. Nein, Du bist eher ausgebrannt. Das impliziert jedoch auch, dass Du zuvor kräftig gebrannt, also etwas auf die Beine gestellt hast. Der „Burnout“ ist somit die fast schon ehrenvolle Folge großen Tuns und entzieht sich damit sprachlich Deiner eigenen Verantwortung: ist halt so, das ist der Preis. Ein reines Thema für die Krankenkasse.

Aber so kausal und unvermeidbar ist das natürlich nicht. Und verantwortungsvolle Unternehmen, die den Human-Capital-Gedanken verinnerlicht haben, haben das auch schon lange begriffen und ermöglichen ihren Mitarbeitern solche Zeiten der Regeneration. Denn in den normalen zwei bis drei Wochen Urlaub, meist mit Familie oder Freunden, schaltest Du als Wissensarbeiter und Change-Manager weder komplett ab noch findest Du Dein eigenes Selbst jenseits Deiner eigenen Realität.

Allerdings: Der Mut und die Erkenntnis, dieses Angebot auch anzunehmen, sind Deine eigene Entscheidung. Alles andere wäre nicht bewusst und proaktiv gemanagt, sondern einfach nur stumpf ertragen.

Eine bewusste Auszeit stärkt den Geist

Eine bewusste Auszeit regeneriert nicht nur, sie kann die Leistungsfähigkeit sogar gravierend steigern! In dem Management-Klassiker „Die 7 Wege zur Effektivität“ spricht Steven Covey davon, nicht nur schweißgebadet Holz zu hacken, sondern rät uns, gelegentlich auch die Säge zu schärfen. Logisch! Wir alle bringen unsere Fahrzeuge zur Inspektion, solange sie noch fahren, und warten nicht darauf, dass es uns irgendwann einmal unvermeidlicher Weise den Motor zerreißt. Auch logisch! Und von meiner Marathon-laufenden Freundin klingt mir stets der Satz im Ohr: „In den Trainingspausen wird man schneller.“

All das sind gute, plakativ formulierte Gründe für eine bewusste Auszeit. Eine Zeit, in der das System der eigenen Realität auf „aus“ geschaltet wird. Dann finden einen oft genug genau die Antworten, die Paradigmen, die man bisher verkrampft gesucht hat. Mich hat in Asien eine Geschichte gefunden, die das „Wozu?“ einer Auszeit für Besinnung und Regeneration wunderbar auf den Punkt bringt. Und da sie mir von einem großen Storyteller erzählt wurde, ist sie auch hängengeblieben und wirkt auf vielen Ebenen nach:

In der Bhagavad Gita, der Heiligen Schrift der Hindus, muss General Arjuna die große Entscheidungsschlacht in einem epischen Bürgerkrieg führen. Gut gegen Böse, die Alte Welt gegen die Neue Welt. Kurz vor Beginn des Kampfes fährt Arjuna nun mit seinem Streitwagen zwischen die Linien und erkennt auf der gegnerischen Seite Teile seiner Familie, seiner Freunde und seiner Lehrer.

Im Angesicht dieser Menschen, seiner Vergangenheit überkommen ihn Zweifel und Ängste – eine Kapitulation deutet sich an. In seinem Schock wendet er sich an seinen Wagenlenker und fragt ihn, wie er nun richtig handeln soll. Der Wagenlenker entpuppt sich als Krishna, kein Geringerer als die Verkörperung des ewigen göttlichen Prinzips.

In diesem Moment, kurz vor der Schlacht seines Lebens, hält nun Krishna für Arjuna die Welt und die Zeit an. Auszeit! Und dann unterrichtet er ihn über das Wesen der Welt und über die Weisheit des richtigen Handelns in dieser Welt. Nur in dieser Auszeit ist es Arjuna möglich, seinen Blick von den Bäumen erneut auf den gesamten Wald zu richten. Und er erhält von Krishna ein zeitloses neues Paradigma, das sehr viel mit Pflichtbewusstsein, Change-Management und agilen Management-Methoden zu tun hat. Und natürlich hat er die Schlacht danach gewonnen. Und zwar episch, nicht erschöpft!

Time out, please!

Die Auszeit als Chance, sich neu zu justieren. Zu wachsen. Zu lernen. Über den Tellerrand zu blicken. In einer sich immer schneller drehenden Welt sind Auszeiten Pflichtprogramm für jeden Manager.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Auszeiten gemacht? Ich freue mich über einen Erfahrungsaustausch mit Ihnen.

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