Als politisch interessierter Leser sind Sie sicherlich gut darüber informiert, was in deutschen Landen läuft. Daher zunächst eine Frage zur Auflockerung: Was denken Sie ist im Bundeshaushalt 2013 nach dem größten Ressort "Arbeit und Soziales" (mit fast 120 Milliarden Euro) der zweitgrößte Posten? Benennen Sie es bitte, bevor Sie weiterlesen. Auflösung: Es ist das Ressort "Verteidigung" mit knapp 33 Milliarden Euro, immerhin die zweifache Summe des Bildungs- und Forschungsetats. Überrascht? Unglaubliche Beträge, aber das sind quasi nur "Peanuts" im Vergleich zum gesamten öffentlichen Auftragsvolumen von Bund, Ländern und Kommunen. Dieses ist weit größer als der weltweite Umsatz von Bayer, Lufthansa und Volkswagen zusammen. Eine unvorstellbare Summe, wir sprechen hier von mehr als 230 Milliarden Euro. Diese Ausgabendimension erzeugt in Deutschland eine regelrechte Auftragsmacht der öffentlichen Hand, daher muss verantwortungsvoll und regelgerecht ausgegeben werden. Dafür sorgt das Vergaberecht, doch gespickt mit immer mehr EU-Richtlinien, wird es zunehmend komplexer.

Public-Sector-Studie

Uns hat es bei Hays interessiert, wie das öffentliche Geld seinen Weg zu den Auftragnehmern findet, so dass wir dafür eine Befragung in Auftrag gegeben haben. Interviewt wurden mehr als 350 verantwortliche Entscheider in den Vergabestellen, die über Ausschreibungen die relevanten Anbieter selektieren. Auf die wichtigsten Erkenntnisse unserer Studie möchte ich kurz eingehen:
  • Wo finden potentielle Auftraggeber überhaupt die Aufträge? Die Vergabestellen bestätigen, dass sie die Veröffentlichung sehr breit streuen, es existiert ein Wildwuchs von Ausschreibungsdiensten, es ist nahezu unmöglich, alle im Blick zu behalten. Eine Tendenz ist jedoch klar erkennbar: Die Nutzung elektronischer Medien nimmt stark zu, Print-Medien spielen kaum noch eine Rolle. Die Befragten bestätigen, dass sich in den kommenden Jahren die sogenannte eVergabe, also ein durchgehender elektronischer Ausschreibungsprozess, durchsetzen wird (laut 67 Prozent der Befragten). Das ist gut, es vereinfacht vieles – aber sind die Anbieter am Markt überhaupt darauf vorbereitet? Wahrscheinlich nicht. Zu wenige Anbieter verfügen heute über mitarbeiterbezogene elektronische Signaturen. Das wirkt wettbewerbshemmend.
  • Ein weiterer Befragungspunkt in unserer Studie beschäftigte sich mit der Anforderung an öffentliche Referenzen und warum diese so häufig angefragt werden, obwohl sie oft keine Aussage über die Leistungsfähigkeit zulassen. Erschreckenderweise sind diese für mehr als 80 Prozent der Vergabestellen immer noch wichtig. Böse Zungen aus dem Bietermarkt bezeichnen diese Anforderung als "Inzestklausel", führt sie in Ausschreibungen doch dazu, dass die Aufträge nicht an neue Bieter – trotz deren hoher Kompetenz – vergeben werden.
  • Die Studie bestätigt zudem, dass für die Beschaffung von Personal im Public Sector relativ geringe Erfahrungswerte vorliegen. Die Arbeitnehmerüberlassung ist als Vertragsform bereits gut bekannt (laut 60 Prozent der Befragten), wobei der Einsatz von Freiberuflern und die Personalberatung noch recht schwach repräsentiert sind (33 Prozent bzw. 16 Prozent). Im privatwirtschaftlichen Bereich werden deutlich höhere Nutzungswerte verzeichnet. Es ist stark davon auszugehen, dass wir im deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren, auch bedingt durch einen zunehmenden Fachkräftemangel, eine stärkere Zunahme der Personaldienstleistungen im öffentlichen Sektor verzeichnen werden.
Der Public Sector ist, wie wir gesehen haben, ein sehr attraktiver Auftraggeber mit einem enormen Investitionsvolumen. Aber er wird weiterhin einer großen Gruppe potentialträchtiger Anbieter verschlossen bleiben, da viele die "Spielregeln des Vergaberechts" nicht einhalten können. Vor allem Freiberufler und kleinere Mittelständler. Gesellschaftliche Megatrends wie Digitalisierung oder der Fachkräftemangel sind von Seiten der öffentlichen Hand sicherlich bereits erkannt, aber bei weitem noch nicht ausreichend behandelt. Die vollständige Public-Sector-Studie finden Sie hier: www.hays.de/studien

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