Wussten Sie, dass große Jobbörsen im Schnitt zwischen 20.000 und 100.000 Stellenanzeigen im gesamten Bundesgebiet gelistet haben? Über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sind gleichzeitig sogar über eine Million Stellen ausgeschrieben.

Selbstverständlich reduzieren sich jene Zahlen je nach Suchparametern auf (teils) noch mehrere 100 Ausschreibungen. Bis Sie eine Bewerbung tatsächlich abgeschickt haben, haben Sie sicherlich bereits etliche Anzeigen durchgeschaut und dann entschieden, ob sich eine Bewerbung beim ausschreibenden Unternehmen lohnt oder nicht. Laut einer Studie von Talent Works verbringen Stellensuchende mehr als drei Stunden am Tag allein mit der Suche nach passenden Jobs. Warum diese drei Stunden nicht eher in die Erstellung der eignen Bewerbungsunterlagen investieren und die Stellen auf andere Weise finden? Wäre das nicht sinnvoller? Außerdem gibt es jetzt „Google for Jobs“ – das spart doch sicher Zeit?

Exkurs: Welche Kanäle Unternehmen zur Mitarbeitergewinnung nutzen

Das sind berechtigte Fragen. Zunächst zu „Google for Jobs“: Es handelt sich dabei um kein Online-Jobboard. Hierauf finden Sie lediglich gespiegelte Stellenanzeigen von Jobbörsen und Unternehmens-websites wie beispielsweise Xing.de, Monster.de oder Stellenanzeigen.de. Hier liegt also nur eine geringe Zeitersparnis vor.

Vielleicht dementsprechend doch besser auf Online-Stellenportalen suchen? Unterschiedlichste Studien und Befragungen zeigen alle ein recht ähnliches Bild: Selbst die Rekrutierung über die eigene Unternehmenswebsite (53 %) bleibt als Medium zur Personalbeschaffung hinter der Nutzung von Online-Stellenportalen mit 63 % zurück – so der aktuelle HR-Report. Diesen Top-Kanälen folgen Mitarbeiterempfehlungen, Personaldienstleister und Headhunter sowie die Rekrutierung über soziale Netzwerke bzw. Social Media.

In den Quellen der tatsächlichen Neueinstellungen spiegelt sich diese Verteilung dann nahezu wider. Im Jahr 2019 wurden mehr als ein Drittel der Neueinstellungen über Stellenbörsen im Internet realisiert, rund 30 % über Stellenausschreibungen auf den Unternehmenswebsites und lediglich etwa 18 % über Kanäle, bei denen Stellenausschreibungen keine Relevanz aufweisen (z. B. Empfehlungen, Direktansprache durch Headhunter). Sie sehen also, es kann sich durchaus lohnen, trotz des augenscheinlichen Stellendschungels im Netz nach geeigneten Jobs zu recherchieren.

Wie Sie eine Stellenausschreibung lesen sollten

Die meisten Jobanzeigen, denen Sie begegnen werden, lassen sich in zwei Arten teilen: Sie sind entweder fähigkeits- oder kompetenzbasiert. Kompetenzbasierte Stellenbeschreibungen verfolgen eher einen ganzheitlichen Ansatz. Hier wird neben den Fähigkeiten auch berücksichtigt, wie der zukünftige Stelleninhaber sich verhalten sollte, um Erfolg in der jeweiligen Position zu haben. Fähigkeitsbasierte Anzeigen bestehen zumeist aus der Stellenbezeichnung, den Aufgaben und den geforderten Fähigkeiten. Dies ist übrigens hierzulande die am häufigsten verbreitete Art, Vakanzen auszuschreiben.

Die Stellenbezeichnung

Für das Suchen und Lesen beider Arten von Stellenanzeigen gilt: Lassen Sie sich nicht allein vom Jobtitel leiten (oder gar abschrecken). In Fachkreisen kursieren schon eine Zeit lang Trends, Stellentitel möglichst kreativ zu gestalten, um Bewerbern* den Job schmackhaft zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie z. B. als Controller nach dem Titel „Zahlen-Wizard“ suchen werden, ist wohl gering – und auch nicht notwendig. Sollte jedoch in Ihrer Ergebnisliste ein solcher Job auftauchen, nehmen Sie sich die Zeit, diese Anzeige zu lesen. Denn irgendeiner Ihrer Suchparameter hat sich in der Ausschreibung als passend erwiesen.

Das Ausschlussverfahren

Grundsätzlich sollten Sie dann Stellenausschreibungen zunächst nach Ihren eignen Muss- und Kann-Kriterien filtern. Haben Sie beispielsweise einen festen Pendelradius bzw. Zielarbeitsort, lesen Sie zunächst nach, ob das jeweilige Angebot dieses Kriterium erfüllt. Ähnliches kann ich für Branchen empfehlen: Haben Sie Sektoren, in denen Sie auf keinen Fall tätig werden möchten, sortieren Sie zunächst hiernach aus.

Kleiner Tipp am Rande: Seien Sie nicht allzu genau, denn es wäre schade, eine potenziell hochinteressante Stelle außen vor zu lassen, nur weil diese 3 km weiter entfernt ist als Ihr gewohnter Pendelweg.

Das Gehalt wird von Unternehmen oft gar nicht oder in sehr großen Spannen angegeben – hiernach im ersten Schritt zu filtern halte ich für riskant – außer natürlich Sie finden eine feste Entgeltgruppe in den Stellenausschreibungen.

Dokumentation und Struktur

Egal ob Sie über „Google for Jobs“, auf Online-Stellenbörsen oder direkt auf den Karriereseiten der Unternehmen suchen, Sie werden in der Regel eine Stellenausschreibung mehrfach zu Gesicht bekommen. Denn viele Unternehmen setzen beim Veröffentlichen von Vakanzen auf sogenanntes Multiposting. Das bedeutet, dass eine Stelle gleichzeitig auf verschiedenen Jobportalen ausgeschrieben wird.

Machen Sie sich innerhalb der jeweiligen Jobbörsen Funktionen wie Merklisten und „Job-Alerts“ zunutze, die Sie automatisch über neue Stellenausschreibungen per E-Mail oder Push-Nachricht informieren. Zudem ist es ratsam, sich digital oder mittels einer Merkliste eine Struktur zu schaffen. Dies verhindert, dass Sie wertvolle Zeit verschwenden, indem Sie sich mehrfach bei einem Unternehmen auf denselben Job bewerben. Dokumentieren Sie hierzu nicht nur den Jobtitel und das Bewerbungsdatum, sondern auch das Zielunternehmen, die Bewerbungsart (per Post, per E-Mail, per Online-Tool etc.), Ansprechpartner und den jeweiligen Prozessschritt (z. B. Eingangsbestätigung, Telefoninterview terminiert, Absage) bis hin zu dem Datum, zu dem Sie bzgl. eines Feedbacks nachfassen möchten. Sollten Sie die Dokumentation digital tätigen, rate ich Ihnen, zusätzlich die versandten Unterlagen abzuspeichern– so wissen Sie am Ende noch, mit welchem individuellen Anschreiben und Lebenslauf Sie sich beworben haben und wie hoch Ihre Gehaltsangabe war.

Kann- und Musskriterien auf Unternehmensseite

Wie bereits erwähnt wird ein Unternehmen eine klassische Stellenausschreibung in Aufgaben und Befugnisse unterteilen: „Wir suchen“ und „Was Sie mitbringen“ (häufig). Aus beiden Optionen lassen sich Kann- und Musskriterien für die jeweilige Stelle extrahieren. Wenn Sie sich also die ausgeschriebene Vakanz durchlesen, gehen Sie folgendermaßen vor:

1.) Heben Sie Kernelemente für sich und Ihre Bewerbung hervor bzw. notieren Sie sich diese. Hinweise auf Fähigkeiten und Kompetenzen, die dem Unternehmen besonders wichtig sind, finden Sie oftmals begleitet von Formulierungen wie „zwingend erforderlich“, „unbedingt notwendig“ oder auch „unabdingbar“. Sogenannte Kann-Kriterien, also Anforderungen, die Sie positiv von der Masse abheben, sind hingegen oft folgendermaßen verklausuliert: „wünschenswert“, „idealerweise“ oder „vorteilhaft“.

2.) Lesen Sie eine Stellenausschreibung auch gerne mehrfach, damit Ihnen nichts Wichtiges entgeht. Als Zusatztipp möchte ich Ihnen mitgeben, auch die Unternehmensvorstellung und den Text nach den Aufgaben und Anforderungskriterien genau durchzugehen. Hier bekommen Sie erste wichtige Einblicke in z. B. Unternehmenskultur und -werte, die Sie in Ihre Bewerbungsunterlagen mit einbauen können, oder auch einen Überblick über Mitarbeiterzahlen und Organisationsstrukturen, was wiederum für ein etwaiges Vorstellungsgespräch interessant sein kann.

Meist finden Sie zudem gegen Ende der Ausschreibung auch Hinweise zur bevorzugten Form der Bewerbung, d. h. beispielsweise via E-Mail, postalisch oder via Online-Formular. Zudem bekommen Sie hier Hinweise, welche Unterlagen Sie für eine Bewerbung einsenden und ob Sie im Anschreiben bereits ein mögliches Startdatum und/oder Ihre Gehaltsvorstellungen angeben sollen. Werden Sie all den hier gestellten Anforderungen des Unternehmens in jedem Fall gerecht und schicken Sie bitte nur mit, was gefordert ist.

Muss mein Profil genau auf die Stellenausschreibung passen, damit ich mich bewerben kann?

Nun haben Sie passende Vakanzen gefunden, die Ihnen interessant genug scheinen, sich darauf zu bewerben. Stellensuchende, vor allem Frauen, schrecken oft vor einer Bewerbung zurück, wenn sie nicht alle gewünschten Anforderungen der ausgeschriebenen Position erfüllen. Das ist sehr schade, denn so entgeht ihnen vielleicht ihr Traumjob.

Zunächst sollten Sie feststellen, bei welchen der geforderten Qualifikationen es sich um die oben erwähnten Muss- oder Kann-Kriterien handelt. Egal ob dies Fähigkeiten (Hardskill) oder gewünschte Eigenschaften (Softskill) sind: Die Einstellung neuer Mitarbeiter erfolgt bei Weitem nicht nur aufgrund des Fachwissens, sondern je nach Branche zu gleichen Teilen aufgrund von Hard- bzw. Softskills.

Bringen Sie bspw. einen Großteil der Muss-Kriterien mit, aber keines der Kann-Kriterien, ist eine Bewerbung auf jeden Fall sinnvoll. Zudem ist es wichtig, zwischen Hard- und Softskills bzw. zwischen vergleichbaren und/oder schnell erlernbaren Fähigkeiten oder Kompetenzen zu unterscheiden. Sind darüber hinaus Softskills gefragt, die Sie zwar leisten könnten, die allerdings nicht Ihrem Naturell entsprechen, so sollten Sie eine Bewerbung genau abwägen.

Ein Beispiel:

In einer Stellenanzeige sind unter anderem fließende Mandarin-Kenntnisse und Sorgfalt als Muss-Kriterien gefragt. Darüber hinaus sollen sie Verhandlungsgeschick sowie professionelle Anwenderkenntnisse in Lotus Notes mitbringen.

    • Szenario 1:

Sie sprechen fließend Mandarin, sind im Verhandeln unschlagbar, haben allerdings bisher nur mit Outlook gearbeitet. Generell sind Sie weniger detailorientiert, sondern haben eher das große Ganze im Blick.

Da Sie mit Lotus Notes aufgrund der Ähnlichkeit zu Outlook nach einer kurzen Einarbeitungszeit wahrscheinlich gut zurechtkommen werden (und sich vor einem Vorstellungsgespräch sogar erste Grundlagen aneignen könnten) sowie Verhandlungsgeschick mitbringen, ist eine Bewerbung sinnvoll. Sie sollten sich lediglich Gedanken machen, ob Ihnen ein Job, in dem Sorgfalt an der Tagesordnung zu sein scheint, auf Dauer für Sie ansprechend ist.

Mein Tipp: Sofern Ihre Antwort kein hartes Nein ist, lohnt sich eine Bewerbung dennoch – finden Sie in einem etwaigen Vorstellungsgespräch heraus, in welchem Zusammenhang das Unternehmen was genau unter Sorgfalt versteht.

    • Szenario 2:

Sie sprechen zwar fließend drei Sprachen, Mandarin gehört allerdings nicht dazu. Ihr Verhandlungsgeschick konnten Sie privat bereits beweisen. Sie sind sorgfältig und haben erste Anwenderkenntnisse in Lotus Notes.

Obwohl Sie Sorgfalt und Lotus-Notes-Kenntnisse mitbringen, werden Sie es bei einer Bewerbung schwer haben, unter die favorisierten Kandidaten zu kommen. Ihr Verhandlungsgeschick mögen Sie recht schnell auch auf professioneller Ebene ausbauen können. Mandarin hingegen innerhalb kürzester Zeit fließend zu erlernen, mag einigen Einzelpersonen gelingen, ist allerdings recht unwahrscheinlich.

Eine Bewerbung können Sie – sollte es sich z. B. um Ihr Wunschunternehmen handeln – selbstverständlich dennoch einreichen. Denn eine Absage ist Ihnen nur dann sicher, wenn Sie es gar nicht erst versuchen. Setzen Sie Bewerbungen auf solche eher unpassenden Stellen allerdings dosiert ein, da diese besonders viel Zeit bezüglich der Erstellung der Unterlagen erfordern.  

Generell gilt also: Trauen Sie sich auch bei auf den ersten Blick unpassenden Stellenausschreibungen eine Bewerbung zu versenden. Es gibt Studien, die besagen, dass Bewerber zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden, egal ob sie 50 % oder 90 % der für die Position geforderten Kriterien erfüllen. Wenn Sie sich in Sicherheit wägen möchten, setzen Sie bei 60 % Passgenauigkeit an.

Bedeutet die Wunschqualifikation „Belastbarkeit“ gleich „Überstunden“?

Von Bewerbern höre ich immer wieder: „Wenn ein Unternehmen einen belastbaren, flexiblen Mitarbeiter sucht, sind Überstunden und Wochenendarbeit an der Tagesordnung.“ Das mag in wenigen Fällen auch so sein. Doch genauso wie sich andere Bewerbermythen hartnäckig in Kandidatenkreisen halten, so scheint auch dieser Mythos über die Jahre nicht ausgeräumt worden sein.

In einer Studie von Jobfeed wurden 120.000 Online-Stellenanzeigen von über 500 Arbeitgebern ausgewertet. Demnach sollen Sie vor allem eins sein: flexibel, einsatzbereit und engagiert. Warum diese (und andere) Schlagworte immer wieder in Stellenausschreibungen auftauchen, ist kaum verwunderlich. Zahlreiche Unternehmen bieten Software, Kurse und Tipps an, wie Personaler ihre Vakanzen fit für digitale Jobboards machen – also SEO-optimieren.

Daher rate ich Ihnen, solche Mythen und vermeintliche Verklausulierungen nicht überzubewerten, sondern die Stelle und das Unternehmen als Ganzes zu betrachten. Senden Sie eine Bewerbung ein und entscheiden Sie nach einem Vorstellungsgespräch, ob Sie für das Unternehmen tätig werden möchten oder nicht. Genauso handhabt es nämlich auch Ihr potenzieller Arbeitgeber.

Weitere Tipps rund um Beruf und Karriere finden Sie in unserem Karriere-Center. Oder Sie vereinbaren einen Termin für eine kostenfreie, telefonische Beratung unter relationshipmanagement@hays.de.

 

* Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

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